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Juan Guaidó im Interview : Keiner wird sich für Maduro opfern

Venezuelas Parlaments- und selbsternannter Interimspräsident Juan Guaidó Bild: EPA

Venezuelas selbsternannter Interimspräsident ist zuversichtlich, dass er sich im Konflikt mit Präsident Maduro durchsetzen wird. „Er hat keinen Führungsanspruch, das Volk folgt ihm nicht mehr“, sagt Juan Guaidó im F.A.Z.-Interview.

          Herr Präsident, in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta kommen tonnenweise Hilfsgüter an. Sie sollen Ende der Woche nach Venezuela gelangen. Wie wichtig ist der Erfolg dieser Aktion?

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Der ist aus zwei Gründen wichtig. Einerseits, weil die humanitäre Hilfe Leben rettet. Wir haben 300.000 Menschen, die in Lebensgefahr schweben und in den nächsten Tagen und Wochen sterben werden, wenn sie keine Hilfe bekommen. Und drei Millionen Venezolaner sind gefährdet. Und natürlich hat die humanitäre Hilfsaktion noch ein zweites Ziel: Sie soll der Armee eine Möglichkeit bieten, sich auf die Seite der Verfassung zu stellen und den Weg für freie Wahlen zu öffnen. Die Armee hat die Möglichkeit, Menschenleben zu retten. Sie hat uns erlaubt, uns zu organisieren und friedlich zu mobilisieren. Das war bisher nie so.

          Nicolás Maduro bezeichnet die Aktion als eine Show und droht, die Hilfe nicht ins Land zu lassen. Was passiert, wenn er diese Drohung wahr macht?

          Die humanitäre Hilfe wird ins Land gelangen. Wenn es nicht über Cúcuta ist, dann an anderer Stelle. Alleine die Grenze mit Kolumbien ist 2219 Kilometer lang. Die Grenze mit Brasilien ist ebenfalls lang, von der Küste ganz zu schweigen. Doch die politische Frage für den 23. Februar ist, ob die Armee oder eine andere bewaffnete Gruppe die humanitäre Hilfe am Einlass hindert. Das würde von den Venezolanern und der Welt nicht gutgeheißen.

          In der internationalen Gemeinschaft herrscht eine gewisse Zurückhaltung. Einige Länder wollen mit humanitärer Hilfe warten, bis die politische Situation es erlaubt. Internationale Organisationen berufen sich auf die Protokolle, die es ihnen nicht erlauben, Partei zu ergreifen. Verstehen Sie diese Vorsicht?

          Wir sind uns dieser Protokolle sehr bewusst. Doch man muss verstehen, dass diese Krise politischer Natur ist. Heute sterben in Venezuela Kinder wegen Durchfalls, weil sie unterernährt sind und es kein Serum gibt. Und der Grund dafür sind schlechte politische Entscheidungen. Die Zerstörung der Erdölindustrie hat unter anderem dazu geführt, dass Venezuela heute alleine bei den Pharmaunternehmen vier Milliarden Dollar Schulden hat. Das Regime behauptet, es könne keine Medikamente mehr beschaffen. Gleichzeitig zeigte sich vor einigen Tagen aber ein Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums, wie er tonnenweise Medikamente in Empfang nimmt. Das ist der Widerspruch eines Regimes, das keine Antworten auf die Probleme hat, für die es selbst verantwortlich ist. Und es negiert weiterhin die Krise. Ich verstehe das Zögern einiger Länder oder Organisationen. In einigen Fällen fehlt die Information, andere Länder haben auch innenpolitische Probleme. Doch was in Venezuela passiert, kann nicht mit den herkömmlichen Maßstäben gemessen werden. Und ganz sicher kann es nicht mit ideologischen Maßstäben gemessen werden, in einem Links-Rechts-Schema. Hier geht es um eine humanitäre Frage. Und es ist fundamental, dass wir zur Demokratie zurückkehren.

          Die Rolle der Armee ist zentral. Sie sagten mehrmals, Sie würden bereits Gespräche mit ranghohen Offizieren führen. Inwiefern stimmen Sie diese Gespräche zuversichtlich?

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