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Kommentar zu George Pell : Pathologisch

Kardinal George Pell wurde für schuldig befunden. Bild: EPA

Kardinal George Pell ist wegen Missbrauchs verurteilt worden. Er ist das Symbol einer Kirche, in der sich Päpste bis heute weigern, die „Pathologien der Religion“ beim Namen zu nennen.

          Wieder einmal ist die Nachricht weniger, dass ein ranghoher Kleriker von seiner Geschichte eingeholt wird, als das „was“ und das „wie“. George Pell zählte zu der Generation von Prälaten, die wegen ihre Kompromisslosigkeit in Fragen des Lebensschutzes und des Gehorsams in der Kirche die besondere Gunst von Johannes Paul II. genossen – Kardinalshut und Ausrichtung des Weltjugendtages 2008 inklusive.

          Papst Franziskus machte den Australier zu einer Schlüsselfigur bei der Reform der Kurie und des vatikanischen Finanzwesens. Dieser Aufgabe kommt Pell seit Juni 2017 nicht mehr nach – mit allen Folgen im und für den Vatikan. Nun ist Pell (vorbehaltlich einer Revision) verurteilt worden, weil er sich vor zwei Jahrzehnten an zwei Knaben vergangen hat.

          Damit reiht sich der Australier in die immer längere werdende Reihe der Kriminellen in Soutane ein, die unter Johannes Paul II. zu Ehren kamen. Zudem ist Pell das Symbol einer Kirche, in der sich Päpste bis heute weigern, die „Pathologien der Religion“ beim Namen zu nennen. Wenigstens das hätte Franziskus von Benedikt XVI. lernen können.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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