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Konflikt um Nagornyj Karabach : Jeder feiert seine Erfolge

Aserbaidschanische Soldaten schießen auf die Kontaktlinie der selbsternannten Republik Nagornyj Karabach – Aufnahme aus Filmmaterial, das das aserbaidschanische Verteidigungsministerium am Sonntag veröffentlicht hat Bild: dpa

Bei den neu entflammten Kämpfen in Nagornyj Karabach ist die Propaganda ein wichtiges Mittel. Doch die Parteien erhalten auch international Hilfe – aus Russland und der Türkei.

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          Es ist schwer zu beurteilen, wie die am Wochenende neu entflammten Kämpfe um Nagornyj Karabach verlaufen. Im Schlachtenlärm um die von Aserbaidschan abtrünnige, von Armenien gestützte, aber von keinem Staat anerkannte „Republik“ arbeiten die drei Seiten traditionell mit Propaganda. Einerseits feiert das Regime in Baku Rückeroberungen. Andererseits rühmen die Führung in Stepanakert, der „Hauptstadt“ der „Republik Nagornyj Karabach“, und die Regierung in Eriwan die Abwehrerfolge. Verteidigungsministerien verbreiten Filme explodierender Panzer oder Stellungen, die sich kaum überprüfen lassen. Insbesondere Aserbaidschan hat mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern stark aufgerüstet, doch haben die Armenier im „gebirgigen schwarzen Garten“, wie sich Nagornyj Karabach übersetzen lässt, den Vorteil des hohen Geländes über der Ebene.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          In Armenien wie in Aserbaidschan ist das Thema Karabach höchst emotional. Auf beiden Seiten werden Helden des Krieges verehrt, der Anfang der neunziger Jahre tobte. Zehntausende wurden getötet, Hunderttausende vertrieben. Seit 1994 gilt ein von Russland vermittelter Waffenstillstand, der regelmäßig gebrochen wird. Im April 2016 forderte ein „Vier-Tage-Krieg“ mehr als 200 Tote, erst im vergangenen Juli kosteten Kämpfe an der Staatsgrenze nördlich von Nagornyj Karabach mindestens 17 Menschenleben. Die sogenannte Minsker Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) soll unter Führung Russlands, der Vereinigten Staaten und Frankreichs vermitteln, doch ist es um sie ruhig geworden. Grundsätzlich gilt in dem Konflikt, dass Armenien daran interessiert ist, den Status quo zu halten, Aserbaidschan dagegen seine „territoriale Integrität wiederherstellen“ will.

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