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Nicht Italien, nicht Malta : Spanien nimmt Schiff mit Hunderten Flüchtlingen auf

  • Aktualisiert am

Nächster Halt: Spanien. Die „Aquarius“ bei einem Einsatz vor der libyschen Küste am 14. September 2017 Bild: Reuters

Der Streit ist nicht gelöst. Aber das Warten hat für 629 Migranten, darunter elf Kleinkinder und sieben schwangere Frauen, ein Ende – dank Spaniens neuem Regierungschef.

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          Im Tauziehen um die Aufnahme von 629 Flüchtlingen von einem Schiff im Mittelmeer hat sich Spanien bereit erklärt, die Menschen aufzunehmen. Das kündigte Spaniens neuer, sozialistischer Regierungschef Pedro Sánchez am Montag an. „Es ist unsere Pflicht, dabei zu helfen, eine humanitäre Katastrophe zu verhindern“, sagte er. Zuvor hatten sich Italien und Malta fast zwei Tage lang geweigert, die im Mittelmeer auf einem Flüchtlingsboot ausharrenden Menschen bei sich aufzunehmen. Die spanische Regierung teilte mit, das Schiff werde den Hafen von Valencia an der Ostküste des Landes ansteuern können.

          Das Rettungsschiff „Aquarius“ hatte mit Hunderten Migranten an Bord im Mittelmeer vor Italien und Malta ausgeharrt. Der Crew war bis zum Montagmittag kein sicherer Hafen zugewiesen worden. Italien hatte am Sonntag Malta in die Pflicht genommen und an die Regierung von Joseph Muscat appelliert, den Hafen von Valletta für das Schiff und die Migranten zu öffnen. Der wollte das Schiff jedoch nicht anlegen lassen und sagte im Gespräch mit Italiens Ministerpräsidenten Giuseppe Conte, „dass sich Malta vollständig seiner internationalen Verpflichtungen entsprechend“ verhalte.

          Bundesregierung: Italien nicht allein lassen

          Das UN-Flüchtlingshilfswerk hatte am Montag noch gefordert, das Schiff schnell in einen Hafen einlaufen zu lassen. Die Menschen seien in Not, und die Vorräte gingen zur Neige, teilte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) in Genf mit. Auch die EU-Kommission forderte Italien und Malta auf, sich um die Migranten zu kümmern.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich ebenfalls besorgt. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin, die Kanzlerin rufe alle Beteiligten auf, „ihrer humanitären Verantwortung gerecht zu werden“. Deutschland sei schon lange der Auffassung, dass besonders durch die Migrationskrise belastete EU-Staaten wie Italien „nicht alleine gelassen werden dürfen“, fügte Seibert hinzu.

          Die „Aquarius“ hatte die Flüchtlinge am Wochenende an Bord genommen. Unter den Geretteten sollen auch 123 unbegleitete Minderjährige, elf kleine Kinder sowie sieben schwangere Frauen sein.

          Vor dem Bekanntwerden der spanischen Entscheidung hatte Italiens Regierungschef Giuseppe Conte auf Facebook Malta kritisiert. Der Inselstaat zeige zum wiederholten Mal seinen Unwillen „einzuschreiten und sich des Notstands anzunehmen“, sagte er.

          Gerettet, aber noch nicht in Sicherheit: Migranten werden von Besatzungsmitgliedern der „Aquarius“ am 9. Juni im Mittelmeer geborgen. Bilderstrecke

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