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Reporter in Haft : Der Fall Billy Six

  • -Aktualisiert am

Der Journalist Billy Six nimmt 2013 an einer Pressekonferenz in Berlin teil. Bild: dpa

Der deutsche Journalist Billy Six sitzt in Venezuela in Haft. Ihm wird unter anderem Spionage vorgeworfen. Sein Vater nennt Six’ Situation „besorgniserregend“. Die Organisation „Reporter ohne Grenzen fordert“ seine Freilassung.

          Für die Pressefreiheit beginnt das Jahr 2019 mit einer bedrückenden Bilanz. Laut einer Zählung der Nichtregierungsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ sind derzeit 335 Medienschaffende weltweit wegen ihrer Tätigkeit inhaftiert. Darunter befindet sich auch der deutsche Journalist Billy Six. Wie seine Eltern und Reporter ohne Grenzen berichten, sitzt Six seit mehr als sieben Wochen in einem venezolanischen Militärgefängnis. Demnach wird dem 32 Jahre alten Reporter Spionage, Rebellion und die Verletzung von Sicherheitszonen vorgeworfen.

          Six berichtete für die rechtskonservativen Medien „Junge Freiheit“ und „Deutschland Magazin“ über die Wirtschaftskrise Venezuelas. Vom „Deutschland Magazin“, das vom rechten Verein „Die Deutschen Konservativen e.V“ herausgegeben wird, hat der freie Journalist im vergangenen Jahr den Auftrag erhalten, in das Land zu reisen und über den Verfall des sozialistischen Systems zu schreiben. Die Initiative für die Recherche sei dabei von Six selbst ausgegangen, teilte das „Deutschland Magazin“ auf Anfrage mit.

          Laut der venezolanischen Menschenrechtsorganisation „Espacio Público“ wurde Six am 17. November vom venezolanischen Geheimdienst Sebin in seinem Hotel im nordwestlichen Bundesstaat Falcón festgenommen und in das Gefängnis „El Helicoide“ in Caracas gebracht. Nach Berichten von Human Rights Watch sollen hier mehrere politische Gefangene interniert sein. Six‘ derzeitige Situation ist unklar. Sein Vater Edward Six berichtet im Gespräch mit FAZ.NET, Six werde jeder Kontakt zur Außenwelt verweigert, sein Sohn habe nicht einmal einen Anwalt. Informationen erhalte die Familie nur über Umwege.

          Sein Vater nennt die Vorwürfe haltlos

          Die Vorwürfe gegen seinen Sohn sieht Edward Six folgendermaßen entkräftigt: Der Spionagevorwurf stütze sich auf Fotos, die der Journalist während einer öffentlicher Militärparade zum Nationalfeiertag in Fuerte Tiuna 2017 und 2018 angefertigt habe. Dort habe aber jeder fotografiert. Die Anschuldigung der Rebellion geht laut Six auf ein Treffen zwischen dem Journalisten und der Guerillabewegung Farc zurück, das „im Rahmen einer Reportage für eine deutsche Zeitschrift“ stattfand. Der dritte Vorwurf lege dem Journalisten eine „Verletzung der Sicherheitszonen“ zur Last und beziehe sich auf ein Foto, das Billy Six von Präsident Nicolás Maduro während der Präsidentschaftswahl im Mai 2018 aufgenommen hat. Six soll sich im abgesperrten Sicherheitsbereich befunden haben, was der Journalist jedoch bestreitet. Bei der Aufnahme habe Billy Six den Sicherheitszaun als Auflage für seine Kamera benutzt, so sein Vater.

          Für Edward Six sind die Anschuldigungen gegen seinen Sohn haltlos: „Billy schaut sich um, versucht die Menschen zu verstehen, beide Seiten zu verstehen und schreibt eben darüber.“ Der wahre Grund liege vielmehr in der journalistischen Tätigkeit seines Sohnes. Eine Woche nach der Verhaftung habe Edward Six vom Zwischenfall erfahren und das Auswärtige Amt informiert. Außerdem habe er in mehreren Briefen an die Bundeskanzlerin, den Justiz- und Innenminister appelliert, dass sich diese für die Freilassung seines Sohnes einsetzen mögen. Von den bisherigen Bemühungen ist Edward Six jedoch enttäuscht: „Wir wurden aber immer wieder auf das Auswärtige Amt verwiesen und diese verwiesen auf die Deutsche Botschaft in Venezuela. Von da aber kommt nicht viel.“ Der Familie selbst sei von einer Reise nach Venezuela abgeraten worden. Gleich mehrere Personen, mit denen Billy Six in Kontakt gewesen ist, seien ebenfalls verhaftet worden, erklärt sein Vater.

          Edward Six beklagt, die Lage seines Sohnes sei besorgniserregend. Gleich zu Beginn habe man dem Journalisten, der zuvor am Dengue-Fieber erkrankt sei, die Medikamente abgenommen. Um auf den Entzug seiner Rechte aufmerksam zu machen, sei Billy Six zeitweise auch in den Hungerstreik getreten. In Caracas bemühe man sich über die konsularischen Betreuung zumindest darum, ein Besuchsrecht einzufordern, um sich ein aktuelles Bild von Six’ Wohlergehen zu machen. Der Kontakt zu einem Anwalt sei ihm bis heute verwehrt worden.

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