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Journalisten sichten Militärkolonne : „Okay, das ist keine humanitäre Hilfe“

Eine russische Militärkolonne ist in die Ukraine eingedrungen. Vier westliche Journalisten wurden zu Zeugen - und twitterten ihre Beobachtungen.

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          Es war das erste Mal in der Ukraine-Krise, das westliche Journalisten Zeugen eines Grenzübertritts russischer Militärfahrzeuge ins Nachbarland wurden: Am späten Donnerstagabend berichteten die Amerikanerin Courtney Weaver von der „Financial Times“, Shaun Walker vom „Guardian“, Roland Oliphant vom „Daily Telegraph“ - allesamt britische Zeitungen - und BBC-Korrespondent Steve Rosenberg auf ihren Twitter-Profilen als Erste davon, wie 23 Fahrzeuge mit russischen Armeekennzeichen auf ukrainisches Territorium vordrangen.

          Weaver, Walker und Oliphant berichteten auf dem Kurznachrichtendienst von bewaffneten Männern und Fahrzeugen, die offensichtlich als russisches Militär gekennzeichnet gewesen seien und die ukrainische Grenze übertraten. Von einer regelrechten russischen „Invasion“ könne man dabei nicht sprechen, schrieb Walker, zeigte sich aber dennoch verblüfft von der Aktion des russischen Militärs.

          „Kann die jemand identifizieren?“

          Nachdem in der Nacht zum Freitag die ukrainische Armee nach eigenen Angaben die russischen Militärfahrzeuge, die in den Osten der Ukraine eingedrungen waren, angegriffen hatte, schien Courtney Weaver über eine Eskalation des Krieges nachzudenken. Sie verbreitete den Tweet des Stanford-Professors Michael McFaul, der schrieb: „Falls ukrainische Streitkräfte tatsächlich russisches Militär in der Ostukraine angegriffen haben, dann ist dieser Krieg nun in großem Stile eskaliert.“

          Die Korrespondenten begleiten eigentlich seit mehreren Tagen die Reise des von Russland als humanitäre Hilfe deklarierten Hilfskonvois aus rund 280 Lastwagen auf dem Weg an die ukrainische Grenze. Der Militärkolonne begegneten sie somit offenbar rein zufällig.

          Nachdem die ukrainische Armee den Hilfskonvoi an der Grenze gestoppt hatte, durfte Weaver einen Blick in mehrere der Lastwagen werfen und deren Ladung fotografieren. Dabei stellte sie fest, dass einige von ihnen nicht einmal zur Hälfte gefüllt waren. Zu sehen bekam sie dabei häufig lediglich Buchweizen, Schlafsäcke oder Werkzeuge darin. 

          Walker und Oliphant verbreiteten über Twitter zudem mehrere Fotos von Panzern, Waffentransportern und militärischen Lastkraftwagen. Dabei fragten sie ihre Follower: „Kann die jemand identifizieren?“ oder stellten lapidar fest: „Okay, das ist keine humanitärische Hilfe“. Rosenberg und Weaver posteten im weiteren Verlauf noch mehrmals unabhängig voneinander, wie sie russische Militärfahrzeuge beobachteten, auf denen Sticker angebracht waren, die sie als Teil einer Friedensmission ausweisen sollten. Welchen Zweck sie verfolgen, bleibt abzuwarten.

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