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Karadzic-Prozess : Der Angeklagte hat das Wort

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Bild: dpa

Knapp zwei Jahre nach seiner Verhaftung hat sich Radovan Karadzic heute vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal zu den Tatvorwürfen geäußert. Karadzic sagte, er verteidige nicht sich, sondern die „kleine Nation in Bosnien-Hercegovina“, die „seit 500 Jahren zu leiden habe“.

          Der frühere Präsident der bosnisch-serbischen Republika Srpska, Radovan Karadzic, hat sich am Morgen erstmals zu den gegen ihn erhobenen Tatvorwürfen geäußert - und damit begonnen, seine Verteidigungsstrategie zu skizzieren. Im UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, wo er wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verstößen gegen das Kriegsrecht in elf Punkten angeklagt ist, sagte er, er sei nicht hier, um „den bloßen Sterblichen“ Karadzic zu verteidigen, sondern die „kleine Nation in Bosnien-Hercegovina“, die „seit 500 Jahren zu leiden habe“.

          Die bosnischen Serben, die im Januar 1992 ihre eigene Republik innerhalb Bosniens ausriefen, hätten nie das Ziel gehabt, Krieg zu führen, sagte der 64 Jahre alte Angeklagte. Vielmehr hätten die bosnischen Muslime darauf gedrängt, einen fundamentalistischen islamischen Staat zu errichten. Die muslimische Führung um den Gründer der Partei der Demokratischen Aktion (SDA), Alija Izetbegovic, habe den Konflikt geschürt, „um das islamistische Ziel zu erreichen“, in der von Muslimen, Kroaten und Serben bewohnten Republik „die Errichtung eines Systems und eines Regimes“ zu erreichen. Die westlichen Staaten hätten sie dabei unterstützt: „Was Deutschland im Zweiten Weltkrieg nicht gelang, weil es geschlagen wurde, damit hatten die Alliierten nun Erfolg.“

          Zweieinhalb Millionen Seiten Akten

          Karadzic fordert, das Verfahren nach seiner auf zwei Tage angesetzten Erklärung bis zum Sommer auszusetzen, damit er mehr Zeit für die Vorbereitung seiner Verteidigung habe. Einer seiner Rechtsberater sagte am Wochenende, dass ihm allein seit Jahresbeginn mehr als 300.000 Seiten neuer Dokumente zugestellt worden seien. Damit beliefen sich die zu sichtenden Papiere auf mehr als zweieinhalb Millionen Seiten. Hinzu kämen Hunderte Stunden Audio- und Videomaterial.

          Karadzic verteidigt sich selbst, kann aber auf die Hilfe eines achtköpfigen Rechtsteams zurückgreifen. Nachdem er den Prozessbeginn im Oktober boykottiert hatte, ordnete das Gericht ihm einen Pflichtverteidiger, Richard Harvey, zu.

          Der 1945 in Montenegro geborene Angeklagte soll einer der Hauptverantwortlichen für den gewaltsamen Tod Zehntausender und für die Vertreibung von etwa zwei Millionen Menschen während des Bosnien-Krieges von 1992 bis 1995 sein. Vor allem wird ihm das Massaker an etwa 8000 Muslimen in der UN-Schutzzone Srebrenica im Juli 1995 zur Last gelegt.

          „Schande für die internationale Staatengemeinschaft“

          Karadzic war nur Wochen nach dem Massaker in Abwesenheit wegen der „ethnischen Säuberungen“ zu Beginn des Krieges und der Belagerung Sarajevos angeklagt worden, im November 1995 folgte die Srebrenica-Anklage. Noch auf freiem Fuß ist sein damaliger Armeechef, Ratko Mladic. Er wird in Belgrad vermutet, wo auch Karadzic im Juli 2008 verhaftet wurde.

          Nach jahrelanger Flucht war Karadzic vor knapp zwei Jahren an das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag überstellt worden. Ihm droht lebenslange Haft. Bislang hatte Karadzic es stets verweigert, sich zu den Vorwürfen zu äußern und stattdessen die Zuständigkeit des Tribunals bestritten. Dieses sei eine „Schande für die internationale Staatengemeinschaft“, sagte er schon kurz nach Errichtung des Tribunals 1993.

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