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Kampf gegen Terror : Der erste große Schlag in Europa?

Usama bin Ladin: Drohungen per Video-Botschaft Bild: AP

Seit dem 11. September 2001 gab es immer wieder Terroranschläge, überall auf der Welt. Nur zu einem Attentat in Nordamerika oder in Europa kam es nicht - bis die Terroristen in Madrid zugeschlagen haben.

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          Seit dem 11. September 2001 gab es immer wieder Terroranschläge, überall auf der Welt. Viele hundert Menschen wurden dabei getötet. Nur zu einem Attentat in Nordamerika oder in Europa, den Kernländern der westlichen Welt, kam es nicht.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Nach dem verheerenden Doppelschlag auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington schien Al Qaida ihre Aktivitäten in Entwicklungsländer zu verlagern. In Indonesien, Pakistan, Kenia, Afghanistan, Saudi-Arabien, Tunesien, Marokko, Peru sowie im Jemen, Irak und der Türkei wurden schwere Anschläge verübt, die der Organisation von Usama Bin Ladin zugeschrieben werden. Fast alle richteten sich gegen westliche Ziele. So wurden in Djerba oder auf Bali westliche Touristen getötet, darunter auch Deutsche. Oder in Istanbul wurde eine Filiale der britischen HSBC-Bank zerstört. Aber nie gelang es den Islamisten, wieder einen Anschlag in einem westlichen Land zu verüben.

          Kein freiwilliger Rückzug Al Qaidas

          Die meisten westlichen Geheimdienste haben diesem Frieden nicht getraut. Denn sie vermuteten, daß hinter der Schonzeit kein freiwilliger Rückzug Al Qaidas vom Territorium ihrer erklärten Hauptfeinde stand. Vielmehr galt der hohe Fahndungsdruck in den meisten westlichen Staaten als ein wesentlicher Grund für das Ausbleiben von Anschlägen. Den Wunsch, auch in westlichen Ländern wieder Attentate zu verüben, scheinen die Kader Al Qaidas aber nie aufgegeben zu haben. In öffentlichen Botschaften drohten sie immer wieder mit Anschlägen, auch gegen Deutschland. So wurde im November 2002 ein entsprechendes Tonband bekannt, das angeblich von Bin Ladin stammte, auf dem auch Deutschland erwähnt wird. Die deutschen Behörden haben deshalb in den vergangenen Jahren stets von einer "abstrakten Gefährdung" im Inland gesprochen.

          In Madrid, so schien es am Montag, haben die Islamisten ihr Ziel nun erreicht. Erweisen sich die derzeit verfolgten Spuren als richtig, dann ist ihnen zum ersten Mal ein großer Schlag in Kerneuropa gelungen. Außerdem deuten die Ermittlungen der spanischen Polizei darauf hin, daß der Anschlag in der spanischen Hauptstadt nach einem in jüngster Zeit häufiger zu beobachtenden Muster ablief. Denn Anschläge werden immer häufiger von autonom operierenden Zellen des Terrornetzwerkes oder von verbündeten örtlichen Organisationen ausgeführt.

          So soll der Marokkaner Jamal Zougam, der im Zusammenhang mit dem Madrider Attentat festgenommen wurde, Verbindungen zur marokkanischen Salafistengruppe "Islamischer Kämpfer" haben, die schon im Mai vergangenen Jahres an mehreren Anschlägen in Casablanca beteiligt war - sozusagen als "Subunternehmer" des Netzwerkes. Die Attentate des 11. September 2001 waren dagegen - soweit bekannt ist - noch von der Al-Qaida-Führung selbst geplant und von Afghanistan aus gesteuert worden.

          Etwa 3000 Festnahmen

          Dahinter steckt offenbar ein logistisches Problem. Obwohl Afghanistan noch lange nicht befriedet ist, hat der amerikanische Einmarsch in dem Land Al Qaida einen wichtigen Ausbildungs-, Planungs- und Rückzugsraum genommen. Außerdem wurde es schwieriger, die Organisation zentral zu steuern, da in den vergangenen Jahren viele Mitglieder des Terrornetzwerks getötet oder verhaftet worden waren, darunter auch hohe Kader aus dem engsten Führungskreis um Bin Ladin. Nach einer Schätzung westlicher Dienste sind seit dem 11. September 2001 auf der ganzen Welt etwa 3000 Terroristen festgenommen worden. Nach einer im vergangenen Jahr aufgestellten Zählung war darunter ein Drittel der etwa 30 Personen zählenden Spitze von Al Qaida.

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