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Posthume Erklärung : John McCains letzte Botschaft an Trump

  • Aktualisiert am

Starb im Alter von 81 Jahren – der amerikanische Senator John McCain. Bild: AP

In einer posthum veröffentlichten Botschaft ruft John McCain zur Überwindung der Spaltung in Amerika auf – und plaziert darin eine Nachricht an seinen Intimfeind. Auch der Präsident gibt doch noch eine offizielle Mitteilung heraus.

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          Der verstorbene amerikanische Senator John McCain hat seine Landsleute in einer posthum veröffentlichten Abschiedsbotschaft zur Überwindung der tiefen politischen Spaltung aufgerufen. „Wir schwächen unsere Großartigkeit, wenn wir Patriotismus mit Stammesrivalitäten verwechseln“, schrieb McCain in dem Vermächtnis, das sein früherer Wahlkampfmanager Rick Davis am Montag in Phoenix verlas. Mit „Stammesrivalität“ wird in den Vereinigten Staaten oft die Gegnerschaft der beiden großen Parteien – Republikaner und Demokraten – bezeichnet.

          Unversöhnliche politische Feindschaft habe „Ressentiments und Hass und Gewalt an allen Ecken der Welt“, genährt, beklagte McCain. Er grenzte sich in seiner Abschiedsbotschaft ein letztes Mal von Amerikas Präsident Donald Trump ab: Die Vereinigten Staaten würden schwächer, „wenn wir uns hinter Mauern verstecken anstatt sie niederzureißen, wenn wir an der Kraft unserer Ideale zweifeln anstatt ihnen zu vertrauen und sie als die größte Kraft für den Wandel zu sehen.“

          „Das ist einfach eine Tatsache“

          Davis sagte weiter, er rechne nicht mit Trumps Teilnahme an den Trauerfeierlichkeiten. „So viel wir wissen, wird der Präsident den Trauerfeierlichkeiten nicht beiwohnen“, sagte der langjährige McCain-Vertraute. „Das ist einfach eine Tatsache.“ Bereits Monate vor seinem Tod hatte McCain verbreiten lassen, dass er Trump nicht als Trauergast bei seiner Beerdigung wolle. Stattdessen wünschte er sich laut Medienberichten, dass die beiden früheren Präsidenten Barack Obama und George W. Bush bei der Trauerfeier reden.

          McCains Verhältnis zu Trump war stark belastet. Während des Präsidentschaftswahlkampfs hatte Trump den Veteranen, der mehr als fünf Jahre in Kriegsgefangenschaft verbrachte, übel verhöhnt. Für ihn sei McCain „kein Held“, sagte Trump, der selbst einst den Wehrdienst umgangen hatte: „Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden, okay?“

          Noch vom Krankenbett aus setzte McCain wenige Wochen vor seinem Tod eine Erklärung mit vernichtender Kritik an Trumps Treffen mit Kreml-Chef Wladimir Putin ab. Die Pressekonferenz in Helsinki nannte er „einen der schmachvollsten Auftritte eines amerikanischen Präsidenten seit Menschengedenken“. McCain gehörte zu den prominentesten Mitgliedern des amerikanischen Senats. Ab 1983 saß McCain zunächst im Repräsentantenhaus, seit 1987 war er Senator.

          Unterdessen würdigte Trump nach massivem öffentlichem Druck McCain und dessen Dienste doch noch in einer offiziellen Mitteilung. Trump ordnete zudem an, die amerikanischen Flaggen an Regierungsgebäuden bis zur Beerdigung seines parteiinternen Rivalen an diesem Sonntag auf Halbmast zu setzen. Trotz politischer Differenzen „respektiere ich Senator McCains Dienst an unserem Land“, hieß es in einer Mitteilung des Präsidenten.

          Trump teilte weiter mit, er habe Stabschef John Kelly, Außenminister James Mattis und Sicherheitsberater John Bolton gebeten, seine Regierung bei den Gedenkfeierlichkeiten für McCain zu vertreten. Trump hatte der Familie per Twitter kondoliert, in dem knappen Tweet aber McCains Leben und Wirken nicht gewürdigt.

          Die „Washington Post“ berichtete am Montag, Trump habe eine offizielle Würdigung der Verdienste McCains im Militär und im Senat abgelehnt. In einem später nicht veröffentlichten Entwurf für eine Würdigung sei der Vietnam-Kriegsveteran als „Held“ bezeichnet worden. Die amerikanische Flagge am Weißen Haus war am Samstagabend nach dem Tod des Senators auf Halbmast gesetzt worden, am Montag aber wieder voll gehisst worden. Nach der Verfügung Trumps wurde sie dann ein weiteres Mal auf Halbmast gesetzt.

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