https://www.faz.net/-gpf-9ab6c

John McCain : Hymne auf Amerika

  • -Aktualisiert am
Im Mai erschien John McCains Buch „The Restless Wave“, in dem er über seine Erfahrungen im letzten Jahrzehnt schreibt.

McCain verrät auch, was er selbst heute anders machen würde. So würde er Tea-Party-Vertreterin Sarah Palin nicht mehr zu seiner Kandidatin fürs Vizepräsidenten-Amt machen, sondern seinen Freund Joe Lieberman, der von einem Demokraten zu einem Unabhängigen wurde. Palin verlor 2008 gemeinsam mit McCain gegen Barack Obama. Dass er das Dossier des britischen Spions Christopher Steele über Donald Trumps vermeintliche Kontakte nach Russland an den damaligen FBI-Chef James Comey weiter gab, findet McCain heute noch richtig. Er habe es für seine patriotische Pflicht gehalten. Das Dossier wurde dem Senator von einem früheren Diplomaten zugespielt – es enthält viele unverifizierte Anschuldigungen über Trumps vermeintliche Verbindungen und Reisen nach Moskau. „Ich würde es wieder tun. Wem das nicht gefällt, der kann zur Hölle fahren“, so McCain. Auch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin rechnet er ausführlich ab, bezeichnet ihn als Despoten und Amerikas Feind.

Die Reaktionen auf das Buch reichen von wohlwollend bis verärgert. Die „New York Times“ betonte den hymnischen, patriotischen Grundton der Memoiren, der auf Kosten pointierterer Kritik an der gegenwärtigen politischen Situation gehe. McCain kritisiere die Trump-Regierung zwar durchaus, aber das könne man leicht überlesen: „Blinzeln Sie und Sie könnten es verpassen“, so die Zeitung. Unterstützer von Präsident Trump finden aber genug, über das sie sich ärgern können. Sie stört vor allem die Kritik an Trump und den Rechten – nicht zuletzt, weil sie wissen, wie hoch angesehen John McCain auch unter Konservativen ist.

Corey Jones von der Organisation „New Right“, die die Trump-Agenda voranbringen will, sagte: „McCain kommt wie ein sehr verbitterter Mensch rüber. Statt die Vergangenheit ruhen zu lassen, hat er es zu seiner Mission gemacht, die Agenda des Präsidenten zu untergraben.“ Jones reihte sich auch in die Gruppe derjenigen ein, die dieser Tage wenig Respekt vor dem Todkranken zeigen. Er riet: „McCain sollte sich weniger darauf konzentrieren, wen er zu seiner Beerdigung einlädt, als darauf, sein beschädigtes Vermächtnis zu reparieren.“ Die Trump-Anhänger ärgert es besonders, dass McCains Kritik am Präsidenten immer wieder eins in Erinnerung bringt: dass Trump selbst vor einigen Jahren die militärische Vergangenheit des Senators und seine Gefangennahme in Vietnam in den Dreck zog. Auf einer Veranstaltung hatte Trump 2015 über McCain gesagt: „Er war ein Kriegsheld, weil er gefangen genommen wurde. Ich mag Leute, die nicht gefangen genommen wurden.“ Die Fans des Präsidenten wissen, dass das bei vielen Veteranen und Konservativen nicht gut ankommt.

Weitere Themen

Topmeldungen

In den Fußstapfen? Jens Spahn und Angela Merkel

Corona-Krise : Spahn im Fahrstuhl

Die Bekämpfung der Corona-Pandemie ist zu einer Schicksalsfrage für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geworden. Sie kann ihn nach ganz oben tragen – oder in den politischen Keller.
Ein Mann mit Maske spaziert über den Max-Joseph-Platz in München - dort ist das Tragen des Mundschutzes noch keine Pflicht.

Liveblog zum Coronavirus : Jena plant eine Maskenpflicht

Australien greift hart gegen Regelverstöße durch +++ EU-Milliardenspritze für Kampf gegen Corona +++ Frankreich mit mehr als 3000 Todesopfern +++ Niedersachsen nimmt keine Patienten in Pflegeheimen mehr auf +++ Alle Entwicklungen im Liveblog.
Der Maschinenbauverband VDMA teilt mit, 84 Prozent seiner Betriebe litten unter Beeinträchtigungen ihres Betriebsablaufs.

Corona-Hilfen : Werden die Mittelständler vergessen?

Für mittelgroße Betriebe reichen die Hilfen des Staates nicht, beklagen Verbände und Politiker. Einige Bundesländer bessern schon nach.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.