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Franziskus kommt nach Bagdad : Kardinal Sako bleibt realistisch

Kardinal Louis Raphael I. Sako berichtet am 3. März 2021 über die Vorbereitungen auf den Besuch von Papst Franziskus. Bild: EPA

Die meisten irakischen Christen sind schon aus ihrem Land geflohen. Ihr geistliches Oberhaupt erwartet, dass Papst Franziskus bei seinem Besuch diejenigen, die noch da sind, zum Bleiben auffordert.

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          Bagdad wird einer Festung gleichen, wenn Papst Franziskus an diesem Freitag seinen viertägigen Besuch im Irak beginnt. Zum Lockdown, den die Regierung wegen steigender Infektionszahlen verhängt hat, kommen die Sicherheitsvorkehrungen. Keine Reise im bald achtjährigen Pontifikat von Franziskus war bisher so mit Bedeutung befrachtet, aber auch so mit Bedenken beladen wie die in den Irak. Zum ersten Mal überhaupt kommt ein Papst ins Zweistromland.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Dieser Besuch ist zugleich ein historisches Ereignis und ein Wagnis. Franziskus kommt in ein Land, in dem das Corona- und das Gewaltvirus gleichermaßen zirkulieren. Für die Christen, für alle Nicht-Muslime im Irak ist jeder Tag Überlebenskampf. Vor zwei Jahrzehnten stellten Christen im Zweistromland etwa 1,5 Millionen der 39 Millionen Einwohner. Heute sind es noch 200.000 bis 400.000.

          Sako glaubt nicht an schnelle Rückkehr

          Von Franziskus erwarte er, dass er die Christen im Irak, aber auch in Syrien und im Libanon zum Bleiben in ihren Heimatländern ermutige, sagt Kardinal Louis Raphael I. Sako, chaldäisch-katholischer Patriarch von Babylon mit Sitz in Bagdad: „Die Menschen unserer Region sind die Wurzeln der Christenheit. Wenn es hier keine Christen mehr gibt, werden die Christen ohne Wurzeln sein.“

          Sako, 1948 als Spross einer ethnisch assyrischen Familie in Zaxo in der kurdischen Region im Nordirak geboren, studierte zunächst am Priesterseminar der Dominikaner in Mossul. An die Priesterweihe 1974 schlossen sich Tätigkeiten als Seelsorger in Mossul, später Studien der Theologie, Geschichte und Islamwissenschaften am Päpstlichen Orientalischen Institut in Rom sowie an der Sorbonne in Paris an.

          Sako spricht neben seiner syrisch-aramäischen Muttersprache Arabisch, Englisch, Französisch, Italienisch und Deutsch. 2002 wurde er zum Erzbischof von Kirkuk gewählt, 2013 zum Patriarchen der Chaldäer in Bagdad bestimmt. 2010 erhielt Sako für seine Versöhnungsarbeit den internationalen Friedenspreis der katholischen Friedensbewegung Pax Christi. Beim Konsistorium vom Juni 2018 wurde er von Papst Franziskus ins Kardinalskollegium berufen.

          Gott habe „seinen eigenen Plan für die Gegenwart der Christen im Irak“, sagt Sako: „Er lädt uns ein, die Botschaft von Nächstenliebe und Brüderlichkeit, Menschenwürde und harmonischer Koexistenz weiterzutragen.“ Die Hoffnung, der Besuch des Papstes könne ausgewanderte Christen zur Heimkehr in den Irak bewegen, hält Sako für vermessen: „Hier ist die irakische Regierung gefordert, die rechtlichen und materiellen Voraussetzungen für die Rückkehr zu schaffen.“

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