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John Boehner : Der Patriot

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Mit ihm werden es der Präsident und seine Demokraten künftig öfter zu tun bekommen: Als mächtigster Mann der künftigen Mehrheitsfraktion wird der Republikaner John Boehner „Sprecher“ des Repräsentantenhauses. Damit vollendet Boehner ein erstaunliches Comeback.

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          Den vorerst letzten Hieb in einem politischen Fechtduell, zu dem ihn Präsident Obama vor Wochen unvermittelt gefordert hatte, führte John Boehner am Montag. In einer Wahlkampfrede im September hatte Obama Boehner acht Mal erwähnt und ihn als „das Gesicht der Partei des Nein“ besonders scharf angegriffen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Wenige Tage vor der Wahl forderte Obama dann in einem Interview mit dem spanischsprachigen Sender „Univision“, die Latinos sollten mit ihrer Stimmabgabe für die Demokraten „die Feinde bestrafen“. Damit waren die oppositionellen Republikaner gemeint, und zum Hauptfeind war Boehner erklärt. Das wollte Boehner nicht auf sich sitzen lassen. Bei seinem letzten Wahlkampfauftritt in seinem Heimatstaat Ohio rief er, wer, wie er, gegen horrende Staatsverschuldung und Verschwendung von Steuergeldern sei, verdiene nicht die Bezeichnung „Feind“, sondern „Patriot“.

          Mit Boehner aber werden es der Präsident und seine Demokraten öfter zu tun bekommen. Denn als mächtigster Mann der künftigen Mehrheitsfraktion wird er bei der konstituierenden Sitzung des 112. Kongresses am 3. Januar das Amt des „Sprechers“ des Repräsentantenhauses übernehmen. Als Präsident der größeren Kongresskammer kann Boehner die Tagesordnung und damit wesentlich die politische Agenda des Kongresses bestimmen. Mit seinem Aufstieg zum „Speaker“ vollendet Boehner ein erstaunliches politisches Comeback.

          John Boehner ist sichtlich gerührt über den Wahlerfolg seiner Republikanischen Partei

          Boehner, der in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs und als erster seiner Familie die Universität besuchen konnte, wurde erstmals 1990 für den 8. Wahlbezirk von Ohio ins Repräsentantenhaus gewählt. Im Kielwasser von Newt Gingrich und dessen „Republikanischer Revolution“ stieg er Anfang 1995 bis zur Nummer Vier in der Führung der Fraktion auf. Er verlor aber beim Sturz Gingrichs nach den schmerzhaften Mandatsverlusten der Republikaner bei den Kongresswahlen von 1998 auch seinen eigenen Führungsposten.

          1990 der Sprung nach Washington

          Jetzt ist der stets braungebrannte und umgängliche Boehner ganz oben. Im Februar 2006, nach dem Rücktritt des wegen Korruptionsverdachts angeklagten Texaners Tom DeLay, war Boehner zu dessen Nachfolger als Minderheitsführer gewählt worden. Er galt als Erneuerer und Saubermann. Als Vorsitzender des Bildungsausschusses hatte sich Boehner zudem einen Namen als Mann des Kompromisses mit Sachverstand gemacht, der Präsident George W. Bush und dem inzwischen verstorbenen demokratischen Senator Ted Kennedy half, das Bildungsreformgesetz „No Child Left Behind“ durch den Kongress zu bringen.

          Boehner wurde am 17. November 1949 in Cincinnati geboren und wuchs mit elf Geschwistern in einer katholischen Familie auf. Er schaffte den Sprung vom Arbeiter zum Studenten der Volkswirtschaft, dann bis zum selbständigen Unternehmer einer Verpackungs- und Plastikfirma. 1984 wurde er ins Abgeordnetenhaus des Bundesstaates Ohio gewählt, ehe ihm sechs Jahre später der Sprung nach Washington gelang. Boehner und seine Frau Debbie, mit der er seit 37 Jahren verheiratet ist, haben zwei erwachsene Töchter.

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