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Kanzlerin in Peking : Merkel sieht sich „sehr ernst genommen“

  • -Aktualisiert am

Bundeskanzlerin Merkel und Ministerpräsident Wen Jiabao bei den Regierungskonsultationen in Peking: „Special relationship“ Bild: dpa

China ist für Angela Merkel in der Euro-Krise ein wichtiger Partner: Deutlicher als die Vereinigten Staaten befürwortet die Volksrepublik die Forderungen der Kanzlerin an die Krisenländer der Eurozone. Auch auf anderen Feldern ist man sich einig.

          Die Zukunft des Euro im Blick hat Wen Jiabao die Begriffe „Sorgen“ und „Vertrauen“ vielfach variiert. Auch dieses Treffen der zweiten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen - dieses Mal in Peking - war von der Währungs- und Schuldenkrise geprägt. Natürlich. Ja, in der letzten Zeit habe sich die Lage der europäischen Währung verschlechtert, sagte der chinesische Ministerpräsident in der Großen Halle des Volkes. Auch persönlich habe er große Sorgen, sagte - im Beisein von Angela Merkel - der chinesische Ministerpräsident.

          Vor allem sorge er sich, ob Griechenland im Euro-Raum verbleibe und ob womöglich Italien und Spanien nächste Kandidaten seien, über die dann noch mehr als bisher geredet werde, beschrieb der demnächst aus dem Amt scheidende chinesische Führungspolitiker. Die Aufzählung der Länder machte deutlich, dass die chinesische Führung einer Domino-Theorie anhängt: Wenn als Griechenland - ob freiwillig oder nicht - aus dem Euro ausscheide, würden weitere Staaten folgen. Mithin müssten große Euro-Länder, zu denen er neben Frankreich natürlich Deutschland zählte, den anderen unter die Arme greifen.

          Durch den Vortrag von Frau Merkel, ergänzte er dann, sei aber sein Vertrauen in den Euro und dessen Stabilität gewachsen. Die Bundeskanzlerin hatte nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch im Delegationsgespräch deutlich ihre Position beschrieben - deutlicher als so mancher Koalitionspolitiker und selbst der Vizekanzler, Wirtschaftsminister Philipp Rösler. „Ich will, dass Griechenland Teil des Euro-Raumes bleibt.“ Die chinesische Seite des Gesprächs der beiden Regierungsseiten soll hörbar erleichtert reagiert haben.

          Der chinesischen Seite mag die Euro-Sanierung nicht schnell genug voran gehen. Sie ist einen anderen Stil der politischen Planung gewöhnt. Doch sieht die Bundeskanzlerin China in dieser Angelegenheit deutlich auf der deutschen Seite - deutlicher womöglich als den amerikanischen Bündnispartner. Die Darlegungen Wen Jiabaos, die Lösung der Krise liege in einem Gleichgewicht von Schuldenabbau und Strukturveränderungen, klang jedenfalls nach dem Argumentationsmuster der Bundesregierung. Stärker als beim amerikanischen Präsidenten Obama, um den sich Angela Merkel weniger zu kümmern scheint als um die chinesische Führung, nimmt die Bundesregierung wahr, dass China eben auch auf Schuldenabbau setze.

          Dass chinesische Spitzenpolitiker und Wen Jiabao zumal über die internen Finanzverhältnisse der Euro-Staaten informiert sind, gehört mittlerweile zu den gängigen Erfahrungen der China-Besuche Frau Merkels. In diesem Jahr ist es der zweite gewesen. Zudem war Wen Jiabao zur Hannovermesse in Deutschland gewesen. Von einer „special relationship“ zwischen China und Deutschland hatten jüngst sogar die Bundeskanzlerin beratenden sogenannten Regierungskreise gesprochen.

          „Tiefe und Breite“ der Beziehungen

          Sechs Mal in seiner nun zu Ende gehenden Amtszeit als Ministerpräsident der Volksrepublik China, hat Wen Jiabao an diesem Donnerstag geäußert, sei er in Deutschland gewesen. Es sollte auch eine Parallele sein. Denn auch für die deutsche Bundeskanzlerin sei es der sechste Besuch in der chinesischen Hauptstadt, was ihr Gesprächspartner natürlich als einen Ausdruck der „Tiefe und Breite“ der Beziehungen würdigte - und zudem als ein Zeichen der Freundschaft zu Angela Merkel.

          Wie es der Zufall so will: Schon zu früheren und besonders zu Gerhard Schröders Jahren war von einer Freundschaft zwischen den beiden Regierungschefs die Rede gewesen. Alle möglichen Besuchdetails werden dann als Belege herangezogen: Dass Wen Jiabao mit Frau Merkel an diesem Freitag - in aller Frühe - die Verbotene Stadt besuche. Dass die beiden danach mit dem Schnellzug nach Tianjin führen, weil das doch die Heimat Wen Jiabaos sei, und dort ein Airbus-Montagewerk besichtigten. Ja sogar der Umstand, dass erstmals bei diesen Delegationsgesprächen simultan übersetzt werde, wurde ein Beleg genannt, weil man doch dann in kürzerer Zeit mehr besprechen könne als bei einer konsekutiven Übersetzung.

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