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Julija Timoschenko : Behandlung durch deutschen Arzt in Charkiw geplant

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Zustimmung zur Behandlung in der Ukraine erteilt: Julija Timoschenko in Haft Bild: dpa

Die inhaftierte Oppositionspolitikerin Julija Timoschenko soll von Dienstag an von einem deutschen Arzt in der Ukraine behandelt werden. Das sagte der Chef der Berliner Charité nach einem persönlichen Gespräch.

          Die inhaftierte Oppositionspolitikerin Julija Timoschenko soll von Dienstag an im Eisenbahner-Krankenhaus in Charkiw von einem deutschen Arzt der Berliner Charité mit Unterstützung ukrainischer Ärzte behandelt werden. „Das ist ein gemeinsamer Schritt, der Lösung des Problems näher zu kommen“, äußerte der Chef der Charité, Karl Max Einhäupl, nach einem ausführlichen Gespräch mit der Inhaftierten. Frau Timoschenko habe ihre vorläufige Zustimmung erteilt, dafür in das Krankenhaus verlegt zu werden. Einhäupl hatte bei zwei Untersuchungen in der Ukraine im Februar und April festgestellt, dass die 51 Jahre alte Oppositionspolitikerin an einem Bandscheibenvorfall leidet, der seit Monaten im Gefängnis nicht ausreichend behandelt werde; die ukrainischen Behörden hatten bis zur Veröffentlichung der Ergebnisse der ersten Untersuchung Einhäupls bestritten, dass Frau Timoschenko ernstlich erkrankt sei. Einhäupl wurde nach Angaben der Gefängnisverwaltung am Freitag von ukrainischen Ärzten zu der Untersuchung Frau Timoschenkos begleitet. Timoschenko habe „wegen eines noch laufenden Besuchs“ von ukrainischen und deutschen Ärzten am Freitag nicht ihren Anwalt treffen können, hieß es in einer Mitteilung.

          Die ukrainische Justiz hat unterdessen Vorwürfe der ehemaligen Ministerpräsidentin zurückgewiesen, sie sei vor dem zwangsweisen Transport aus dem Gefängnis in Charkiw in ein Krankenhaus vor zwei Wochen misshandelt worden. Generalstaatsanwalt Viktor Pschonka sagte am Freitag laut ukrainischen Medien, Gerichtsmediziner seien zu dem Schluss gekommen, dass die Blutergüsse am Körper der Oppositionsführerin nicht bei den Vorkommnissen am 20. April entstanden sein könnten. Er deutete an, Frau Timoschenko könne sich die Verletzungen selbst beigebracht haben: „Nach Einschätzung der Ärzte können solche Verletzungen nur durch stumpfe Gegenstände entstehen und nicht durch einen Faustschlag, wie es Frau Timoschenko behauptet“, sagte Pschonka. Die Politikerin hatte Fotos der Blutergüsse am Bauch und an den Armen veröffentlichen lassen. Nach eigenen Angaben befindet sie sich aus Protest gegen die Misshandlungen seit 14 Tagen im Hungerstreik.

          Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hielte es für falsch, wenn deutsche Politiker und Sportfunktionäre wegen der Menschenrechtslage in der Ukraine nicht zu EM-Spielen fahren würden. Sie sollten vielmehr die Möglichkeit nutzen, dort auf die Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen, sagte der Generalsekretär der deutschen AI-Sektion, Wolfgang Grenz, dem „Handelsblatt“. Der stellvertretende Vorsitzende der ukrainischen Regierungspartei, Leonid Koschara, drohte unterdessen Deutschland wegen der Boykottdrohungen mit wirtschaftlichen Konsequenzen.

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