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Kampf gegen IS-Miliz im Irak : Generalstabschef erwägt Einsatz von Bodentruppen

  • Aktualisiert am

Der amerikanische Verteidigungsminister Chuck Hagel und Generalstabschef Martin Dempsey (r.) bei der Anhörung im Senatsausschuss Bild: AP

Der amerikanische Generalstabschef Martin Dempsey schließt nicht aus, dass Bodentruppen der Amerikaner Einheiten der irakischen Armee bei Operationen gegen den Islamischen Staat „begleiten“ könnten. 

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          Der amerikanische Generalstabschef Martin Dempsey schließt anders als Präsident Barack Obama einen Einsatz von Bodentruppen im Kampf gegen die radikale Miliz Islamischer Staat (IS) nicht grundsätzlich aus. In einer Anhörung vor dem Senat sprach Dempsey davon, dass amerikanische Militärberater Einheiten der irakischen Armee bei Operationen gegen den „Islamischen Staat“ (IS) im Feld „begleiten“ könnten.

          „Wenn wir den Punkt erreichen, an dem ich glaube, dass unsere Berater die irakischen Soldaten bei Angriffen auf bestimmte Ziele begleiten sollten, dann werde ich das dem Präsidenten empfehlen“, sagte Dempsey in einer Anhörung im Senat.

          Bisher hat Obama einen Kampfeinsatz von Amerikanern am Boden ausgeschlossen Erst vergangene Woche sagte der Präsident in Bezug auf den Einsatz amerikanischer Soldaten: „Diese Truppen werden nicht in einen Kampfeinsatz geschickt. Wir werden uns im Irak nicht wieder in einen Bodenkrieg verwickeln lassen.“ Die amerikanische Regierung spricht bisher ausdrücklich von Militärberatern statt von Kampftruppen, weil Obama den Einsatz von „Stiefeln auf dem Boden“ (“Boots on the ground“) entschieden ablehnt.

          Weiße Haus reagiert umgehend

          Das Präsidialamt reagierte umgehend auf Dempseys Äußerungen und betonte, dass es keinen Kampfeinsatz mit amerikanischen Bodentruppen geben werde. Dempsey habe sich auf rein hypothetische Szenarien bezogen. Es sei die Aufgabe der Militärberater des Präsidenten, mehrere Möglichkeiten durchzuplanen. An der Strategie Obamas habe sich aber nichts geändert.

          Dennoch erhöhen Dempseys Aussagen die Wahrscheinlichkeit, dass der Militäreinsatz der Amerikaner wieder eskaliert - und zwar in eine Richtung, die Präsident Obama jüngst mit deutlichen Worten ausgeschlossen hat. Der Generalstabschef wiederholte zwar vor dem Senat Obamas Absichtserklärung, fügte aber hinzu: „Der Präsident hat mir auch gesagt, dass ich ihn je nach aktueller Lage wieder ansprechen soll.“

          Derzeit sei ein Kampftruppen-Einsatz aber nicht nötig, betonte Dempsey. Dies sei gegeben, wenn die Strategie versage, den irakischen Truppen etwa mit Luftangriffen oder Geheimdienst-Informationen zu Erfolgen zu verhelfen. Derzeit habe er den Eindruck, dass die gewählte Strategie, mit einer Koalition aus den Vereinigten Staaten, Europa und verschiedenen Staaten im Nahen Osten die IS-Extremisten zu bekämpfen, die richtige sei. „Aber wenn sich dies Hoffnung nicht bewahrheitet und wenn Amerika bedroht wird, dann werde ich natürlich zum Präsidenten gehen und ihm eine Vorgehen empfehlen, das den Einsatz von Bodentruppen beinhalten könnte.“

          Der Generalstabschef machte vor dem Senat klar, dass die vom Präsidenten bevorzugte Strategie eines Einsatzes auf Distanz angesichts der vorherrschenden Lage nicht die gewünschte Wirkung entfalten könnte. Wenn die Truppen der Iraker oder der kurdischen Peschmerga versuchen würden, die Extremisten aus Metropolen wie Mossul im Nordirak zu vertreiben, seien Luftangriffe nicht besonders effektiv, weil auch Zivilisten zu den Opfern zählen könnten, so Dempsey.

          In so einem konkreten Fall würde er dem Präsidenten raten, Spezialeinheiten zu entsenden, die in Form einer „engen Gefechtsberatung oder -begleitung“ operieren und am Boden die irakischen Befehlsführer dabei unterstützen sollten, wie genau die Truppen ihre Ziele angreifen.

          Obama hatte zuletzt die Zahl der sogenannten Militärberater im Irak auf rund 1500 erhöht. 2011 hatte er sein Wahlversprechen eingelöst und die letzten kämpfenden Einheiten der Amerikaner aus dem Irak abgezogen. Vermutlich wird der Kongress rasch dem Pentagon das Mandat erteilen, Kämpfer der moderaten syrischen Opposition auszubilden; eine breitere Debatte über den Einsatz gegen den IS soll auf die Zeit nach den Kongresswahlen am 4. November verschoben werden.

          Amerikanische Luftschläge nahe Bagdad

          Obama hatte in der Vorwoche in einer Rede an die Nation die Ausweitung des Anti-Terror-Kampfes gegen den IS ankündigt. Der Kongress befragte Verteidigungsminister Chuck Hagel und Dempsey zu der Strategie. Zuvor hatte die amerikanische Luftwaffe erstmals ein Ziel südwestlich der Hauptstadt Bagdad bombardiert, um die irakischen Truppen zu unterstützen. Amerikanische Kampfflugzeuge hatten die Extremisten zuvor lediglich im Norden des Landes angegriffen.

          Dempsey erklärte, dass die amerikanischen Streitkräfte darauf vorbereitet seien, auch Luftangriffe gegen die IS-Extremisten in Syrien auszuführen. Es werde sich um eine beständige und nachhaltige Operation handeln und nicht um einen schnellen Vorstoß wie damals 2003 bei der Invasion des Iraks. Hagel erklärte, dass auch der Einsatz aus der Luft mit Risiken verbunden sei.

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