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Mordfall Kennedy : Heute werden die JFK-Dokumente veröffentlicht

Kennedy in Dallas, Texas, wenige Minuten vor dem Attentat am 22. November 1963 Bild: Reuters

Wissenschaftler wie Verschwörungstheoretiker fiebern diesem Moment entgegen: Heute gehen etliche Dokumente über das Attentat an John F. Kennedy online. Um kaum einen anderen Mord ranken sich so viele Theorien.

          Als das amerikanische Nationalarchiv im Sommer ohne Vorankündigung einige Dokumente zum Fall JFK ins Internet stellte, brachen sogleich seine Webserver zusammen. So groß war der Andrang. Wenn in Kürze eine noch viel umfassendere Sammlung an Unterlagen online geht, wird es wohl wieder so weit kommen.

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          Um kaum einen anderen Mord der amerikanischen Geschichte ranken sich so viele Verschwörungstheorien wie um das Attentat auf den 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten, John Fitzgerald Kennedy. „JFK“ wurde im November 1963 bei einem Besuch in Dallas, Texas, im offenen Wagen mit mehreren Gewehrschüssen ermordet. Umgehend präsentierte die Polizei einen Verdächtigen: Lee Harvey Oswald. Der Gelegenheitsarbeiter und mutmaßliche Kommunist soll die Tat allein verübt haben. Doch nur zwei Tage später und bevor es zu einem Prozess kommen konnte, wurde auch Oswald erschossen – vom Nachtklubbesitzer Jack Ruby, der wohl Verbindungen zur Mafia hatte, und vor laufenden Kameras.

          „Ich bin nur ein Sündenbock“

          So bot der Fall Kennedy allerhand Ansatzpunkte für Spekulationen: Wollte Ruby etwas vertuschen? War Oswald wirklich der alleinige Mörder? Oder wurde Kennedy das Opfer einer Verschwörung? Musste er sterben, weil er sich mit dem mächtigen Auslandsgeheimdienst CIA angelegt hatte? Oder steckte womöglich die amerikanische Waffenindustrie hinter dem Attentat, weil sie ihr Geschäft in Gefahr sah?

          Der Hauptverdächtige Lee Harvey Oswald am Tag nach dem Attentat Bilderstrecke

          Auch eine Spur nach Kuba wird für möglich gehalten. Wollte sich Fidel Castro für aus Amerika gesteuerte Attentate und Putschversuche rächen? Oder schmiedeten – im Widerspruch dazu – kubanische Flüchtlinge in Amerika ein Komplott, weil sie von Kennedys Kuba-Politik enttäuscht waren?

          Die bis heute weit verbreitete These vom Alleintäter Lee Harvey Oswald wurde zunächst vor allem in Europa in Frage gestellt. Und später auch in der Verfilmung des Attentats („JFK“) durch Starregisseur Oliver Stone, der sich auf zwei populäre Bücher zum Thema stützte. Demnach war Kennedy ein Opfer der eigentlich Mächtigen im Staat. Auch dieser Film bewog den Kongress einst dazu, die Geheimhaltung der Kennedy-Akten auf 25 Jahre zu begrenzen. Die Frist läuft heute aus. Und Präsident Donald Trump befeuerte schon am Mittwoch per Twitter das öffentliche Interesse: „Die lange erwartete Freigabe der JFK-Dokumente wird morgen stattfinden. So interessant!“

          Dass es heute Dutzende Verschwörungstheorien über den Mordfall gibt, liegt auch an zahlreichen Versäumnissen und Fehlern der Polizei. So wurde etwa die stundenlange Vernehmung Oswalds nach dem Attentat weder auf Tonband aufgenommen, noch wurde sie sorgfältig protokolliert. Und dass der Hauptverdächtige sogleich erschossen wurde, weil ein Mann mit Revolver ungehindert ins Polizeigebäude gelangen konnte, auch das war eine schwere Polizeipanne. Oder war es Absicht, wie manche glauben möchten? Oswald soll Reportern jedenfalls zugerufen haben: „I’m just a patsy!“ (Ich bin nur ein Sündenbock.)

          Ob die in Kürze freigegebenen Dokumente wirklich belastbare neue Erkenntnisse im Fall Kennedy bringen werden, ist offen. In jedem Fall werden sie aber den Verschwörungstheoretikern neue Nahrung liefern.

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