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Kairo : Hunderttausende demonstrieren gegen Militärrat

Auf dem Tahrir-Platz in Kairo am Freitag Bild: REUTERS

Mehrere Hunderttausend Ägypter haben nach den Freitagsgebeten auf dem Tahrir-Platz in Kairo gegen den Hohen Militärrat protestiert. Sowohl islamische als auch säkulare Gruppen hatten zu der Demonstration aufgerufen.

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          Bei einer der größten Kundgebungen seit dem Sturz des früheren Staatspräsidenten Husni Mubarak haben in Ägypten mehrere Hunderttausend Menschen gegen den Hohen Militärrat und gegen die Kandidatur von ranghohen Repräsentanten des Mubarak-Regimes bei der Präsidentenwahl am 23. Mai demonstriert. Mehr als 30 islamistische, liberale und linke Gruppen hatten die Kundgebung mit dem Ziel, die Revolution zu verteidigen und ein Recht auf Selbstbestimmung zu formulieren, gemeinsam vorbereitet. Sie legten die Wege mehrerer Protestmärsche fest, die jeweils am Tahrir-Platz endeten, und ebenso die gemeinsam verwendeten Spruchbänder. Auf dem Tahrir-Platz errichteten sie eine zentrale Rednerbühne und kleinere Bühnen für jede Gruppierung.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

          Zu den Organisatoren gehörten die Muslimbruderschaft und die Anhänger des disqualifizierten salafistischen Präsidentschaftskandidaten Hazem Abu Ismail, ferner die Koalition der revolutionären Jugend und die Aktivistenbewegung des 6. April. Säkulare Gruppen hatten noch am vergangenen Freitag eine Massenveranstaltung der islamistischen Muslimbruderschaft boykottiert. Mit der gemeinsamen Kundgebung am gestrigen Freitag, bei der wie bei an den meisten Freitagen während der Revolution der als „Prediger der Revolution“ bekannte Theologe Mazhar Shahin die Freitagspredigt gehalten hat, haben die unterschiedlichen Gruppen versucht, wieder einen Konsens für die Zeit nach Mubarak und dem Ende des Hohen Militärrats herzustellen.

          Konsens besteht, dass die neue Verfassung nicht unter dem Hohen Militärrat geschrieben werfen dürfe, dass Politiker aus der Ära Mubarak von der Präsidentenwahl ausgeschlossen werden und der Ausnahmezustand aufgehoben solle. Ferner fordern sie die Annullierung des Artikels 28 der Verfassungsprinzipien des Hohen Militärrats, der eine Berufung gegen Entscheidungen der Hohen Wahlkommission für die Präsidentenwahl ausschließt. Damit ist die Disqualifikation von zehn Kandidaten nicht anfechtbar. Die säkularen Gruppen fordern zudem in der verfassungsgebenden Versammlung eine größere Vertretung, als ihnen die Islamisten bisher zugestehen.

          Am Vorabend der Großkundgebung hatten überwiegend linke Aktivisten vorübergehend die „Brücke des 6. Oktober“ besetzt, die am nördlichen Ende des Tahrir-Platzes vom Ägyptischen Museum auf die Nilinsel Zamalek führt. Auf ihr hatten während der Revolution einige der blutigsten Auseinandersetzungen stattgefunden. Die Aktivisten hielten die Brücke zwei Stunden besetzt und skandierten Rufe gegen den Hohen Militärrat, aber auch gegen die Muslimbruderschaft. Zuvor hatten 34 Gruppen, überwiegend säkularer Jugendlicher, in einer gemeinsamen Erklärung einen „dritten Weg zwischen dem Hohen Militärrat und der Muslimbruderschaft“ gefordert. Sie werfen der Muslimbruderschaft vor, aus Selbstinteresse mit den Generälen zu kooperieren.

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