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Kampf gegen IS : Kerry deutet Kooperation mit Russland an

  • Aktualisiert am

Der amerikanische Außenminister John Kerry: „Assad ist Teil des Problems und nicht der Lösung“ Bild: AP

Der amerikanische Außenminister setzt im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ auch auf die Unterstützung Russlands. Kerry bestätigt darüber Gespräche mit Moskau. Noch aber gebe Differenzen über die künftige Rolle Assads.

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          Der amerikanische Außenminister John Kerry hat eine militärische Kooperation der Vereinigten Staaten mit Russland im Kampf gegen den Islamischen Staat in Syrien angedeutet. „Wir würden die Hilfe Russlands im Kampf gegen den IS willkommen heißen - ganz offenkundig“, sagte Kerry am Samstag nach Gesprächen mit seinem britischen Amtskollegen Philip Hammond in London. „Wir sprechen schon eine ganze Zeit lang darüber“, fügte Kerry hinzu.

          Es bleibe jedoch die Frage offen, wie die Zukunft von Syriens Machthaber Baschar al Assad aussehe. Russland und Iran gehören zu den letzten Verbündeten des Assad-Regimes. Russland geht davon aus, dass die reguläre syrische Armee für den Kampf gegen den Islamischen Staat unersetzlich ist und Assad das Land vor dem völligen Zerfall bewahrt. Für Washington ist Assad dagegen Teil des Problems und nicht der Lösung. Sie sehen für ihn keinen Platz im künftigen Syrien.

          Assads Rücktritt müsse „nicht am Tag x oder im Monat y" erfolgen, sagte Kerry, aber es müsse geklärt werden, wie er „erreicht“ werde könne. Er hoffe, dass bei Verhandlungen „Russland, Iran und andere einflussreiche Länder" einbezogen werden könnten. Washington suche vor allem nach Möglichkeiten, den IS „schnell und effizient auszuschalten".

          Hammond erklärte, die Situation in Syrien werde immer komplizierter. Großbritannien halte sich weiter die Option offen, in Syrien wie bereits im Irak auch militärisch gegen den IS vorzugehen. Allerdings sei dies Teil eines größeren und komplexeren Problems: „Der Migrationsdruck, die humanitäre Krise, genauso wie die Notwendigkeit, den IS zu besiegen“, sagte Hammond.

          Die Außenminister Kerry und John Hammond (Großbritannien) wollen womöglich auch Russland in der Koalition gegen den IS willkommen heißen.
          Die Außenminister Kerry und John Hammond (Großbritannien) wollen womöglich auch Russland in der Koalition gegen den IS willkommen heißen. : Bild: AP

          Kerry hält sich gegenwärtig zu einem dreitägigen Besuch in Großbritannien auf. Am Sonntag wird der amerikanische Außenminister in Berlin erwartet, wo er mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier zusammentreffen wird.

          Russland verstärkt Militärpräsenz in Syrien

          Unterdessen sollen im westsyrischen Latakia, wo Russland einen Luftwaffenstützpunkt errichtet hat, vier russische Kampfflugzeuge gesichtet worden seien. Die sagte ein amerikanische Regierungsvertreter, der anonym bleiben wollte, am Freitagabend in Washington. Die Entsendung von Kampfflugzeugen würde den Ausbau der russischen Militärpräsenz in Syrien auf eine neue Stufe bedeuten. Bisher war nur von Panzern, Artillerie und dutzenden Soldaten die Rede gewesen. Die westliche Provinz Latakia am Mittelmeer ist eine Hochburg von Anhängern Assads, dessen Vorfahren auch von dort stammen.

          Auch bei einem Telefongespräch des amerikanischen Verteidigungsminister Ashton Carter mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Schoigu ging es vor allem um die Lage in Syrien. Das Telefonat dauerte nach Angaben von Schoigus Sprecher Igor Konaschenkow eine Stunde. Carters Sprecher Peter Cook sagte, nach dieser „konstruktiven Unterhaltung" wollten beide Seiten die Gespräche fortsetzen. Es war das erste Mal seit seinem Amtsantritt im Februar dieses Jahres, dass Carter direkten Kontakt mit Schoigu hatte. Die Initiative dafür hatte nach Angaben aus Washington Russland ergriffen. Washington hatte den Militärdialog mit Moskau im März 2014 wegen der Ukraine-Krise eingefroren.

          Hauptthemen bei dem Telefonat der beiden Verteidigungsminister waren nach Angaben des Pentagons der Kampf gegen den Islamischen Staat sowie Vorkehrungen, wie mögliche Zwischenfälle zwischen Amerikanern und Russen im Kriegsgebiet vermieden werden könnten. Die Amerikaner fliegen mit internationalen Alliierten Luftangriffe gegen den IS in Syrien und im Irak. Nach russischer Darstellung befindet sich die gesamte militärische Unterstützung Assads im Einklang bereits bestehenden Abkommen.

          Regierungssoldaten hingerichtet

          Der syrische Ableger des Terrornetzes Al Qaida sowie verbündete Islamisten töteten nach Angaben von Aktivisten in Syrien unterdessen 56 Regierungssoldaten. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mitteilte, wurden die Streitkräfte auf dem Militärflughafen Abu Duhur in der nordwestlichen Provinz Idlib vor einigen Tagen hingerichtet. Sie wurden demnach zuvor dort gefangengehalten. Die Angaben der Beobachtungsstelle sind von unabhängiger Seite nur schwer überprüfbar. Die Organisation stützt sich auf ein Netzwerk vor Ort und bezieht ihre Informationen von Aktivisten und Ärzten in Syrien. Die Lage in dem Bürgerkriegsland ist äußerst unübersichtlich.

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