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Kampf gegen den IS : Der globale Dschihad

Muslime beten in einer Moschee in Manchester für die Opfer des Anschlags Bild: Reuters

Der Krieg gegen die mörderischen Dschihadisten geht in eine neue Phase. Doch der militärische Sieg gegen die Terrormiliz bedeutet nicht das Ende des IS. Das zeigt der Anschlag in Manchester. Ein Kommentar.

          Der weltweite islamistische Terror könnte das große Thema der Präsidentschaft von Donald Trump werden. Denn der Krieg gegen den Terror, der nach den Anschlägen vom 11. September 2001 begonnen hatte, tritt in eine neue Phase. Das Kerngebiet des „Islamischen Staats“ schmilzt weiter; nicht zuletzt dank der Entschlossenheit der von Amerika geführten Anti-IS-Koalition hat es sich seit Anfang 2015 mehr als halbiert.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Eine Frage der Zeit ist, bis der IS kein zusammenhängendes Gebiet mehr kontrolliert und von der Landkarte verschwindet, selbst wenn seine Kämpfer in Mossul und Raqqa erbitterten Widerstand leisten. Der Niedergang des IS bedeutet nicht dessen Ende; der Niedergang steht nur dafür, dass sich der islamistische Terror nicht länger als „Staat“ organisieren kann, sondern sich von nun an in einem globalen Dschihad entlädt. Im Vordergrund steht dann die Ideologie des Terrors, nicht mehr das Territorium.

          Donald Trump hatte in Riad die Muslime aufgefordert, sie sollten die Extremisten und Terroristen aus ihren Ländern und aus der Welt „verjagen“. Danach bezeichnete er in Bethlehem nach dem feigen Anschlag in Manchester die Terroristen als „bösartige Verlierer“, von denen es jedoch noch mehr gebe. Denn die Führer des IS greifen bei ihrem Terror nicht allein auf Rückkehrer zurück, die in Syrien für Terroranschläge in ihrer Heimat ausgebildet worden sind. Sie rekrutieren in ihre dschihadistischen Netzwerke auch junge Muslime, die sich im Westen radikalisiert haben.

          Verlierer gibt es in allen Gesellschaften, viele landen in den Fängen der Dschihadisten. Der Terror von Manchester könnte dazu beitragen, dass die Terrorideologie des IS bei solchen Verlierern nicht mehr verfängt. Denn in Manchester hat der Terror eine Hemmschwelle überschritten: Er schreckte nicht vor Kindern zurück. Im Nahen Osten ist das schon lange bekannt.

          Dort rekrutiert der IS unter Nichtmuslimen Kinder, die er als Krieger zu Hunderten in den Tod schickt, und nicht vergessen sind die jesidischen Mädchen und Frauen, die er zu Sexsklavinnen gemacht hat. Zu gewinnen ist die neue Phase des Kriegs gegen den globalen Dschihad nur, wenn die Mehrheitsgesellschaften die gemäßigten Muslime, die von diesem Terror – nun auch gegen Kinder – ebenfalls entsetzt sind, auf ihrer Seite wissen, und es so eine breite Allianz der Menschlichkeit gibt.

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