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Tausende auf den Kanaren : Corona zwängt noch mehr Migranten in die Boote

Vor gut einem Jahr führte die Route nach Spanien noch in Richtung Norden. Mit europäischer Unterstützung haben die marokkanischen Sicherheitskräfte inzwischen diesen Strom unterbrochen und hindern die Migranten daran, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Corona ist ein weiterer Grund, weshalb sich die Route auf den Atlantik verlegte. Die Sahelstaaten, durch die der Landweg nach Libyen und ans Mittelmeer führt, hatten monatelang ihre Grenzen geschlossen. Das Transitland Algerien hat sich bis heute praktisch von der Außenwelt abgeriegelt. Kaum war die erste Corona-Welle etwas abgeebbt, begannen algerische Sicherheitskräfte damit, Tausende afrikanische Migranten nach Niger abzuschieben. Trotz der Gefahren wurde der Seeweg über den Atlantik für Westafrikaner wieder zu einer Alternative.

Ende Oktober ertranken vor der senegalesischen Küste 140 Migranten, nachdem auf ihrem Schiff ein Feuer ausgebrochen war. Am Sonntag wurde ein weiteres Schiffsunglück vor der senegalesischen Küste mit möglicherweise 170 Toten gemeldet. Nach einer Schätzung der Internationalen Organisation für Migration kommt auf dem Atlantik einer von 16 Migranten ums Leben, auf dem östlichen Mittelmeer auf der Route nach Griechenland ist es einer von 120. Spanische Hilfsorganisationen befürchten, dass in diesem Jahr schon mehr als 800 Menschen die Fahrt über den Atlantik nicht überlebt haben. Anders als im Mittelmeer, wo Rettungsschiffe von Hilfsorganisationen im Einsatz sind, gibt es dort nur die nationalen Küstenwachen und Frontex.

Spanien will Migranten zurückbringen

Mit internationaler Unterstützung will Spanien jetzt in Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern die Migranten so schnell wie möglich wieder nach Hause bringen. Entsprechende Abkommen hat Spanien schon während der letzten Krise geschlossen. Doch so einfach ist das nicht. Viele Malier sind zum Beispiel nach dem jüngsten Putsch und wegen der andauernden Kämpfe geflohen. Das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen rät wegen der instabilen Lage von Abschiebungen nach Mali ab. Bisher startete von den Kanaren nur ein einziger Rückführungsflug nach Mauretanien mit 22 Westafrikanern an Bord.

Bei den Vereinten Nationen befürchtet man, dass die Pandemie noch mehr Menschen zu Migranten machen könnte. „Die sozioökonomischen Auswirkungen der Pandemie sind verheerender als die Krankheit selbst“, schreiben das Welternährungsprogramm und die Internationale Organisation für Migration im November in einer gemeinsamen Studie. Die durch Covid hervorgerufene Not und Armut könnte bald mehr Menschen dazu zwingen, anderswo nach einer neuen Existenzgrundlage zu suchen.

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