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Kampf gegen IS : Irak plant mit Amerikanern Großoffensive

  • Aktualisiert am

Brauchen Unterstützung im Kampf gegen den IS: Irakische Soldaten nahe Samarra Bild: AFP

Von langer Hand bereiten die Iraker mit Unterstützung der Amerikaner eine Frühjahrsoffensive gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ vor. Washington will hunderte Militärberater nach Bagdad entsenden, damit die irakische Armee drei neue Armeeeinheiten aufbauen kann.

          Die irakischen Sicherheitskräfte bereiten mit maßgeblicher Unterstützung der Amerikaner eine Großoffensive gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ vor. Wie die New York Times unter Berufung auf amerikanische Militär- und Regierungskreise berichtet, wollen die Amerikaner die Iraker dabei mit Hunderten von Militärberatern und Luftangriffen unterstützen. Die Offensive soll im Frühjahr starten.

          Bis Ende 2015 wollen die Iraker im Schulterschluss mit den Amerikanern von der Terrormiliz besetzte Gebiete in Norden und Westen des Iraks wieder zurückerorbern. Ziel ist dem Bericht zufolge auch, wieder Kontrolle über entscheidende Grenzübergänge nach Syrien und große Ölraffinerien zu bekommen.

          Obwohl die Vereinigten Staaten den Irak mit Luftangriffen gegen den IS unterstützen, war die längerfristige Planung der Amerikaner bisher unter Verschluss geblieben. Offen ist dem Bericht zufolge, ob amerikanische Bodentruppen an der Offensive teilnehmen werden. Bisher hatte Präsident Barack Obama ausdrücklich den Einsatz von Bodentruppen ausgeschlossen.

          Drei neue Einheiten mit mehr als 20.000 Soldaten

          Zwar ist es irakischen und kurdischen Truppen in den vergangenen Wochen gelungen, die IS-Miliz in einzelnen Gebieten zurückzudrängen. Doch soll der entscheidende Schlag im Frühjahr 2015 von drei neuen irakischen Armeeeinheiten mit mehr als 20.000 Soldaten ausgehen. Mit Hilfe der Amerikaner wollen die Iraker die Soldaten ausbilden und auf die geplante Offensive vorbereiten.

          Um die amerikanischen Anstrengungen zu beaufsichtigen, wird eine neue Task Force um Generalleutnant James L. Terry gebildet, die von einer Basis in Kuweit operieren soll. Hunderte amerikanische Berater sollen aber auch von Bagdad aus die Operation überwachen. Der Einsatz von amerikanischen Bodentruppen aber werde im Weißen Haus und im Pentagon weiter ausgeschlossen, heißt es.

          „Wir streben eine gleichberechtigte Lösung an: Die Iraker sollen die Verantwortung für eine selbst entwickelte Strategie übernehmen“, sagte ein amerikanischer Verantwortlicher, der anonym bleiben wollte. „Gleichzeitig wollen wir sicherstellen, dass sich die Iraker dabei nicht übernehmen.“

          Erstmals haben am Sonntag auch kanadische Kampfflugzeuge Stellungen der IS im Irak bombardiert. Die beiden CF-18-Maschinen hätten die Terrormiliz bei Falludscha attackiert, teilte das kanadische Verteidigungsministerium nach Medienangaben mit. Die lasergesteuerten Bomben hätten ihr Ziel erreicht. Wie groß die Zerstörungen gewesen seien, stünde jedoch noch nicht fest. Die Flugzeuge seien sicher zu ihrer Basis in Kuweit zurückgekehrt.

          Die Regierung von Ministerpräsident Stephen Harper hatte im Oktober erklärt, sie werde die von den Amerikanern geführte Allianz gegen die Terroristen unterstützten und erhielt dafür die Zustimmung des Parlaments.

          IS verkündet Eroberung eines zweiten Gasfeldes in Syrien

          Die Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) hat nach eigenen Angaben ein zweites Gasfeld in Syrien binnen einer Woche erobert. Die Gruppe stellte 18 Fotos über Online-Netzwerke ins Internet, die unter anderem die gehisste Fahne des IS über dem Gasfeld Dschahar zeigten, wie der Dienst Site am Montag berichtete, der islamistische Internetseiten beobachtet.

          Den Islamisten sei es dabei auch gelungen, zwei Panzer, Allrad-Fahrzeuge und mehrere Maschinengewehre zu erobern. Erst am vergangenen Donnerstag hatte der IS das größere Gasfeld Scha’ar unter seine Kontrolle gebracht.

          Massenexekutionen im Westirak

          Im Westirak ermordeten IS-Kämpfer in einer Machtdemonstration 322 Mitglieder eines sunnitischen Stammes. Unter den Opfer seien Dutzende Frauen und Kinder, teilte die irakische Regierung am Sonntag mit. Sie seien wegen ihrer Unterstützung der irakischen Regierung umgebracht worden.

          Bei den Opfern der Massenexekutionen in der westirakischen Provinz Anbar handelte es sich nach Angaben einer Sicherheitsbeamtin um Mitglieder des Al-Bu Nimr-Stammes. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte den Mord an den Stammesangehörigen. Das „Verbrechen“ zeige die Brutalität der IS-Miliz. Angehörige des sunnitischen Stammes sollen an der Seite schiitischer irakischer Soldaten gegen den IS gekämpft haben. Die sunnitisch-extremistische Miliz verfolgt den Stamm daher mit besonderer Härte.

          Seit dem Vorstoß des IS in den Irak sind Sunniten und Schiiten im Land stärker denn je gespalten. Bei einem Bombenanschlag auf eine schiitische Aschura-Prozession in Bagdad wurden am Sonntag sieben Menschen getötet und mindestens 22 verletzt. Beim Aschura-Fest wird an den Tod des für Schiiten bedeuteten Imams Hussein erinnert, der im 7. Jahrhundert von einer sunnitischen Armee im Irak getötet wurde. Der Höhepunkt des Festes findet an diesem Dienstag statt. Experten befürchten weitere Anschläge.

          Luftschläge der internationalen Koalition

          Die irakische Armee hatte nach Angaben von Al-Sumaria am Wochenende eine Offensive gegen die dortigen IS-Extremisten begonnen. Bei Angriffen auf IS-Stellungen östlich der Stadt Ramadi seien sie dabei von Luftschlägen der internationalen Koalition unterstützt worden.

          Auch im nordsyrischen Kobane an der Grenze zur Türkei flog die Allianz abermalige Angriffe gegen IS-Stellungen. Bei Luftschlägen südlich der Stadt seien am Wochenende mindestens sechs Dschihadisten getötet worden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag. Mindestens acht weitere IS-Kämpfer bei Gefechten mit den kurdischen Volksschutzeinheiten getötet worden.

          In der Nacht zum Samstag waren nordirakische Peschmerga zur Unterstützung über die Türkei nach Kobane gekommen. Rund 150 Kämpfer sollen den Kurden helfen, die syrische Grenzstadt gegen den IS zu verteidigen. Die Verteidiger kamen mit schweren Waffen. Der IS belagert die Stadt von drei Seiten. Die Miliz beherrscht das Umland und rund 60 Prozent von Kobane. Ein Sieg wäre für sie militärisch, vor allem aber auch symbolisch ein großer Erfolg, da selbst amerikanische Luftangriffe sie nicht hätten aufhalten können.

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