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Kampf gegen IS : Auch Briten schicken Militär in den Irak

  • Aktualisiert am

Kampf gegen den IS aus der Luft: Ein amerikanisches Kampfflugzeug startet vom Flugzeugträger „Nimitz“ Bild: Reuters

Offenbar erwägt auch Großbritannien, wieder Offiziere nach Bagdad zu schicken, um irakische Soldaten für den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auszubilden. Kanada vermeldet indes Erfolge im Kampf gegen die Dschihadisten.

          Die britische „Times“ berichtet am Mittwoch, dass London die Entsendung von Soldaten vorbereite, die im Irak die örtlichen Sicherheitskräfte für den Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) ausbilden sollen. Demnach sollen dafür mehrere Offiziere in eine amerikanische Basis nahe Bagdad geschickt werden. Dort sollten sie gemeinsam mit amerikanischen Soldaten die irakischen Streitkräfte beraten und trainieren.

          Auch in die kurdischen Gebiete im Norden des Landes könnten demnach Ausbilder geschickt werden. Das britische Verteidigungsministerium wollte sich zu dem Bericht nicht äußern und erklärte, es werde dazu zu gegebener Zeit eine Mitteilung geben. Bislang beteiligen sich die Briten nur an den Luftangriffen auf IS-Stellungen im Irak. Es wäre der erste längere Einsatz britischer Soldaten auf irakischem Boden seit 2011, als London nach dem Sturz Saddam Husseins seine Truppen abgezogen hat. Medienberichten zufolge hat London bereits im Sommer Spezialeinsatzkräfte (SAS) in den Irak geschickt, um die einheimischen Truppen bei der Bekämpfung islamistischer Terroristen zu helfen.

          Neuseeland hat unterdessen die Entsendung von Kampftruppen nicht ausgeschlossen, aber ebenfalls die Bereitschaft erkennen lassen, bei der Stärkung der irakischen Sicherheitskräfte zu helfen. Neuseeland werde nicht den „Kampf der Iraker kämpfen“, allerdings sei es wichtig, ein „modernes irakisches Militär auszubilden“, sagte Regierungschef John Key am Mittwoch. Sollten also jemals neuseeländisches Militärpersonal im Irak stationiert werden, dann nur zu Ausbildungszwecken.

          Militär: Kanadischer Luftangriff verhindert Anschlag auf Staudamm

          Nach dem Beitritt zur internationalen Militärallianz gegen den IS hat unterdessen Kanada Erfolge im Kampf gegen die Dschihadisten vermeldet. Kanadische Kampfflugzeuge hätten offenbar einen Anschlag auf einen größeren Euphrat-Damm verhindert. Generalleutnant Jonathan Vance sagte nach Angaben der Zeitung „Globe and Mail“ und des Fernsehsender CTV bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Ottawa, die kanadischen Flugzeuge hätten Material der IS zerstört, mit dem Wasser vom Euphrat umgeleitet werden sollte. Durch die Flut wären irakische Soldaten und Zivilisten zur Benutzung von Straßen in der Provinz Anbar gezwungen worden, an denen die Dschihadisten Sprengsätze deponiert hätten. Durch mögliche schwere Überflutungen wäre in der Region auch die Wasserversorgung gefährdet gewesen.

          Der Angriff von zwei Kampfflugzeugen mit Laser gesteuerten Bomben am Sonntag hätte auch dafür gesorgt, dass der Terrormiliz schweres Gerät zum Ausbau defensiver Positionen fehle. Kanada beteiligt sich an der von den Amerikanern geführten Allianz gegen den Islamischen Staat mit sechs CF-18 Kampfflugzeugen, zwei Überwachungsmaschinen und einem Tankflugzeug. Die etwa 600 kanadischen Soldaten sind in Kuweit stationiert. Die Regierung hatte den Einsatz für sechs Monate genehmigt. Dann solle über eine mögliche Verlängerung des Mandats entschieden werden. Die Kampfflugzeuge hätten bisher 18 Einsätze geflogen, sagte Vance.

          Kanada hatte sich der Militärkoalition offiziell Ende vergangener Woche angeschlossen. Nach mehreren Tagen mit Erkundungsflügen am Sonntag griffen die Kampfjets erstmals an.

          Kämpfer des IS hatten in den vergangenen Monaten weite Gebiete im Irak und in Syrien erobert. Die Militärallianz bekämpft die Dschihadisten derzeit aus der Luft. Besonders umkämpft ist die syrische Stadt Kobane an der Grenze zur Türkei, wo am Boden kurdische Kämpfer den Vormarsch des IS abzuwehren versuchen.

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