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Britische Premierministerin : Brexit mit Lederhose

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Seit vergangenem Juli hat sie in der britischen Politik die Hosen an: Premierministerin Theresa May. Diese Lederhose sorgt nun allerdings für Unmut. Bild: Austin Hargrave/Sunday Times Magazine/News Syndication

Theresa May erntet von Parteifreundin Kritik. Allerdings geht es dabei nur vordergründig um ein paar teure Lederhosen. In der britischen Politik ist jetzt ein dickes Fell nötig.

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          Wer die Hosen anhat in der britischen Politik, wissen die Briten spätestens seit vergangenem Juli: Theresa May. Nicht so klar war, welche Hosen die neue Premierministerin tragen würde. Eine von ihnen ist ihr nun auf die Füße gefallen, denn die schokoladenbraune Lederhose, in der sie sich unlängst bei einem Fototermin mit der „Sunday Times“ hat ablichten lassen, wurde in Parteikreisen „wahrgenommen und diskutiert“, wie sich Nicky Morgan ausdrückte, eigentlich eine Parteifreundin. Sie selber, fügte Morgan noch hinzu, habe übrigens keine Lederhose.

          „Ich glaube nicht, dass ich jemals so viel für etwas ausgegeben habe außer für mein Hochzeitskleid.“ Der Preis der Mayschen Lederhose: 995 Pfund, was auch nach dem Brexit-bedingten Fall der britischen Währung noch einer Summe von knapp 1200 Euro entspricht.

          Morgan gegen May

          In Downing Street wurde sofort verstanden, dass Morgan keinen gutgemeinten Moderatschlag unter Frauen geben wollte, sondern politisch unter die Gürtellinie gezielt hatte. Morgan ist nicht nur schlecht auf May zu sprechen, weil sie im Sommer aus dem Amt der Bildungsministerin entfernt worden ist. Sie steht auch in der Europa-Frage quer zu May. Vor dem Referendum war sie leidenschaftlich für den Verbleib in der EU eingetreten. Seither spricht sie sich für einen möglichst „weichen Brexit“ aus, notfalls sogar um den Preis, nicht die volle Kontrolle über die Einwanderung zurückzugewinnen.

          May, die den Verbleib in der EU eher lauwarm unterstützt hatte, will die Freizügigkeit für die EU-Bürger beenden und begründet dies mit den Einwanderungssorgen der „Jams“, also jener Briten, die ihr Leben gerade so hinkriegen („just about manage“). Downing Street reagierte gnadenlos. Mays Stabschefin Fiona Hill lud Morgan umgehend von einem geplanten Gespräch über die Ausstiegsverhandlungen mit der EU aus und nahm dabei nicht einmal Kontakt zu ihr auf. Stattdessen schickte sie dem Abgeordneten Alistair Burt, der gemeinsam mit Morgan eingeladen war, die SMS: „Bring diese Frau nicht noch einmal mit in die Downing Street.“

          Boris Johnson möchte auch mitmischen

          Nun eskalierte der Hosenkrieg und mündete kurzzeitig in eine Gender-Debatte. „Kein Mann bringt mich zu irgendeinem Treffen mit“, schäumte Morgan. „Wenn du etwas nicht magst, das ich gesagt oder getan habe, sag mir das bitte persönlich.“ Seither herrscht eisiges Schweigen zwischen Morgan und den beiden Frauen.

          Die Angelegenheit, die von der britischen Boulevardpresse zwischenzeitlich als „Trouser-Gate“ behandelt worden war, klang schon beinahe wieder ab, da mischte sich Boris Johnson ein. Am Dienstagabend, auf dem traditionellen Weihnachtsempfang des Außenministeriums im Lancaster House, konnte er sich nicht verkneifen, die britische Weltoffenheit post-Brexit mit einer Pointe auf Kosten der Regierungschefin zu illustrieren.

          Britische Politiker sollten sich dickes Fell zulegen

          „Wir sind so kosmopolitisch“, sagte Johnson in seiner kleinen Ansprache, „dass wir mehr Champagner trinken und mehr deutsche Autos kaufen als jeder andere – und unsere wunderbare Premierministerin trägt Lederhosen.“ Das letzte Wort sprach er deutsch aus, und wenn die Briten „Lederhose“ statt „leather trousers“ sagen, meinen sie die bayrische.

          Johnson, der als Verfechter eines harten Brexit gilt, dürfte kaum beabsichtigt haben, seine Parteifreundin Morgan politisch zu unterstützen – umso weniger, als sie inzwischen ihrerseits des Tragens einer 950 Pfund teuren Handtasche überführt worden ist. Vermutlich nutzte Johnson die Gelegenheit nur, um der Premierministerin etwas heimzuzahlen. Die hatte ihn vor einigen Wochen scherzhaft mit einem Hund verglichen, den man einschläfert, wenn man ihn nicht mehr braucht. Es scheint, als verlange die britische Politik ihren Akteuren ein besonders dickes Fell ab, und wer das nicht hat – Schutzkleidung aus Leder.

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