https://www.faz.net/-gpf-7ubla

Kampf gegen IS : Amerikas nächster Kriegspräsident

  • -Aktualisiert am

Der amerikanische Präsident Barack Obama bei seiner Rede vor der UN-Vollversammlung. Bild: AFP

Barack Obama präsentiert sich in der UN-Vollversammlung tatkräftig: Die Welt stehe am Scheideweg, aber Amerika kenne die Richtung. Vor einem Jahr hatte er noch einen anderen Ton angeschlagen.

          Gleich in seinem ersten Satz kommt Barack Obama zum Lagebericht: Die Vertreter aller Staaten der Welt versammelten sich diesmal „am Scheideweg zwischen Krieg und Frieden, zwischen Unordnung und Integration, zwischen Angst und Hoffnung“, sagt der amerikanische Präsident in New York. Vor genau einem Jahr hatte er in der UN-Vollversammlung einen anderen Ton angeschlagen. „Die Welt ist stabiler als vor fünf Jahren“, sagte Obama damals. Er bekräftigte, dass eine „Dekade des Krieges“ zu Ende gehe. Er sprach von Amerikas im Irak „teuer erkaufter Demut hinsichtlich unserer Fähigkeit, den Lauf der Dinge in anderen Ländern zu bestimmen“. Vor einem Jahr war Obama als Oberbefehlshaber nach New York gekommen, der gerade die angekündigten Luftschläge auf die syrische Armee des Baschar al Assad abgesagt hatte, um einen diplomatischen Weg zu beschreiten: Zwei Tage nach seiner Rede einigten sich Washington und Moskau auf eine Resolution, mit der der Sicherheitsrat die Vernichtung aller syrischen Chemiewaffen verlangte. Obama war 2013 nach New York gekommen, um seine Bereitschaft zu untermauern, in Gesprächen mit Iran den Atomkonflikt beizulegen. Zu seiner zweiten Priorität erklärte er ein Abkommen zwischen Israelis und Palästinensern.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          365 Tage später tritt im frisch renovierten Plenarsaal der UN ein Obama ans Podium, den die heimische Presse inzwischen als „Amerikas nächsten Kriegspräsidenten“ bezeichnet. Die Welt, das scheint Konsens unter den Delegationen zu sein, droht im Chaos zu versinken. Obama rügt deutlich die „russische Aggression in Europa“ als Angriff auf die europäische Nachkriegsordnung. Der Nahost-Friedensprozess liegt begraben unter den Trümmern des jüngsten Gaza-Krieges, auch wenn Obama tapfer versichert, dass Amerika das Ringen um Frieden niemals aufgeben werde, „wie düster das Bild auch wirken mag“. Die Aussichten auf eine Verständigung mit Iran im Atomstreit schwinden und veranlassen Obama zu einem schlichten Appell an Teheran: „Lassen Sie diese Gelegenheit nicht verstreichen!“ Eine Ebola-Epidemie bedroht Millionen von Menschen. Obama fordert die Welt auf, Amerika nachzueifern und die Afrikaner massiv zu unterstützen.

          Den jüngsten UN-Bericht, der aus amerikanischer Sicht nahelegt, dass das Assad-Regime wieder Chlorgas eingesetzt hat, erwähnt Obama schon gar nicht mehr. Umso energischer wirbt er für den Kampf gegen den „Islamischen Staat“ (IS). Als größte unter den großen Gefahren charakterisiert Obama das „Krebsgeschwür des gewaltsamen Extremismus, das so viele Teile der muslimischen Welt verwüstet hat“. Es sei „keine Übertreibung, zu sagen, dass die Zukunft der Menschheit davon abhängt“, dass die Welt den Spaltern einig entgegentrete. Ausführlich wirbt Obama dafür, der Ideologie des Hasses etwas Positives gegenüberzustellen; er verlangt konkrete Ergebnisse binnen Jahresfrist. „Mörder“ wie die IS-Dschihadisten allerdings verstünden nur „die Sprache der Gewalt“. Also „arbeiten die Vereinigten Staaten von Amerika mit einer breiten Koalition dafür, dieses Netz des Todes zu zerschlagen“. Ein General im Pentagon hatte nach den ersten Luftschlägen gegen IS-Stellungen in Syrien bestätigt, dass dieser Krieg auf mehrere Jahre angelegt sei.

          Weitere Themen

          Resistent gegen alles

          Arte über Antibiotika-Krise : Resistent gegen alles

          Der massive Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht hat fatale Konsequenzen. Wie Bakterien, die gegen alle bekannten Präparate gefeit sind, sich weltweit ausbreiten, zeigt Michael Wech bei Arte. Das ist der reinste Horrorfilm.

          Erdogan droht nach Moschee-Attentat mit Vergeltung Video-Seite öffnen

          Erste Opfer beigesetzt : Erdogan droht nach Moschee-Attentat mit Vergeltung

          Äußerungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sorgen für Unmut in der neuseeländischen Regierung. Erdogan hatte die Anschläge als Angriffe auf den Islam und auf die Türkei verurteilt und drohte Menschen mit antimuslimischer Gesinnung Vergeltung an.

          Trikottausch im Weißen Haus Video-Seite öffnen

          Soccer und Nato : Trikottausch im Weißen Haus

          Donald Trump und Brasiliens ultrarechter Staatschef Jair Bolsonaro haben bei ihrem ersten Treffen große Einigkeit demonstriert. Trump brachte sogar eine Nato-Mitgliedschaft des südamerikanischen Landes ins Spiel.

          Topmeldungen

          Nach Moschee-Attentat : Erste Opfer von Christchurch beigesetzt

          Neuseeland will der Opfer am Freitag mit zwei Schweigeminuten gedenken. Unterdessen bestellt Australiens Premier Morrison den türkischen Botschafter ein: Die Äußerungen Erdogans hinsichtlich des Anschlags seien „sehr beleidigend“.
          Thomas Gottschalk versucht sich an einer neuen Literatursendung im Bayerischen Rundfunk.

          TV-Kritik: „Gottschalk liest?“ : Prominenz statt Kompetenz

          Die erste Ausgabe von „Gottschalk liest?“ ist ein Desaster für den Fernsehstar. Kritische Bemerkungen sind im Konzept der Sendung nicht vorgesehen, doch sowohl Publikum als auch Gäste verweigern den von Gottschalk angestrebten witzigen Grundton.

          Besuch in Washington : Trump und Bolsonaro „Seite an Seite“

          Bei ihrem ersten Treffen bieten Trump und Bolsonaro ein Bild der Einigkeit. Die gemeinsamen Werte, die sie betonen, decken sich in vielem mit der Agenda der Rechten in den Vereinigten Staaten und Brasilien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.