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Julija Timoschenko : Sie ist die Opposition

Lustvoll inspizieren die Ukrainer die verlassene Residenz ihres geflohenen Präsidenten Janukowitsch im Örtchen Novi Petriwzi bei Kiew. Der Palast nach dem Geschmack eines Kleingauners vereint absolutistische Marmortreppen mit Empirefassade und einem draufgesetzten gemütlichen Blockhaus. Bilderstrecke

Nun also, da Julija Timoschenko ihre Haftzeit zwar versehrt, aber ungebrochen überstanden hat, schickt sie sich an, wieder die entscheidende Rolle in der ukrainischen Politik zu übernehmen. Einen ersten Vorgeschmack darauf, wie erbittert die Auseinandersetzung um die Deutungs- und Führungshoheit in der Opposition in den nächsten Wochen werden dürfte, lieferte Timoschenko schon am Samstagabend auf dem Majdan: Unter dem Jubel der Menge schloss sie sich denen an, die schon in der Nacht zuvor das Kompromissangebot von Klitschko, Jazenjuk und Tjahnibok an Janukowitsch in der Luft zerrissen hatten, und unter emotionaler Berufung auf die toten „Helden“ der letzten Tage verlangte sie, „Janukowitsch und all die Idioten in seiner Umgebung“ hierher „auf den Majdan“ zu bringen.

Anspruch, die eigentliche Führerin des Volkes zu sein

Schon in dieser Rede machte Timoschenko unmissverständlich ihren Anspruch klar, anders als die in der Ukraine allgemein verachteten „Politiker“ die eigentliche Führerin des „Volkes“ zu sein. Politik, sagte sie, sei manchmal „ein großes Theater“, sie selbst aber wolle „die Garantie dafür sein, dass ihr nicht verraten werdet.“ Die antipolitische Grundstimmung aufnehmend, die diese Revolution von Anfang an untermalt hatte, fügte sie hinzu: „Die Politiker von heute haben euch nicht verdient“.

Strebt ins höchste Staatsamt der Ukraine: Julija Timoschenko

Formulierungen wie diese ließen dabei womöglich nicht nur durchblicken, was die frühere Ministerpräsidentin und Ikone der „Revolution in Orange“ von 2004 von den Exponenten des Regimes Janukowitsch hält, sondern zeigten wohl auch ihre Geringschätzung für das oppositionelle Führungstrio Klitschko, Jazenjuk und Tjahnybok. Dieses hat es in den drei Monaten, die diese Revolution bisher gedauert hat, nicht geschafft, an der Spitze der proeuropäischen Bewegung in der Ukraine wirklich Autorität zu gewinnen.

Dass Timoschenko keinen von ihnen für einen ebenbürtigen Gegner hält, ist schon lange vermutet worden, und dass sie nichts Geringeres als das Präsidentenamt im Auge hat, wurde spätestens durch ihren öffentlichen Verzicht auf das Amt der Ministerpräsidentin der neuen Regierung klar, die nach den Absichten der Opposition an einem der kommenden Tage gewählt werden soll.

Bei der Präsidentenwahl, die jetzt auf den Mai angesetzt ist, wird Timoschenko dann möglicherweise auch gegen einige oder mehrere der drei bisherigen Oppositionsführer antreten müssen. Hier kommt vor allem Vitali Klitschko ins Spiel, der vom „Majdan“ so verheerend ausgebuht worden war. Es ist kein Geheimnis, dass das persönliche Verhältnis zwischen ihm und Timoschenko nie gut war, und deshalb werden sie darauf achten müssen, im Wahlkampf gegeneinander nicht durch zu harten Streit untereinander dem Ancién Régime in die Hände zu spielen.

Klitschko: „Es ist gut, dass Julija zurück ist“

Am Sonntag versuchte Klitschko schon, diesem Imperativ zu folgen. Er bekräftigte zwar seine Absicht, selbst für das Präsidentenamt zu kandidieren, versuchte aber zugleich, in der zuletzt so mühsam erfochtenen Einheit der Opposition keine Risse aufscheinen zu lassen. „Es ist gut, dass Julija zurück ist,“ sagte er. „So können wir noch mehr Menschen erreichen.“

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