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Pekings Kampf gegen Corona : China ruft sich zum Retter aus

Chinas Präsident Xi Jinping, schaut zu, als die Ehrengarde mit Medaillen bei einer Veranstaltung zu Ehren derjenigen, die an Covid-19 erkrankt oder verstorben sind, marschiert. Bild: dpa

Chinas Präsident Xi Jinping lässt sich feiern: Seine Politik habe Millionen Menschenleben gerettet. Die Staats- und Parteimedien rufen ihn zum Helden aus. In der Pandemie hat er seine Machtposition gefestigt.

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          Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hat den Beitrag seines Landes zur weltweiten Bekämpfung der Corona-Pandemie hervorgehoben. „China hat mit seinen praktischen Maßnahmen geholfen, das Leben von Dutzenden Millionen Menschen auf der Welt zu retten“, sagte er am Dienstag in einer Rede in der Großen Halle des Volkes in Peking. Auf diese Weise habe China gezeigt, dass es ihm ernst sei mit dem „Aufbau einer Schicksalsgemeinschaft der Menschheit“. Damit wandte Xi Jinping sich gegen den Vorwurf, sein Land habe mit der anfänglichen Vertuschung des Ausbruchs die Pandemie überhaupt erst möglich gemacht.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Diese Sichtweise wird am lautesten vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump vertreten, der immer wieder vom China-Virus spricht. Schon seit März verbreitet Peking ein Gegen-Narrativ, das China als verantwortungsvolle Führungsmacht inmitten einer globalen Krise darstellt. Das bezog sich bisher etwa auf die Lieferung von Masken und Beatmungsgeräten an zahlreiche Länder sowie das Versprechen, einen möglichen chinesischen Impfstoff als ein „globales öffentliches Gut“ zu behandeln.

          Schon in der Vergangenheit hat Peking davon gesprochen, dass die Abriegelung der Stadt Wuhan am 23. Januar der Welt Zeit erkauft habe. Dabei berief sich die Regierung unter anderem auf Äußerungen des Kanadiers Bruce Aylward, der im Februar eine Delegation der Weltgesundheitsorganisation nach China geleitet hatte. Er sagte seinerzeit, „Hunderttausende Menschen in China haben Covid-19 wegen dieses aggressiven Vorgehens nicht bekommen“. Forscher der University of Southhampton berechneten in einer Studie im März, dass die Zahl der Infizierten bis Ende Februar sieben Mal größer gewesen wäre, wenn China erst zwei Wochen später Gegenmaßnahmen ergriffen hätte. Die gleiche Studie kam aber auch zu dem Schluss, dass diese Zahl um 86 Prozent geringer hätte ausfallen können, wenn die Maßnahmen zwei Wochen früher gekommen wären. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits Warnungen vor einem neuen Coronavirus.

          Dem Zentralkomitee bleibt nur die Nebenrolle

          Mit der Behauptung, China habe Millionen Menschenleben gerettet geht Xi Jinping weit darüber hinaus. Sein Verweis auf die „Schicksalsgemeinschaft der Menschheit“, Chinas Gegenmodell zu einer westlich dominierten Werteordnung, zeigt einmal mehr, dass China die Pandemie zu nutzen gedenkt, um seinen Anspruch auf eine globale Führungsrolle zu unterstreichen, obwohl Peking regelmäßig fordert, das Coronavirus dürfe nicht politisiert werden. Vor allem die rapide Ausbreitung von Sars-Cov-2 in den Vereinigten Staaten hat es der chinesischen Führung ermöglicht, ihr autoritäres Regierungssystem als erfolgreich und effizient zu propagieren.

          Am Dienstag sagte Xi Jinping, China sei als erste große Volkswirtschaft zum Wachstum zurückgekehrt. Das zeige die Widerstandsfähigkeit und Lebendigkeit des Landes. Anlass seiner Rede war eine Feierstunde zur Würdigung von Persönlichkeiten, die sich im Kampf gegen das Virus besondere Verdienste erworben haben. Dazu zählt der 83 Jahre alte Lungenarzt Zhong Nanshan, der die Regierung beraten hat und zum öffentlichen Gesicht der Seuchenbekämpfung wurde.

          Zum größten Helden im Kampf gegen das Virus riefen Chinas Staats- und Parteimedien am Dienstag aber Xi Jinping selbst aus. In einem ausführlichen Bericht auf der Titelseite des Parteisprachrohrs „Volkszeitung“ wurde seine Führungsrolle in allen Etappen der Gesundheitskrise hervorgehoben. Dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei wird darin nur eine Nebenrolle zugestanden. Der Text macht deutlich, dass Xi Jinping die Gesundheitskrise auch erfolgreich genutzt hat, um seine Machtposition innerhalb des Landes zu festigen.

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