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Kämpfe in der Ostukraine : Hunderttausende Menschen ohne Wasser

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Lange Warteschlangen am Bahnhof von Lugansk: Angesichts der unsicheren Lage und der Kämpfe zwischen Regierungstruppen und den Separatisten verlassen immer mehr Menschen die Region Bild: AFP

Bei den Gefechten zwischen Separatisten in der Ostukraine wurde eine wichtige Wasserleitung beschädigt. Nun sind Slawjansk und vier weitere Städte ohne Trinkwasser. Viele Menschen versuchen, die Region zu verlassen.

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          In der von Regierungstruppen und Separatisten umkämpften Ostukraine sind Hunderttausende Menschen ohne Wasser. Im Raum Donezk seien fünf von militanten prorussischen Kräften beherrschte Städte wegen der Beschädigung einer Leitung jetzt von der Versorgung abgeschnitten, teilte der ukrainische Zivilschutz am Donnerstag in Kiew mit.

          Betroffen seien unter anderem die Großstädte Slawjansk und Kramatorsk mit jeweils mehr als 100.000 Einwohnern. Tausende Menschen versuchten, die Städte zu verlassen. Im ukrainischen Fernsehen waren lange Warteschlangen auf Bahnhöfen vor Fahrkartenschaltern zu sehen.

          Russland beklagt seit Tagen, dass die Region sich zu einem humanitären Krisengebiet entwickele, und fordert die Schaffung eines Hilfskorridors, um Einwohnern in Not zu helfen. Rund 4000 Menschen hätten inzwischen in Russland einen Flüchtlingsstatus beantragt, sagte Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew. „Das ist eine nie dagewesene Situation“, sagte er der Agentur Interfax zufolge.

          Auch die Lage in der russischen Region Rostow an der Grenze zur Ukraine verschlechterte sich. Täglich suchten demnach 3000 Ukrainer Zuflucht. Nicht alle von ihnen würden aber einen Flüchtlingsstatus beantragen, sagte Medwedjew weiter. Der ukrainische Grenzschutz konnte eine Flüchtlingswelle zunächst nicht bestätigen.

          Weitere Kämpfe bei Donezk

          Nahe Donezk hat es in der Nacht zu Donnerstag abermals Schusswechsel gegeben. Laut Einwohnern des Vororts Schiroki seien Schüsse zu hören gewesen, teilte die Stadtverwaltung mit. Ansonsten war die Lage in der von prorussischen Separatisten kontrollierten Industriestadt weitgehend ruhig.

          Die Straßen, an denen die Rebellen zahlreiche Kontrollposten errichtet haben, waren praktisch menschenleer. Donezk wird wie mehrere andere von den Separatisten kontrollierte Städte seit Wochen von der Armee belagert. Diese hatte am Dienstag ihren „Anti-Terror-Einsatz“ gegen die Separatisten verschärft.

          Laut der Regierung in Kiew wurden bei Kämpfen um die Rebellenhochburg Slawjansk zahlreiche prorussische Milizionäre und zwei ukrainische Soldaten getötet. Die Armee teilte am Mittwochabend mit, ein Munitionslager der Rebellen zerstört zu haben. Das Innenministerium kündigte am Donnerstag die Entsendung eines dritten Bataillons der aus Freiwilligen gebildeten Nationalgarde zur Verstärkung der regulären Truppen an. Die Einheit soll innerhalb von zehn Tagen in dem Konfliktgebiet im Osten der Ukraine eintreffen.

          Russland kritisiert G7-Erklärung zur Ukraine als zynisch

          Russland hat die Ukraine-Erklärung der sieben bedeutenden Industrienationen auf dem G7-Gipfel in Brüssel als zynisch kritisiert. „Die sogenannten Sieben lassen sich über 'gemäßigte Handlungen' der ukrainischen Armee gegen das eigene Volk aus: Das ist an Zynismus kaum zu überbieten“, sagte Medwedjew Interfax zufolge auf einer Kabinettssitzung. Russland hatte immer wieder den Einsatz von Panzern und Kampfflugzeugen in der Ostukraine als völlig überzogen kritisiert.

          Russland wirft den Vereinigten Staaten und der EU vor, die „Anti-Terror-Operation“ der ukrainischen Führung in der Ostukraine zu unterstützen. Die von Russland kritisierte Formulierung auf dem G7-Gipfel lautete: „Wir rufen die ukrainische Führung auf, bei den Operationen zur Wiederherstellung von Recht und Ordnung maßvoll vorzugehen.“ Russland hatte mehrfach zum Dialog aufgerufen, um den Konflikt zu lösen.

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