https://www.faz.net/-gpf-8kqxb

Kampf gegen IS und Kurden : Türkei verstärkt Einsatz im Norden Syriens

  • Aktualisiert am

Bild: AFP

Nach der Vertreibung des „Islamischen Staats“ aus Dscharablus setzt die Türkei ihre Militäroffensive auf syrischem Gebiet fort. Der Ministerpräsident spricht nun über das Ziel der Operation.

          2 Min.

          Nach der Vertreibung der Terrormiliz„Islamischer Staat“ (IS) aus der nordsyrischen Grenzstadt Dscharablus wird die Türkei nach Angaben von Ministerpräsident Binali Yildirim ihre Militäreinsätze in der Region fortsetzen. Jetzt gehe es darum, die Kurdenmiliz YPG über den Euphrat zurückzudrängen. „Bis das verwirklicht ist, werden unsere Operationen weitergehen“, sagte Yildirim am späten Mittwochabend in einem Fernsehinterview.

          Am Donnerstagmorgen fuhren dann mindestens zehn weitere türkische Panzer auf syrisches Territorium. Auch mehrere Krankenwagen und schwere Geschütze wurden der Nachrichtenagentur AFP zufolge über die Grenze gebracht.

          „Unsere Abmachung mit den Vereinigten Staaten lautet, dass sich die Kurden aus Manbidsch und der Region auf die Ostseite des Euphrats zurückziehen müssen“, sagte Ministerpräsident Yildirim. „Das ist die Zusage, die Garantie, die uns die Vereinigten Staaten gegeben haben.“ Das westlich des Euphrats gelegene Manbidsch war erst kürzlich von einem Bündnis unter Führung syrischer Kurdenmilizen vom IS zurückerobert worden.

          Mitglieder der kurdischen YPG posieren in der Nähe von Aleppo.

          Am Mittwoch brachten türkische Truppen und syrische Rebellenkämpfer dann Dscharablus unter ihre Kontrolle. Die Freie Syrische Armee habe den Grenzort zurückerobert, sagte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nach seinem Treffen mit Biden in Ankara. Erdogan deutete an, dass die Stadt vom IS verlassen worden sei. Mehr als fünf Jahre nach Beginn des syrischen Bürgerkriegs hatten türkische Truppen erstmals eine Bodenoffensive im Nachbarland eingeläutet.

          Der mit Panzern und der Hilfe syrischer Rebellen geführte Angriff auf Dscharablus begann unmittelbar vor dem Besuch von Biden. Die amerikanischen Streitkräfte unterstützten die Bodenoffensive mit ihrer Luftwaffe, teilte das amerikanische Verteidigungsministerium mit. Nach seinem Treffen mit dem türkischen Regierungschef Binali Yildirim forderte Biden den Rückzug der Kurdenmilizen in Nordsyrien und machte deutlich, dass Washington keinen Kurdenstaat an der türkischen Grenze akzeptieren werde.

          Erdogan sagte , der Militäreinsatz sei „gegen Bedrohungen gerichtet“, die für die Türkei von Terrororganisationen wie dem IS oder der syrischen Kurdenmiliz YPG ausgingen. „Hinter diese Angriffe muss jetzt ein Schlusspunkt gesetzt werden“, sagte Erdogan. „Das müssen wir lösen.“ Türkische Artillerie und Kampfflugzeuge hatten Dscharablus am Morgen zunächst aus der Luft bombardiert.

          Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu drohte zugleich auch den Kurden im Norden Syriens. Der syrischen Kurdenpartei PYD und ihren Milizen warf er vor, den Kampf gegen den IS nur als Vorwand zu benutzen, um ein eigenes Herrschaftsgebiet in Syrien aufzubauen. „Wir werden diese geheime Agenda durchkreuzen“, sagte Cavusoglu.

          Die PYD ist eng mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden. Die Türkei sieht beide Kräfte als Terrororganisationen an. Sie will unter allen Umständen vermeiden, dass an ihrer Südgrenze ein zusammenhängendes Herrschaftsgebiet der Kurden entsteht.

          Obwohl die Vereinigten Staaten die Kurden im Kampf gegen den IS unterstützen, machte Biden ihre Hoffnung auf einen eigenen Staat mit seinen Worten faktisch zunichte. Er forderte den Rückzug der syrischen Kurdenmilizen auf das Gebiet östlich des Flusses Euphrat. „Sie können und werden unter keinen Umständen amerikanische Unterstützung erhalten, wenn sie sich nicht an ihre Verpflichtung halten“, sagte Biden mit Blick auf die syrisch-kurdischen YPG-Einheiten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sogenannte Fußballfans in Bulgarien, einem „der tolerantesten Länder der Welt“?

          Gegen den Hass : Die Strafen müssen weh tun

          Im Fußball hat sich ein Klima entwickelt, in dem sich Rassisten und Nazis ungeniert ausleben. Sanktionen schlugen bislang fehl. Ohne Punktabzüge und Disqualifikationen wird es nicht gehen. Aber selbst das reicht nicht.
          Wer zu den Besten in der Forschung gehören möchte, muss sich den Platz hart erkämpfen. Auch in Deutschland gibt es hierfür inzwischen Graduiertenschulen, die die Promovierenden unterstützen.

          Spitzenforschung : Wo die Promotion zur Selektion wird

          Amerikas Dominanz in der Spitzenforschung hat auch die hiesige Nachwuchsförderung kräftig umgekrempelt. Wer oben mitspielen will, muss an eine Graduiertenschule und sich von dort aus die begehrten Plätze erkämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.