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Kommentar zum Karlspreis : Der richtige Preisträger?

UN-Generalsekretär Antonio Guterres ist in New York vieles, aber sicher kein Abgesandter „Europas“. Warum erhält er trotzdem den renommiertesten europäischen Preis?

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          Generalsekretär der Vereinten Nationen ist ein „Job“, der vielleicht nicht so schön ist wie der des oder der SPD-Vorsitzenden, aber leichter ist er mit Sicherheit nicht. Vor allem nicht in einer Zeit, in der Großmachtkonflikte wieder möglich werden, globale Krisen und Herausforderungen kaum zu beherrschen und Extremismus und Nationalismus allenthalben auf dem Vormarsch sind. António Guterres, seit Januar 2017 an der Spitze der Vereinten Nationen, ist somit um seine Aufgabe nicht zu beneiden. Aber ist er deshalb eine zwingende Wahl als Träger des diesjährigen Karlspreises?

          In der Begründung für die Auszeichnung wird auf die Verdienste des früheren portugiesischen Ministerpräsidenten um die „Neubelebung und Festigung der multilateralen Zusammenarbeit auf der Grundlage der Werte und Ziele der Europäischen Union und der Vereinten Nationen“ abgestellt. Multilateralismus – das ist die DNA der Weltorganisation und damit auch der Kern der Job-Beschreibung des Generalsekretärs. Die Frage ist, ob er dabei Erfolg hat, wenn er den Kodex und die Autorität „seiner“ UN vertritt und verteidigt. Vielleicht will man Guterres unterstützen, ihm moralisch beistehen in der Auseinandersetzung mit den Donald Trumps dieser Welt. Aber seine Bühne ist nicht die europäische, sie ist global.

          Um die europäischen Werte, um den Bestand der europäischen Einigung und den Zusammenhalt der EU-Mitglieder in schwierigen Zeiten, haben sich auch andere verdient gemacht. Da braucht man nicht am East River auf die Suche nach geeigneten Kandidaten für den vielleicht renommiertesten europäischen Preis zu gehen.

          Überdies ist es etwas vermessen, den UN-Generalsekretär als Protagonisten europäischer Werte darzustellen. Er ist in New York vieles, aber eine Art Abgesandter „Europas“ ist er nicht.

          Klaus-Dieter Frankenberger
          Redakteur in der Politik.

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