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Kampf gegen IS-Terrormiliz : Teheran dementiert militärische Kooperation mit Amerika

  • Aktualisiert am

Irans geistlicher Führer: Ajatollah Chamenei Bild: dpa

Helfen sich amerikanische und iranische Einheiten im Kampf gegen die Terrorgruppe IS? Die BBC meldete zunächst, Irans geistlicher Führer habe dies gebilligt. Ein wichtiger Politiker des Landes streitet es ab. Amerika rufe nur dazu auf, „den Dreck wegzumachen“.

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          Ein einflussreicher Abgeordneter des Parlaments in Teheran hat Meldungen dementiert, dass Irans geistlicher Führer Ajatollah Chamenei für den Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Militär gebilligt habe. Das hatte zuvor der britische Sender BBC berichtet unter Berufung auf ungenannte Quellen. Chamenei habe die militärischen Befehlshaber der iranischen Armee autorisiert, mit den Amerikanern zu kooperieren.

          Der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Nationale Sicherheit und Auswärtige Beziehungen, Esmail Kowsari bezeichnete eine solche Zusammenarbeit nach  Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg als „unmöglich“. Der „Islamische Staat“ sei eine Kreation „der Vereinigten Staaten, von Zionisten und Saudi-Arabien“ und nun riefen die Amerikaner Iran dazu auf, „den Dreck wegzumachen“.

          Amerikanische Luftschläge bahnen Schiiten-Milizen den Weg

          Allerdings hatte es im Irak zuletzt ungewöhnliche Allianzen gegeben. Mit vier Luftschlägen auf die Umgebung von Amerli bereitete das amerikanische Militär Mitte der Woche den Kämpfern der schiitischen Badr-Miliz den Weg: Nach mehr als zwei Monaten Belagerung war es den Einheiten der einst im Kampf gegen die Besatzungstruppen aus den Vereinigten Staaten groß gewordenen Gruppe gelungen, die schiitisch-turkmenische Kleinstadt dem Würgegriff des „Islamischen Staats“ zu entziehen.

          Der amerikanische Außenminister John Kerry hatte bereits im Juni eine militärische Zusammenarbeit mit Iran gegen die sunnitischen Dschihadisten im Irak für möglich gehalten. „Ich würde nichts ausschließen, was konstruktiv wäre“, sagte damals Kerry. Doch birgt das Bündnis aus schiitischen Milizen und amerikanischer Luftwaffe mit Billigung Teherans auch Gefahren für die Zukunft: Die Allianz einstiger Gegner, die lediglich der gemeinsamen Feind – der „Islamische Staat“ – zusammenschweißt, dürfte nicht lange halten. Zudem fehlt weiterhin eine politische Strategie für den Zusammenhalt Iraks.

          Patrouille der schiitischen Miliz in Amerli an diesem Mittwoch
          Patrouille der schiitischen Miliz in Amerli an diesem Mittwoch : Bild: Reuters

          Unterstützt von schiitischen Milizen ist unterdessen die irakische Armee an diesem Freitag näher an die Stadt Takrit herangerückt. Regierungseinheiten hätten sich südlich und nördlich der Stadt am Tigris zusammengefunden, berichteten arabische Fernsehsender. Dabei seien sie von Kämpfern des „Islamischen Staats“  beschossen worden. Kurdische Peschmerga-Offiziere, die am vergangenen Wochenende geholfen hatten, Amerli zu befreien, forderten gegenüber dem Nachrichtensender Al Dschazira amerikanische  Unterstützung aus der Luft, um das im Juni in die Hände des „Islamischen Staats“ gefallene Takrit zurückzuerobern.

          Mehrere Versuche der Regierung in Bagdad, die Kämpfer Abu Bakr al Baghdadis zurückzuschlagen, sind bislang am Widerstand der Dschihadisten gescheitert. Offenbar versucht die irakische Armeeführung deshalb nun, eine Allianz aus den schiitischen Milizen Asaib Ahl al Haq und der Badr-Organisation, regulären Soldaten sowie kurdischen Peschmerga zu schmieden, um die Dschihadisten aus der strategisch wichtigen Provinzhauptstadt  zurückzudrängen. Die schiitischen Milizen würden dafür von der libanesischen Hizbullah und den iranischen Revolutionsgarden ausgebildet, berichtet die kuweitische Tageszeitung „Al Rai al Aam“.

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