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Kämpfe im Irak : Kerry erwägt Zusammenarbeit mit Iran

  • Aktualisiert am

Der amerikanische Außenminister John Kerry will „nichts ausschließen, was konstruktiv wäre“ Bild: AP

Im Kampf gegen die Aufständischen im Irak setzt Amerika offenbar auf Kooperation mit Teheran. Gespräche soll es bereits in dieser Woche geben. Der amerikanische Außenminister Kerry zeigt sich offen für die Offerte des iranischen Präsidenten Ruhani.

          Der amerikanische Außenminister John Kerry hält eine militärische Zusammenarbeit mit Iran gegen die sunnitischen Dschihadisten im Irak für möglich. „Ich würde nichts ausschließen, was konstruktiv wäre“, sagte er in einem Interview von Yahoo, wie das Internetportal am Montag berichtete.

          Zudem würden auch Angriffe mit unbemannten Flugzeugen gegen die Extremisten geprüft, sagte Kerry. Präsident Barack Obama prüfe „jede verfügbare Möglichkeit sehr genau“. Den Vereinigten Staaten sei es sehr wichtig, dass der irakische Staat nicht zerfalle. Es gehe um die Stabilität der Region.

           Wie das „Wall Street Journal“ in der Nacht zum Montag berichtete, bereitet die amerikanische Regierung direkte Gespräche mit Iran vor. Dabei solle es um die Sicherheitslage im Irak und Wege zur Vertreibung der Sunnitenmiliz Isis gehen, sagten hochrangige Regierungsvertreter der Zeitung. Das amerikanische Präsidialamt erklärte lediglich, bislang habe es keinen Kontakt zum Iran in dieser Angelegenheit gegeben.

          Irans Präsident Hassan Ruhani hat bereits signalisiert, zu Gesprächen mit den Amerikanern bereit zu sein

          Wie das „Wall Street Journal“ weiter berichtete, wird mit dem Beginn der direkten Gespräche noch in dieser Woche gerechnet. Unklar sei allerdings noch, über welche diplomatischen Kanäle sich die amerikanische Regierung mit Teheran austauschen wolle. Einen Anlass könnten die Atomverhandlungen mit Iran bieten, die am Montag in der österreichischen Hauptstadt Wien begannen. Der iranische Präsident Hassan Ruhani hatte sich zuvor offen für eine Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten im Kampf gegen die Isis gezeigt. Allerdings müsse die Initiative von den Amerikanern ausgehen. Zwischen Washington und Teheran hatte unter anderem wegen des Atomstreits jahrelang eine Eiszeit geherrscht. Zuletzt gab es aber dort bereits eine Annäherung.

          Eine Gruppe von Freiwilligen, die sich der irakischen Armee im Kampf gegen Isis angeschlossen haben, hält am Sonntag in Bagdad eine Parade ab

          Die Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) hatte in den vergangenen Tagen Teile des Iraks unter ihre Kontrolle gebracht. Die radikalen Islamisten gingen dabei äußerst brutal vor. Die Gebietseroberungen alarmieren nicht nur die Vereinigten Staaten. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen will am Montag in Ankara mit dem türkischen Außenminister Ahmed Davutoglu die Bedrohungslage besprechen. Das Nato-Land Türkei grenzt sowohl an Syrien als auch an den Irak. Alle drei Länder haben zudem eine nach Autonomie strebende kurdische Minderheit, und die Türkei befürchtet ein Übergreifen der Konflikte. Die Vereinigten Staaten haben wegen der Erfolge der sunnitischen Islamisten einen Flottenverband um den Flugzeugträger „George H.W. Bush“ in den Persischen Golf entsandt.

          Irakischen Truppen fallen 160 Speichersticks in die Hände

          Anfang der Woche hatten Isis-Kämpfer von Mossul, der zweitgrößten Stadt des Iraks, aus einen Vorstoß Richtung Bagdad unternommen. Soldaten, Freiwillige und kurdische Peschmerga-Truppen schlugen sie inzwischen gebietsweise zurück. Einem „Guardian“-Bericht zufolge fielen den irakischen Truppen dabei mehr als 160 Speichersticks der Islamistenmiliz mit hoch brisanten Informationen in die Hände. Darunter seien Namen und Kriegsnamen aller ausländischen Isis-Kämpfer, von Isis-Anführern, Codewörter, die Initialen von Informanten in Ministerien sowie die kompletten Finanzdaten der Organisation. „Wir waren alle verblüfft, und die Amerikaner auch“, sagte ein Geheimdienstoffizier der britischen Zeitung.

          In den Besitz der Daten gelangten die irakischen Streitkräfte dem Bericht zufolge bereits vor dem Fall Mossuls. Zwei Tage vor der Isis-Offensive habe ein Kurier des Isis-Kommandeurs Abdulrahman al-Bilawi im Dauerverhör den Namen seines Chefs gestanden. Wenige Stunden später sei Al-Bilawi tot gewesen. In seinem Haus und bei seinem Kurier seien die Datenträger sichergestellt worden. Ihre Auswertung - unter anderem durch CIA-Agenten - sei noch im Gange.

          Seit der Eroberung Mossul verfügt die Isis demnach zudem über Milliardenwerte. „Vor Mossul betrugen ihr gesamtes Bargeld und Anlagen 875 Millionen Dollar“, sagte der Informant. „Danach, mit dem Geld, das sie in Banken geraubt haben und dem Wert der militärischen Versorgungsgüter, die sie geplündert haben, konnten sie weitere 1,5 Milliarden Dollar dazu addieren.“

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