https://www.faz.net/-gpf-7tkxh

Kampf gegen Terrormiliz „IS“ : Gemeinsam gegen eine mörderische Gefahr

Eine Koalition für den Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“, die die Regierung Obama zusammenstellt, sollte nicht nur westliche Staaten einschließen. Welche Rollen könnten Russland und Iran haben?

          1 Min.

          Die Nato wird nicht gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ kämpfen, dafür soll es eine Koalition richten - eine Koalition der Willigen, wie man vor einigen Jahren gesagt hätte. Eine Koalition, bestehend aus neun Nato-Staaten sowie Australien, will die Regierung Obama zusammenstellen, um die Last des Kampfes, der vor allem in der Unterstützung des Iraks und der irakischen Kurden besteht, auf mehrere Schultern zu verteilen.

          Das ist richtig, reicht aber nicht. Warum sollten wichtige Staaten der Region sich nicht stärker als bisher daran beteiligen, den Terrorismus niederzuringen? Einige haben schließlich mitgeholfen, ihn groß zu machen.

          Der islamistische Terrorismus stellt eine mörderische Gefahr dar für Völker und Staaten, in der Region und darüber hinaus; auf seinem Vormarsch gräbt er die ominösen schwarzen Löcher, aus denen Unheil droht, und zwar auf Jahre und Jahrzehnte hinaus. Afghanistan und Somalia sind Beispiele hierfür.

          Eine Koalition sollte deswegen nicht nur westliche Staaten einschließen, sondern auf einer möglichst breiten Basis stehen. Dass die Führung Irans sich eine militärische Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten vorstellen kann - man mag es kaum glauben -, zeigt, für wie bedrohlich Teheran die sunnitischen Islamisten hält. Äußere Einmischung, deren vehemente Ablehnung bislang zum Standardrepertoire Irans gehört hat, scheint nun weniger frevelhaft zu sein.

          Zu dieser Koalition müsste eigentlich auch Russland gehören, das selbst schlimme Erfahrungen mit islamistischem Terror gemacht hat. Der „Islamische Staat“ hat jetzt dem russischen Präsidenten Putin gedroht, nachdem er zuvor schon Terrorbotschaften an Obama gerichtet hatte. Aber lieber ergeht sich Russland in antiwestlichen Verschwörungstheorien.

          Das Vorgehen in der Ukraine hat vorläufig zum Bruch mit dem Westen geführt, und Moskaus Patronage des Assad-Regimes hat zur Radikalisierung der syrischen Opposition und zum Erstarken der Dschihadisten beigetragen - ein weiterer Grund, warum heute deren „barbarische und verabscheuungswürdige Taten“ (Cameron) zu beklagen sind. Die Dschihadisten nehmen keine Rücksicht auf Interventionsmüdigkeit; sie füllen das Vakuum.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Von Reue fehlt bislang jede Spur

          Macrons Besuch im Libanon : Von Reue fehlt bislang jede Spur

          In Beirut wird Emmanuel Macron wie ein Heilsbringer empfangen. Der französische Präsident verspricht Hilfe – und mahnt Reformen an. Doch bisher deutet nichts darauf hin, dass in der Politik des Libanon eine neue Ära beginnt.

          Macron soll bei Umsturz im Libanon helfen Video-Seite öffnen

          Nach der Explosion : Macron soll bei Umsturz im Libanon helfen

          Beim Besuch von Emmanuel Macron im zerstörten Beirut hat eine aufgebrachte Menschenmenge vom französischen Präsidenten Hilfe beim Sturz der libanesischen Regierung gefordert. Macron versprach, sich für Reformen einzusetzen.

          Topmeldungen

          Macrons Besuch im Libanon : Von Reue fehlt bislang jede Spur

          In Beirut wird Emmanuel Macron wie ein Heilsbringer empfangen. Der französische Präsident verspricht Hilfe – und mahnt Reformen an. Doch bisher deutet nichts darauf hin, dass in der Politik des Libanon eine neue Ära beginnt.

          Wirtschaftswunder Weiden : Von der Zonengrenze zu „Star Wars“

          Weiden galt lange als Oberzentrum einer strukturschwachen Region. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs war die Oberpfalz nicht mehr „Zonenrandgebiet“. Mit Corona und Donald Trumps Abzugsplänen droht nun aber neues Ungemach.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.