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Umzug in der Nähe von Brüssel : Belgische Karnevalisten zeigen Juden als Geldeintreiber

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Der Twitteruser @EranCicruel hat ein Foto des kritisierten Wagens geteilt. Bild: Screenshot F.A.Z. / twitter.com/EranCicurel

Der Karnevalsumzug in der belgischen Stadt Aalst lockt jährlich Tausende Besucher. Ein Wagen sorgte in diesem Jahr für einen Aufschrei der jüdischen Gemeinschaft: Er bediene antisemitische Stereotype aus dem dritten Reich.

          Jüdische Vertreter haben einen Wagen einer Karnevalsparade in der belgischen Kleinstadt Aalst als antisemitisch kritisiert. Der Wagen, der bei dem Umzug nahe Brüssel mitfuhr, zeigte Figuren orthodoxer Juden – mit Hakennasen und Beuteln voll Geld zu ihren Füßen. Ein Bild, das auch die Nationalsozialisten während des dritten Reichs in ihrem judenfeindlichen Blatt „Stümer“ verbreiteten.

          Die Kleinstadt Aalst ist berühmt für ihre dreitägige Karnevalsfeier. Die Unesco nahm den Aalster Karneval 2010 sogar in die „Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ auf. Aalst liegt in der Nähe von Brüssel, die Parade fand nur etwa 30 Kilometer entfernt vom Europäischen Parlament statt. EU-Kommissionssprecher Margaritis Schinas sagte, es sei für ihn „unvorstellbar, dass solche Bilder 74 Jahre nach der Schoah auf europäischen Straßen vorkommen“. Dem britischen Sende BBC zufolge sagte er, „wir Europäer haben nicht den Luxus, dies auf die leichte Schulter zu nehmen. (...) Im letzten Jahrhundert haben wir es einmal gesehen und wissen, wie dieser Film endet – und niemand möchte, dass dieser Film wiederholt wird.“

          „Schockierend“ nannte der niederländische Oberrabbiner Binyomin Jacobs den Wagen. Er erinnere ihn an „typische, antisemitische Karikaturen aus dem Jahr 1939“, wie die „Jüdische Allgemeine“ berichtet. Die Dachverbände der flämischen und französischsprachigen Juden in Belgien, CCOJB und FJO, teilten der Zeitung zufolge mit, dass es in einer Demokratie wie Belgien keinen Platz für solche Dinge geben dürfe, ganz gleich, „ob Karneval ist oder nicht“.

          Der jüdische Karnevalsverein „Kölsche Kippa Köpp“ aus Köln schloss sich den Protesten der jüdischen Verbände aus dem Nachbarland an. „Der antisemitische Vorfall in Belgien hat uns als Juden und jüdische Karnevalisten schockiert“, sagte Volker Scholz-Goldenberg vom Verein auf FAZ.NET-Anfrage. In der Karnevalshochburg Köln habe es bei der diesjährigen Session keine antisemitischen Vorfälle gegeben. „Im Gegenteil. Die neuerliche Existenz eines jüdischen Karnevalsvereins wurde in den karnevalistischen Kreisen explizit begrüßt und mit viel positiver Resonanz bedacht“, so Scholz-Goldenberg.

          Die belgische Karnevalsgruppe „Vismooil’n“ wollte der BBC zufolge mit ihrem Wagen ein „Sabbatjahr ankündigen“. Die Karnevalisten hätten demnach in diesem Jahr weniger Geld ausgegeben, um im kommenden Jahr ein teureres Projekt realisieren zu können, mit dem Wagen hätte man die Ersparnisse symbolisieren wollen.

          Über einen antisemitischen Vorfall beim Aalster Karneval wurde laut der „Jüdischen Allgemeinen“ schon 2013 berichtet. Damals habe ein Umzugswagen einem Eisenbahnwaggon geähnelt, mit dem Juden im Nationalsozialismus in Konzentrationslager deportiert worden waren. Dazu marschierten Karnevalisten in SS-Uniformen.

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