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Kaczynski-Beisetzung : Ein Platz unter Königen

Bild: reuters

Die Entscheidung, den polnischen Präsidenten Lech Kaczynski und dessen Ehefrau Maria in der Gruft der Wawel-Kathedrale in Krakau beizusetzen, elektrisiert Polen. Denn dies ist nicht irgendeine Ruhestätte. Dort liegen keine gewöhnlichen Sterblichen, dort ruhen Könige, Dichterfürsten, Heilige.

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          Die Nachricht kam am Dienstag, als die Schlange der Menschen, die vor dem Präsidentenpalast in Warschau dem verunglückten Staatsoberhaupt Lech Kaczynski und seiner Frau die letzte Ehre erweisen wollten, einen Kilometer maß und die Wartezeit acht Stunden betrug: Der Metropolit von Krakau, Kardinal Dziwisz, hat Jaroslaw Kaczynski, dem Bruder des toten Präsidenten, versprochen, dass die Toten in der Gruft der Wawel-Kathedrale in Krakau begraben werden.

          Konrad Schuller
          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Polen ist elektrisiert. Die Kathedrale auf der Wawelburg ist nicht irgendeine Ruhestätte. Dort liegen keine gewöhnlichen Sterblichen, dort ruhen Könige, Dichterfürsten, Heilige. Unter ihnen sind König Wladyslaw Jagiello, der mit seinem Sieg über den Deutschen Ritterorden bei Tannenberg vor genau sechshundert Jahren Polen zur Großmacht machte, oder König Jan Sobieski, der 1683 die Türken bei Wien zurückschlug.

          Die Nationaldichter Adam Mickiewicz und Juliusz Slowacki sind dort begraben, die von den Polen als ihre wahren Führer der Nation in den mehr als hundert Jahren Teilung angesehen werden. Es ist deshalb sofort als außergewöhnliches Signal wahrgenommen worden, dass nun Lech Kaczynski als erster „gewöhnlicher“ Präsident auf dem Wawel liegen soll – zudem in derselben Krypta wie Marschall Józef Pilsudski, der Wiedergründer Polens im Jahr 1918.

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          Kardinal Dziwisz, der als Metropolit von Krakau über Beisetzungen auf dem Wawel befindet, hat die Entscheidung auf Wunsch der Familie Kaczynski getroffen, nach mehreren Gesprächen mit Jaroslaw Kaczysnski, dem wichtigsten nationalkonservativen Politiker Polens, einem Mann von bewährter Nähe zur Kirche. Begründet hat der Kardinal seinen Entschluss damit, dass Lech Kaczynski „als Held“ gestorben sei – unterwegs nach Katyn, um der polnischen „Märtyrer“ zu gedenken, die im Jahr 1940 auf Befehl Stalins dort ermordet wurden.

          Die Wirkung der Entscheidung war zwiespältig. Kardinal Stanislaw Dziwisz ist nicht irgendein Geistlicher. Er war jahrzehntelang Sekretär des polnischen Papstes Johannes Paul II. Die Entscheidung dieses Mannes hat sofort großen Widerhall gefunden – weniger in der Politik, die sich offenbar immer noch an ihre zuletzt immer und immer wieder gegebenen Versöhnungsversprechen gebunden fühlt, als in der Presse. Während das Boulevardblatt „Fakt“, Polens größte Zeitung, die Entscheidung für den Wawel feiert, hat das zweitgrößte Blatt, die liberale „Gazeta Wyborcza“ eine Kampagne dagegen in Bewegung gesetzt. Die Redaktion dieser Zeitung, die in Polen wegen der Instabilität der Parteien seit zwanzig Jahren die eigentliche Heimat des bürgerlichen Liberalismus ist, und die Kaczynskis nationale Rechte erbittert bekämpft, hat sich geschlossen gegen die Beisetzung auf dem Wawel ausgesprochen.

          Seither melden sich auf ihren Internetseiten permanent neue Kritiker: Professoren, Bischöfe, Künstler, unter ihnen solche von Weltrang wie der Regisseur Andrzej Wajda, den Schöpfer nationaler Filmepen über die Solidarno und Katyn. Selbst die Legende des antikommunistischen Widerstands, Lech Walesa (auch er zu Lebzeiten kein Freund Kaczynskis) meldet sich zu Wort, wenn auch mit Vorbehalt: Er wolle zwar seinen „Widerspruch und seine Unzufriedenheit“ mit Dziwiszs Entscheidung nicht verhehlen, sagt er der „Gazeta Wyborcza“, aber als „gläubiger, wenn auch sündiger“ Sohn der Kirche werde er Entscheidungen, bei denen „der Heilige Geist“ mitgewirkt habe, nicht widersprechen.

          Am Mittwoch morgen schien es noch, als könne der Streit die Welle der Eintracht, die Polen seit dem Tod des Präsidentenpaares und seiner Begleiter erfasst hat, jäh zum Stillstand bringen. Mittlerweile aber scheint es, als gebe es eine Lösung. Aus der Krakauer Kurie will die „Gazeta Wyborcza“ erfahren haben, dass Kardinal Dziwisz von dem Plan abgerückt sei, Kaczynski ein exklusives Heldenbegräbnis in der Krypta Marschall Pilsudskis zu gewähren. Statt dessen solle auf dem Wawel eine völlig neue Grabkammer eingeweiht werden – nicht nur für Kaczynski, sondern für alle Präsidenten der Republik.

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