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Betroffene instrumentalisiert? : Ranghohe Geistliche fordern Erklärung von Kardinal Woelki

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Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki vor dem Kölner Dom während der Fronleichnamsprozession 2022 Bild: Imago

Der Kölner Kardinal Woelki soll laut einem Bericht den Betroffenenbeirat instrumentalisiert haben, um die Nichtveröffentlichung des ersten Missbrauchsgutachtens besser rechtfertigen zu können. Jetzt wächst der Druck auf ihn.

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          Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki gerät nach einem Bericht über die Instrumentalisierung des Betroffenenbeirats des Erzbistums zunehmend unter Druck. Ranghohe Geistliche des Erzbistums fordern eine Stellungnahme Woelkis zu diesem Vorwurf. Sollte die Strategie tatsächlich von Woelki so gebilligt worden sein, entspräche dies „einer moralischen Bankrotterklärung der Bistumsleitung“, schrieb der Kölner Stadtdechant Robert Kleine am Montagabend auf Facebook. Das Erzbistum und der Kardinal „können und dürfen sich jetzt keine Kommunikationsfehler mehr leisten und müssen klar benennen, was Auftrag der PR-Berater war“.

          Der Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken ließ sich in einer Pressemitteilung mit den Worten zitieren: „Ich fordere Kardinal Woelki dazu auf, unverzüglich zu den Veröffentlichungen des Kölner Stadtanzeigers Stellung zu nehmen und die entstandenen Eindrücke zu korrigieren.“ Schweige der Kardinal jedoch weiterhin, „weil die Vorwürfe des Kölner Stadtanzeigers zutreffen, dann stehen wir wahrscheinlich vor einem neuen Tiefpunkt in der Krise des Kölner Erzbistums“, so Picken.  „Wenn der Betroffenenbeirat des Erzbistums bewusst instrumentalisiert worden ist, macht das den bereits im Raum stehenden Vorwurf verständlich, Kardinal Woelki habe Missbrauchsopfer erneut missbraucht und ihre Retraumatisierung in Kauf genommen“.

          Auch der Wuppertaler Stadtdechant Bruno Kurth forderte eine Erklärung von Woelki. „Die geschilderten Vorgänge würden, sollten sie sich als wahr herausstellen, allem ehrlichen Bemühen in unseren Gemeinden und im Bistum um Aufklärung und Aufarbeitung des sexuellen Missbrauches massiv schaden“, teilte er mit. Betroffene würden durch diese „Instrumentalisierung“ noch einmal in ihrer Würde verletzt.

          Laut einem Bericht des „Kölner Stadt-Anzeigers“ vom Freitag rieten PR-Berater Woelki und seinem damaligen Generalvikar Markus Hofmann im Oktober 2020 dazu, den Betroffenenbeirat des Erzbistums kurzfristig von der längst beschlossenen Nichtveröffentlichung des ersten Missbrauchsgutachtens der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) zu überzeugen, um diese ge­genüber der Öffentlichkeit besser recht­fertigen zu können.

          Die PR-Leute gaben demnach auch genaue Regieanweisungen, wie die Betroffenen am besten zu manipulieren seien. Woelki folgte diesen Anweisungen offenbar im Detail. Die Vertrauenskrise infolge der Nichtveröffentlichung des Gutachtens hält bis heute an.

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