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Corona-Einschränkungen : Platzt die britische „Christmas Bubble“?

Zwei Wochen nach Ende des britischen Lockdowns sind die von Premierminister Boris Johnson beabsichtigten Lockerungen über Weihnachten gefährdet. Bild: EPA

Zwei Wochen nach dem Ende des landesweiten Lockdowns gelten für viele Briten wieder schärfere Einschränkungen. Auch die von Premierminister Johnson geplanten Lockerungen über Weihnachten werden von Kritikern in Frage gestellt.

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          Erst vor zwei Wochen wurden die Briten aus dem zweiten Lockdown entlassen – nun gelten für mehr als die Hälfte aller Einwohner Großbritanniens und auch für die Hauptstadt London wieder harte Beschränkungen. Die betroffenen Regionen wurden auf „Stufe drei“ gesetzt, was die strengste Kategorie im Vereinigten Königreich ist. Die Auswirkungen ähneln einem Lockdown. So sind die Briten ab diesem Mittwoch angehalten, wenn möglich, wieder von zu Hause aus zu arbeiten. Mitglieder verschiedener Haushalte dürfen sich nicht mehr in geschlossenen Räumen treffen, Pubs müssen schließen, und Restaurants dürfen ihr Essen nur außer Haus liefern. Jedoch können Friseure und bestimmte Geschäfte unter strengen Auflagen öffnen, und auch die Schulen bleiben geöffnet.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Als wäre das nicht Ungemach genug, droht nun auch die Sonderregelung für Weihnachten verschärft zu werden. Erst vor drei Wochen hatte die Regierung in London mit den Ministerpräsidenten von Schottland, Nordirland und Wales mühsam einen Kompromiss ausgehandelt. Jetzt mehren sich die Stimmen, welche die Luft aus der sogenannten „Christmas Bubble“ lassen wollen. Londons Bürgermeister Sadiq Khan stellte sich am Dienstag hinter die Warnung zweier medizinischer Fachjournale, die den Verlust zu vieler Menschenleben befürchten, sollte es bei den bisherigen Plänen bleiben. Mehrere Virologen schlossen sich der Forderung nach Verschärfungen an. Der bisherige Kompromiss sieht vor, dass sich zwischen 23. und 27. Dezember Angehörige von bis zu drei Haushalten unter dem Weihnachtsbaum versammeln dürfen; die Zahl der Personen ist dabei – zumindest in England – nicht begrenzt.

          Der Vorwurf von Londons Bürgermeister

          Khan, der sich gerne gegen Premierminister Boris Johnson profiliert, warf diesem Opportunismus vor. Johnson werde die Regel wohl beibehalten, weil er nicht als der Premierminister gelten möchte, der „Weihnachten absagt“, sagte Khan. Tatsächlich hielt die Regierung am Dienstag an der bisherigen Regelung fest, rief aber dazu auf, „verantwortungsvoll“ mit den Freiheiten umzugehen. Mehrere Minister mahnten die Bürger zur „Vorsicht“ und schlugen vor, sich bis zum Weihnachtsfest zu isolieren, um die Ansteckungsgefahr zu senken. Der medizinische Chefberater der Regierung, Chris Whitty, empfahl, die Festtagsregelung „nicht bis zur Grenze auszuschöpfen“.

          Aber das Muster weist in eine andere Richtung, als es Khan dem Premierminister unterstellt. Wann immer seit dem Ausbruch der Pandemie von Wissenschaftlern und der oppositionellen Labour Party strengere Maßnahmen gefordert wurden, kam die Regierung mit einigen Tagen Verzögerung dem entgegen. Am Dienstag wurden schon erste Stimmen aus der Downing Street zitiert, die von einer „Überprüfung“ der Weihnachtsregeln sprachen.

          Weniger Tote wegen November-Lockdown

          Die Corona-Statistiken bieten Argumentationshilfe für Lockerung und Verschärfung gleichermaßen. Vor allem in südöstlichen Teilen Englands sind die Infektionszahlen stark gestiegen – zur Zeit verdoppeln sie sich dort alle sieben Tage. Gleichzeitig meldete das Nationale Statistikbüro am Dienstag für das gesamte Königreich einen leichten Rückgang der Todesfälle – erstmals seit September. In der Woche bis zum 4. Dezember sind 2835 an Covid-19 erkrankte Personen gestorben – 205 weniger als in der Woche davor. Diese Zahlen spiegeln allerdings auch die Wirkung des vierwöchigen Lockdowns wider, der am 2. Dezember beendet wurde.

          Unter dem Hin und Her leiden nicht nur der Einzelhandel und die Gastronomie. Seit Beginn der Pandemie sind im Königreich 820.000 Arbeitsplätze verlorengegangen. Auch Schüler und Eltern leben in ständiger Unsicherheit. Am Montag wurden zahlreiche Londoner Schulen von Labour-geführten Bezirksregierungen angewiesen, ihre Türen zu schließen und wieder auf digitalen Unterricht umzustellen. Dies untersagte die britische Regierung und drohte mit rechtlichen Mitteln, sollte dies nicht bis Dienstagmorgen rückgängig gemacht werden. Als erster Bezirk knickte Greenwich ein – nicht weil man dort überzeugt ist, sondern weil das Geld für einen Rechtsstreit fehlt.

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