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Kampf gegen Terrormiliz „IS“ : Gemeinsam gegen eine mörderische Gefahr

Eine Koalition für den Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“, die die Regierung Obama zusammenstellt, sollte nicht nur westliche Staaten einschließen. Welche Rollen könnten Russland und Iran haben?

          Die Nato wird nicht gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ kämpfen, dafür soll es eine Koalition richten - eine Koalition der Willigen, wie man vor einigen Jahren gesagt hätte. Eine Koalition, bestehend aus neun Nato-Staaten sowie Australien, will die Regierung Obama zusammenstellen, um die Last des Kampfes, der vor allem in der Unterstützung des Iraks und der irakischen Kurden besteht, auf mehrere Schultern zu verteilen.

          Das ist richtig, reicht aber nicht. Warum sollten wichtige Staaten der Region sich nicht stärker als bisher daran beteiligen, den Terrorismus niederzuringen? Einige haben schließlich mitgeholfen, ihn groß zu machen.

          Der islamistische Terrorismus stellt eine mörderische Gefahr dar für Völker und Staaten, in der Region und darüber hinaus; auf seinem Vormarsch gräbt er die ominösen schwarzen Löcher, aus denen Unheil droht, und zwar auf Jahre und Jahrzehnte hinaus. Afghanistan und Somalia sind Beispiele hierfür.

          Eine Koalition sollte deswegen nicht nur westliche Staaten einschließen, sondern auf einer möglichst breiten Basis stehen. Dass die Führung Irans sich eine militärische Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten vorstellen kann - man mag es kaum glauben -, zeigt, für wie bedrohlich Teheran die sunnitischen Islamisten hält. Äußere Einmischung, deren vehemente Ablehnung bislang zum Standardrepertoire Irans gehört hat, scheint nun weniger frevelhaft zu sein.

          Zu dieser Koalition müsste eigentlich auch Russland gehören, das selbst schlimme Erfahrungen mit islamistischem Terror gemacht hat. Der „Islamische Staat“ hat jetzt dem russischen Präsidenten Putin gedroht, nachdem er zuvor schon Terrorbotschaften an Obama gerichtet hatte. Aber lieber ergeht sich Russland in antiwestlichen Verschwörungstheorien.

          Das Vorgehen in der Ukraine hat vorläufig zum Bruch mit dem Westen geführt, und Moskaus Patronage des Assad-Regimes hat zur Radikalisierung der syrischen Opposition und zum Erstarken der Dschihadisten beigetragen - ein weiterer Grund, warum heute deren „barbarische und verabscheuungswürdige Taten“ (Cameron) zu beklagen sind. Die Dschihadisten nehmen keine Rücksicht auf Interventionsmüdigkeit; sie füllen das Vakuum.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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