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Kampf gegen Terror : Pakistan: Amerika drohte uns mit Bombardierung

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Musharraf: „Eine grobe Bemerkung”
          2 Min.

          Die Vereinigten Staaten haben nach den Worten des pakistanischen Staatschefs Pervez Musharraf nach den Anschlägen vom 11. September 2001 seinem Land mit einer Bombardierung gedroht. In einem am Donnerstag vorab verbreiteten Interview des amerikanischen Senders CBS sagte Musharraf, Washington habe von Pakistan verlangt, sich am Anti-Terror-Kampf gegen die islamistischen Taliban in Afghanistan zu beteiligen. Andernfalls solle sich Pakistan darauf einstellen, bombardiert und „in die Steinzeit zurückgeschickt zu werden“.

          Die Drohung sei von Vize-Außenminister Richard Armitage gegenüber seinem Geheimdienstdirektor ausgesprochen worden, sagte Musharraf: „Ich denke, das war eine sehr grobe Bemerkung.“ Auf die Drohung habe er im Interesse seines Landes reagiert, fügte er hinzu. Der pakistanische Präsident gilt als einer der engsten Verbündeten in dem von den Vereinigten Staaten ausgerufenen Krieg gegen den Terror.

          „Entweder für uns oder gegen uns“

          Armitage sagte am Donnerstag dem Sender CNN, daß er nie damit gedroht habe, Pakistan zu bombardieren. Er habe Pakistan lediglich bedeutet, daß es „entweder für uns oder gegen uns“ sein müsse. Musharraf wird am Freitag im Anschluß an seine Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen zu einem offiziellen Besuch in Washington erwartet.

          Unter anderem ist eine Unterredung mit Amerikas Präsident George W. Bush geplant. Für Mittwoch hat Bush zudem ein Gipfeltreffen mit Musharraf und dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai anberaumt. Dabei solle die weitere Zusammenarbeit zur Verbesserung der trilateralen Beziehungen beraten werden, wie das amerikanische Präsidialamt bekanntgab.

          Karzai wirft Pakistan Schwäche vor

          Bush hatte am Mittwoch gesagt, er würde bei Hinweisen auf Usama Bin Ladin oder andere Terrorführer auch eine Militäraktion in Pakistan anordnen. „Wir würden die erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um sie der Gerechtigkeit zuzuführen“, sagte Bush dem Fernsehsender CNN (siehe auch: Bush: Wir würden in Pakistan eindringen). Musharraf reagierte darauf verärgert und sagte bei der UN-Vollversammlung: „Wir würden dies nicht erlauben wollen. Wir würden das selbst machen wollen.“

          Vor wenigen Tagen warf außerdem Karzai Pakistan in ungewöhnlich deutlichen Worten Schwäche im Kampf gegen die Taliban-Rebellen vor, die im Grenzgebiet zwischen den beiden Ländern aktiv sind und seit Jahresbeginn vor allem den Süden Afghanistans mit Gewalt überziehen. Bis zu den Anschlägen am 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten hatte Pakistan als eines von ganz wenigen Ländern Beziehungen zu den Taliban unterhalten, die in Afghanistan herrschten und der Al Qaida Zuflucht gewährten. Innerhalb weniger Tage nach den Anschlägen brach Musharraf die Beziehungen ab und arbeitete mit den Vereinigten Staaten zusammen, um die Al Qaida und die Taliban zu fassen.

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