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Kanzlerin auf Mallorca : Frau Merkel und der liebe José

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Gipfeltreffen im spanischen Wahlkampf auf Mallorca: Merkel besucht Zapatero Bild: dpa

Das Rendezvous mit Bundeskanzlerin Merkel hat sich Ministerpräsident Zapatero politischer vorgestellt. Die deutsch-spanischen Partner schwärmten aber von der Schönheit Mallorcas - und ließen das Gipfeltreffen vor allem zu einer „photo opportunity“ für den Gastgeber werden.

          Weil Deutschland und Spanien miteinander keine nennenswerten Probleme haben, sind die „Gipfelbegegnungen“ ihrer Regierungschefs zumeist Routineveranstaltungen. Das ändert sich nur, wenn in Spanien Wahlkampf ist. So wurde das Rendezvous von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero am Donnerstag in Palma de Mallorca vor allem zu einer „photo opportunity“ für den Gastgeber. Die Bilder des freundlichen Miteinanders vor der Kulisse des Hafens und der Kathedrale dieser „deutschesten“ aller Baleareninseln waren Trophäe und Seelenbalsam für den Sozialisten Zapatero.

          Am Vortag hatte sein konservativer Rivale Mariano Rajoy in Paris „sein Foto“ eines Dreifachhandschlags mit Frau Merkel und dem französischen Staatspräsidenten Sarkozy bekommen. Strahlend hörte der Spitzenkandidat der Volkspartei, wie Kanzlerin und Präsident ihm „von ganzem Herzen“ einen „großen Erfolg“ in der Wahl am 9. März wünschten. Die spanischen Wähler hörten es auch oder sahen die Szenen besten Einvernehmens des Oppositionsführers mit der „deutsch-französischen Achse“ spätestens am Donnerstag auf allen Titelseiten ihrer Zeitungen.

          Zapatero übergangen?

          Zapatero hatte noch einen zweiten Kummer, weil er gerade auf einer anderen Bilderseite der europäischen Hauptakteure gefehlt hatte. Nach London, wo Frau Merkel, Sarkozy, der britische Premierminister Brown, EU-Kommissionspräsident Barroso und sogar noch der zurückgetretene italienische Regierungschef Prodi am Dienstag traulich über die internationale Finanzkrise berieten, war er nicht eingeladen worden. Offiziell beschwerte man sich in Madrid nicht. Inoffiziell hieß es, dass der Repräsentant der fünftgrößten Wirtschaftsmacht in der EU, die Italien unlängst beim Pro-Kopf-Einkommen überholt habe, eigentlich zu diesem Klub gehörte.

          Die Opposition nutzte die Gelegenheit, Zapatero vorzuhalten, dass er weder international noch in Europa eine herausragende Rolle spiele. Alle politischen Schwergewichte des Kontinents seien auf der Seite der Konservativen. Allein die „moribunde“ Prodi-Regierung habe noch einen parallelen Kurs zu dem der spanischen Sozialisten gesteuert. Doch nicht einmal die Italiener erwiesen sich als zuverlässige Wahlhelfer. Denn Silvio Berlusconis ehemaliger Außenminister Gianfranco Fini brachte doch ausgerechnet auf jener Konferenz der Konservativen mit Rajoy in Paris noch Zapateros Vorgänger Aznar als „sehr guten Kandidaten“ für das Amt des künftigen EU-Präsidenten ins Gespräch.

          Merkels „Herz schlägt für die Volkspartei“

          Die deutsch-spanischen Partner schwärmten von der Schönheit Mallorcas und lobten ihre Übereinstimmung im Kampf gegen den Klimawandel und für erneuerbare Energien. Außenpolitische Diskrepanzen - Madrid ist für EU-Beitritt der Türkei, Berlin nicht; Berlin ist für die Unabhängigkeit des Kosovos, Madrid nicht - spielten nur am Rand eine Rolle. Lebendig wurde der Austausch erst, als die Bundeskanzlerin gefragt wurde, ob sie denn auch Zapatero - wie Rajoy - „großen Erfolg“ bei den Wahlen gewünscht habe. Frau Merkel ließ die Frage elegant ins Leere laufen, indem sie die hervorragende Zusammenarbeit mit dem „lieben José“ lobte und zugleich die Zugehörigkeit zu „unterschiedlichen Parteienfamilien“ nicht verbarg: „José muss damit leben, dass mein Herz für die Volkspartei schlägt.“

          Ihr erster Ausflug nach Mallorca überhaupt endete für die Kanzlerin mit einer Auszeichnung. Das angesehene „Nuevo Economía Fórum“, eine unabhängige Organisation, die sich in Spanien vor allem dem Dialog über die moderne Ökonomie widmet, verlieh ihr seinen „Preis für die wirtschaftliche Entwicklung und den sozialen Zusammenhalt“. Im Vorjahr hatte ihn Barroso erhalten. Frau Merkel wurde wegen ihres „außerordentlichen Charismas“ als Staatsfrau und ihren „entscheidenden Beitrag zu dem Prozess des Aufbaus Europas“ gerühmt. Wäre sie, wenn es der Terminkalender erlaubt hätte, noch kurz nach Madrid gefahren, hätte ihr dort König Juan Carlos die Urkunde höchstselbst übergeben. So besorgte das in Palma Zapatero - und hatte damit noch ein Foto für sein Wahlkampfalbum.

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