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Kalifornischer Gouverneur : Jerry Brown, der Anti-Trump

  • -Aktualisiert am

Der scheidende kalifornische Gouverneur Jerry Brown bei einem Interview Anfang September 2018 Bild: AP

Als Präsident Trump die kalifornischen Behörden wegen der Brände kritisierte, wies Jerry Brown das zurück und verwies auf die Wissenschaft. Der Kalifornier kennt die Umweltpolitik – und ist ein Gegner Trumps.

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          Jerry Brown bemühte sich um Deeskalation. „Dies ist eine Zeit, in der wir an einem Strang ziehen müssen“, sagte der scheidende Gouverneur Kaliforniens in einer Pressekonferenz, in der er die Bürger über das Krisenmanagement unterrichtete. Kalifornien erlebt gerade die schlimmsten Waldbrände seiner Geschichte. Präsident Donald Trump hatte den kalifornischen Behörden deswegen Missmanagement vorgeworfen. Doch angesichts von inzwischen mindestens 44 Toten war dies nicht die Zeit, die Angriffe Trumps zu erwidern, zumal Brown am Montag Bundeshilfen beantragt hat. Er beließ es bei einem Verweis auf Klimawissenschaftler: Die Katastrophe sei nicht eine „neue Normalität“, sondern eine „neue Abnormalität“. Trump hat das Geld für Kalifornien inzwischen bewilligt.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Brown hat sich seine letzten Wochen in Sacramento, der Hauptstadt des bevölkerungsreichsten Bundesstaates, gewiss anders vorgestellt. Am 6. November war sein Nachfolger Gavin Newsom gewählt worden; die Amtsübergabe von dem einen Demokraten an den anderen findet Anfang Januar statt. Für Brown haben die Waldbrände auf tragische Weise etwas Folgerichtiges.

          Wenn es zwischen seinen beiden Amtsperioden als Gouverneur in den siebziger Jahren und in den vergangenen acht Jahren einen roten Faden gibt, dann ist es die Umweltpolitik in dem unter Dürren und Wassermangel leidenden Bundesstaat. 1974 war der heute 80 Jahre alte einstige Aktivist gegen den Vietnam-Krieg zum Nachfolger Ronald Reagans gewählt worden. Seinerzeit wurde eine Toilettenspülung in dem Bundesstaat eingeführt, die nur noch die halbe Wassermenge verbrauchte.

          Grüner Widerstand in Kalifornien

          Nach Jahren außerhalb der Landespolitik – Brown verließ das Gouverneursamt 1983, nachdem zwei Anläufe in den Vorwahlen der Demokraten um die Präsidentschaftskandidatur gescheitert waren – kehrte er 2010 nach Sacramento zurück. Wieder stand die Umwelt- und Klimapolitik im Zentrum: Wegen langer Dürreperioden musste er 2015 Regulierungen zur Einsparung des Trinkwassers durchsetzen. Als Trump dann voriges Jahr aus dem Pariser Klimaschutzabkommen ausstieg, führte Brown die Opposition dagegen an.

          Überhaupt sieht sich Kalifornien als Vorhut des Widerstandes und als Gegenmodell zu Trumps Amerika. Im September unterzeichnete Brown ein Gesetz, nach dem Kalifornien von 2045 an seinen Strombedarf komplett aus erneuerbaren Energien decken soll. Daneben sorgte er dafür, dass der Haushalt des überschuldeten Bundesstaates konsolidiert wurde. So liberal der in San Francisco geborene frühere Jesuitenschüler gesellschaftspolitisch ist, in der Finanzpolitik war der späte Brown durchaus konservativ.

          Die Politik ist ihm in die Wiege gelegt worden. Sein Vater regierte in Kalifornien von 1959 bis 1967. Der Sprung nach Washington blieb dem Sohn versagt: 1992 bemühte er sich ein drittes Mal um die Präsidentschaftskandidatur, unterlag aber Bill Clinton. Über seine Rückkehr nach Sacramento sagte Brown, der in der Zwischenzeit Bürgermeister von Oakland war: Die Kalifornier seien so grün, sie recycelten sogar ihre Gouverneure.

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