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Reporter in Haft : Der Fall Billy Six

Als Zivilist vor dem Militärgericht

Auf Anfrage beim Auswärtigen Amt zum derzeitigen Stand gab es vergangene Woche zunächst kaum konkrete Informationen: Der Fall sei bekannt. Die Botschaft in Caracas habe die konsularische Betreuung eingeleitet. Um die Persönlichkeitsrechte des Betroffenen zu schützen, würde man aber keine weiteren Auskünfte erteilen. 

Michael Rediske, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der deutschen Sektion von Reporter ohne Grenzen, zeigt sich angesichts der wortkargen Rückmeldung des deutschen Ministeriums überrascht. Solche Zurückhaltung sei eher bei Entführungsfällen üblich, um nicht durch Informationspreisgabe das Wohl des Opfers zu gefährden. Auch von venezolanischer Seite gibt es bislang keine offizielle Stellungnahme zum Vorfall. Rediske hält die Vorwürfe gegen Billy Six für konstruiert. Der frühere Chefredakteur der „taz“ kritisiert die Inhaftierung des Journalisten scharf. Six stehe als Zivilist vor einem Militärgericht. Im schlimmsten Falle drohen dem Deutschen bis zu 28 Jahre Gefängnis. 

Am vergangenen Freitag erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes schließlich, die Botschaft schöpfe die diplomatischen Möglichkeiten aus, um Zugang zu Six zu erhalten und die Hintergründe seiner Festnahme zu erfahren. Bisher sei allerdings noch „kein Haftbesuch“ durch die deutsche Botschaft möglich gewesen, sondern lediglich ein Telefonat. Die Botschaft in Caracas stehe mit den venezolanischen Behörden in Kontakt, „und zwar sehr hochrangig“.

Alexa Garrido, Mitarbeiterin der lateinamerikanischen Nichtregierungsorganisation Espacio Público, bezeichnet das Vorgehen der Regierung auf Anfrage als klaren Bruch mit dem venezolanischen Recht. Sie sieht darin einen Angriff auf Six' Arbeit, die sich zuletzt mit Korruption und Massenflucht in Venezuela beschäftigte. Der Fall Billy Six reihe sich in eine lange Liste von Versuchen ein, kritische Stimmen im Land auszuschalten. Auf der Rangliste der Pressefreiheit belegt Venezuela derzeit Platz 146 von 180 Staaten. Zahlreiche Radio- und Fernsehsender haben in den vergangenen Jahren ihre Lizenz verloren, Blogger und Journalisten werden immer wieder Opfer von Hetzkampagnen. Mehrere ausländische Medienschaffende berichten darüber, dass ihnen die Einreise in das Land verweigert wurde.

„Abenteurer und Journalist“

Für Six selbst ist es nicht die erste Konfrontation mit einer ausländischen Regierung. Bereits 2012 saß der Journalist mehrere Monate in einem syrischen Gefängnis. Der Vorwurf damals lautete Terrorismus und illegale Einreise. Auch im jetzigen Fall bleiben die Umstände unklar, unter denen Six in Venezuela gearbeitet hat. Weder das „Deutschland Magazin“ noch die „Junge Freiheit“ konnten sagen, ob Six seine journalistische Tätigkeit vorab im Land angemeldet hatte. „Billy macht die Dinge eben auf seine Weise und will als Reporter dort vor Ort sein, wo was los ist,“ erklärt Bastian Behrens, Sprecher der „Jungen Freiheit“. „Er ist eine Mischung aus Abenteurer und Journalist.“

In der medialen Auseinandersetzung mit dem Fall Six bedauert Behrens, dass die Aufmerksamkeit, für welche Medien der Journalist gearbeitet hat, eine zu starke Rolle einnehmen würde. Wichtiger ist ihm der Punkt, dass ein Journalist bei der Ausübung seiner Arbeit unrechtmäßig festgenommen wurde.

Einen prominenten Unterstützer hat der Journalist derweil in Deniz Yücel gefunden, der zwischen 2017 und 2018 über ein Jahr lang in türkischer Haft saß. Auf Twitter bekundet er Solidarität zu Six: „Die Freiheit des Wortes gilt oder gilt nicht. Sie ist unteilbar,“ schreibt Yücel, der wegen seiner Arbeit häufig von rechtskonservativen Medien heftig kritisiert wurde.

Über eine eigens eingerichtete Facebookseite informiert Six‘ Vater auch weiterhin über das Schicksal seines Sohnes. Doch dieses bleibt auch zu Jahresbeginn ungewiss.  

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