https://www.faz.net/-gpf-8vhvh

Wahl in Frankreich : Was noch nie versucht wurde

Neue Strategien nach Hollande

Macron hält vermutlich auch deshalb nicht viel davon, als „Erbe François Hollandes“ vorgestellt zu werden. „Mir steht es nicht an, den Hollandismus zu definieren“, sagte er. „Aber wenn ich Hollandes Werk hätte fortsetzen wollen, dann hätte ich nicht all die Unbill auf mich genommen“, so Macron. Er führte an, dass er die Bewegung „En marche“ im vergangenen April aus eigenem Antrieb begründet habe. Inzwischen zählt sie mehr als 205000 Mitglieder.

Am Mittwoch besuchte der Präsidentschaftskandidat die Pariser Landwirtschaftsmesse. Die Messe ist im Wahlkampf ein wichtiger Termin.
Am Mittwoch besuchte der Präsidentschaftskandidat die Pariser Landwirtschaftsmesse. Die Messe ist im Wahlkampf ein wichtiger Termin. : Bild: EPA

Er habe auch auf eigenen Wunsch die Regierung verlassen, betonte Macron. Er stehe zu dem, was er als Wirtschaftsminister vollbracht habe, aber jetzt sei eine neue Etappe. Er habe „strategische Divergenzen“ mit Hollande, bekundete Macron. „Aber ich habe nicht den Willen, die Bilanz seiner Amtszeit zu kritisieren“, sagte er.

Macron will Programm für die Mittelschicht

Mehr als zwei Stunden nahm sich Macron Zeit, vor annähernd 400 Journalisten sein Programm zu erläutern, fast immer lächelnd und gewogen, manchmal auch etwas spöttisch und gewitzt. Nur einmal fährt Macron aus der Haut, als ihm ein Journalist vorhält, sein Programm sehe keinerlei Maßnahme im Kampf gegen internationale Steueroasen vor und dies mit einer Anspielung auf Macrons Vergangenheit als Investmentbanker verbindet.

„Reduzieren Sie meine Laufbahn nicht auf die eines Investmentbankers“, empört sich Macron. Er finde es unerträglich, wie ihm unterstellt werde, der Kandidat der „Finanz-Aristokratie“ zu sein. „Die Realität meines Programms ist eine andere“, sagt Macron. Dann warnt er den Journalisten, ihn als Mitglied der internationalen Finanzoligarchie zu beschrieben. „Sie stärken damit nur den Front National!“, sagt Macron. Sein Programm sei eines für die Mittelschicht, die unter dem Abschottungsprojekt des Front National am meisten zu leiden hätte. Fillon wiederum wolle Frankreich dem Land „britische Reformen aus den Achtziger Jahren“ aufzwingen. Das könne nicht funktionieren.

Kandidat zeigt sich als EU-Anhänger

Macron will einen politischen Sittenwandel anstoßen. Nach den Korruptionsaffären um Fillon und Le Pen sei es unabdinglich, eine „großes Gesetz über die Moral im öffentlichen Leben“ zu verabschieden. Macron verspricht, ein Verbot der Beschäftigung von Familienmitgliedern durch Abgeordnete und Senatoren durchzusetzen. Den Parlamentariern soll es zudem untersagt werden, während ihres Mandats Beratungsaufträge für Unternehmen anzunehmen. Die Parlamentarier sollen auch ihr besonders vorteilhaftes Rentensystem aufgeben. Macron will die Zahl der Abgeordneten und Senatoren um ein Drittel reduzieren. Auf diese Weise will er sicherstellen, dass sie höhere Diäten erhalten können.

„Mein Vertrag mit der Nation“ nennt Macron sein mehr als 300 Seiten umfassendes Projekt. Es beinhaltet auch ambitionierte Vorstellungen für die EU. Macron will die Verteidigungszusammenarbeit in der EU stärken. Für die Euro-Zone arbeitet er auf einen eigenen Haushalt, ein Parlament und eine Regierung hin. Zuvor aber will er die Glaubwürdigkeit Frankreichs in Brüssel wieder herstellen. Deshalb plant er, die die Staatsausgaben um 60 Milliarden Euro zu senken. Er will etwa 120000 Stellen im öffentlichen Dienst streichen. „Aber wir wollen kein Strafprogramm“, sagt er.

Weitere Themen

Die kalte Wut des Nicolas Sarkozy

Korruptionsverfahren : Die kalte Wut des Nicolas Sarkozy

Der frühere französische Präsident Sarkozy muss sich vor Gericht wegen Korruptionsverdachts verantworten. Er tritt selbstbewusst auf – und einer der drei Angeklagten erscheint am ersten Verhandlungstag gar nicht.

Korruptionsprozess gegen Sarkozy unterbrochen Video-Seite öffnen

Kein langer Auftritt : Korruptionsprozess gegen Sarkozy unterbrochen

Der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy erschien am Montag kurz vor Gericht in Paris, wo er sich wegen Korruptionsvorwürfen verantworten muss. Die Richter unterbrachen die Anhörungen jedoch bis Donnerstag.

Nur noch gepixelte Polizisten?

Frankreichs Presse protestiert : Nur noch gepixelte Polizisten?

Ein neues Gesetz in Frankreich stellt die Weitergabe von Bildern, die Polizisten in ihrer „physischen oder psychischen Integrität schaden“ unter Strafe. Medien sehen darin einen Zensurversuch, Polizeivertreter eine nötige Schutzmaßnahme.

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.