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Juden in der Ukraine : Lass mein Volk ziehen

Wolodymyr Selenskyj Ende April in Kiew – seine jüdische Herkunft wurde während des ukrainischen Präsidentschaftswahlkampfs kaum thematisiert. Bild: dpa

In Zeiten des zunehmenden Antisemitismus erscheint die Ukraine als Lichtblick. Überfälle auf Roma und Gewalt gegen Einrichtungen anderer Minderheiten weisen jedoch ein verdächtiges Muster auf.

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          Der amerikanische Sondergesandte für die Bekämpfung des Antisemitismus, Elan S. Carr, geriet in Kiew regelrecht ins Schwärmen. Überall auf der Welt gebe es verstärkt tätliche und verbale Angriffe auf Juden, nicht zuletzt die „kürzlich noch undenkbaren“ Angriffe auf Synagogen in den Vereinigten Staaten. „Aber jetzt sind wir in der Ukraine“, sagte Carr neulich auf dem ersten Kiewer Jüdischen Forum und leitete zur guten Nachricht über. Wie weit es die Ukraine gebracht habe, sei „in der sehr langen Geschichte des jüdischen Volkes“ geradezu ein „Wunder“.

          Gerhard Gnauck

          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Seit 2016 hat das Land einen jüdischen Regierungschef, Wolodymyr Hrojsman, und gerade hat das Volk einen neuen Präsidenten jüdischer Herkunft gewählt, der noch im Mai in sein Amt eingeführt werden soll: den Schauspieler und Filmproduzenten Wolodymyr Selenskyj. Die Herkunft des Kandidaten, lobte Carr, sei in einem ansonsten sehr schmutzigen Wahlkampf nicht einmal erwähnt worden. „Ich wüsste nicht, ob das in den Vereinigten Staaten auch so ablaufen würde.“ Angesichts der Geschichte Osteuropas – gemeint war sein traditioneller Antisemitismus – sei das sehr bemerkenswert. Jetzt sieht Carr die seltene Chance, ein beispielgebendes Land zu fördern. Er wolle künftig „Fürsprecher der Ukraine sein“ und dem Land tatkräftig helfen, noch weiter voranzukommen.

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