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Kampf im Indopazifik : China befeuert Zweifel an Amerikas Verlässlichkeit

Vizepräsidentin Harris: Auf Amerika ist und bleibt Verlass Bild: dpa

China und Amerika werfen sich gegenseitig aggressives Hegemoniestreben vor. Dabei liefert das Geschehen in Afghanistan nur den Anlass und die Kulissen.

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          Man kann es der chinesischen Führung nicht mal verdenken, dass ihr Propagandaapparat gegen die Vereinigten Staaten feuert, was das Zeug hält. Der Rückzug aus Afghanistan und das Chaos, das ihm gefolgt ist, liefert einfach zu viel Material. Vergleichsweise leicht lassen sich jetzt die Zweifel bei Washingtons Partnern und Sicherheitsklienten im indopazifischen Raum befeuern, ob im Fall des Falles auf Amerika wirklich Verlass sei.

          Da der chinesisch-amerikanische Großkonflikt nicht zuletzt in dieser Region ausgetragen wird, in der Peking eine Politik aggressiver Machtausdehnung betreibt, spielen Bündnisse, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit eine große Rolle. Dass die amerikanische Vizepräsidentin jetzt in Singapur die Zweifel zu entkräften suchte und Amerikas fortdauerndes Engagement bekräftigt hat, versteht sich von selbst.

          Aber Schadenfreude und aggressive Vorwürfe sind nicht Pekings einzige Reaktionen. Tatsächlich kritisiert China auch Washington, eben weil es abgezogen ist; weil es „egoistische“ außenpolitische Ziele verfolge. Das kann nur heißen: Die Vereinigten Staaten hätten sich nicht vom Hindukusch zurückziehen sollen, jedenfalls nicht so. Warum? Jenseits geoökonomischer Interessen, die China in Afghanistan hat, sieht es natürlich, dass ein Amerika, das nicht mehr in „endlosen Kriegen“ im Mittleren Osten verstrickt ist, sich jetzt auf die wirkliche strategische Auseinandersetzung konzentrieren kann – die mit China.

          Klaus-Dieter Frankenberger
          Redakteur in der Politik.

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