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Jörg Haider ist tot : „Ein Hang zu überhöhter Geschwindigkeit“

  • -Aktualisiert am

Jörg Haider ist tot Bild: dpa

Vierzehn Tage nach seiner Rückkehr auf die bundespolitische Bühne der Alpenrepublik ist Jörg Haider tot. Nun steht ganz Österreich unter Schock. Selbst politische Gegner zeigen sich tief betroffen über das Ableben des 58 Jahre alten Rechtspopulisten.

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          Vierzehn Tage nach seiner Rückkehr auf die bundespolitische Bühne Österreichs ist Jörg Haider tot. Der Kärntner Landeshauptmann verunglückte mit seinem Dienstauto auf einer nächtlichen Heimfahrt südlich von Klagenfurt. „Heute geht in Kärnten die Sonne nicht auf“, formulierte am Samstagmorgen unter Tränen Stefan Petzner, sein Stellvertreter im Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ), der freiheitlichen Partei, die Haider von der FPÖ abgespalten hatte.

          In ganz Österreich zeigten sich selbst politische Gegner tief betroffen über das Ableben des 58 Jahre alten Ausnahmepolitikers, der Österreichs Politik in den letzten beiden Jahrzehnten prägte wie kaum ein Zweiter. Ist doch „der Jörg“ so etwas wie eine Institution geworden. Bei den Nationalratswahlen vor zwei Wochen konnte der als BZÖ-Chef angetretene Haider die Wählerstimmen für seine Partei wieder auf überraschende 10,7 Prozent verdreifachen: ein letzter persönlicher Triumph für das politische Alphatier, das in Wien schon als abgeschrieben gegolten hatte und nun wieder täglich lautstark mitmischte, auch bei der Regierungsbildung.

          Nach einem Überholmanöver nach rechts abgekommen

          Am Samstag beherrschten zwei letzte Bilder das Land: ein strahlender, sonnengebräunter Jörg Haider mit der Unterzeile „1950 – 2008“ – und das Foto des Unfallwagens, eines VW Phaeton, total zerstört und querstehend auf einer breiten Ortsdurchfahrtsstraße.

          Jörg Haider ist tot Bilderstrecke

          Auf dem Weg ins heimatliche Bärental war der allein fahrende Landeshauptmann um 1 Uhr 15 nachts nach einem Überholmanöver von der Bundesstraße nach rechts abgekommen. Wie der Polizeidirektor bekanntgab, rammte die Limousine nach langem Schlittern am Böschungsrand mehrere Verkehrstafeln und einen Betonpfeiler, überschlug sich mehrmals, ehe sie nach 35 Metern zum Stillstand kam, ohne Fahrertür. Haider erlitt schwerste Kopf- und Brustverletzungen, der linke Arm sei fast abgetrennt gewesen, die Wirbelsäule vermutlich gebrochen; er starb noch vor dem Eintreffen ins Krankenhaus. Die Unfallstelle wurde großflächig abgesperrt; auch mit Hubschrauberfotos sollte der Unfallhergang rekonstruiert und dokumentiert werden. Die Frage nach der Fahrgeschwindigkeit wurde von der Polizei mit dem Hinweis auf die kommende Untersuchung des Autos beantwortet.

          „Ein Hang zu überhöhter Geschwindigkeit“

          Unterdessen bemerkten die ersten Zeitungskommentatoren schon, Jörg Haider sei „immer viel und spät nachts“ unterwegs gewesen (Standard), und „ein Hang zu überhöhter Geschwindigkeit gehörte zu seinem Charakter“ (Kurier). Auch daran, dass Haider vor fünfzehn Jahren nach einem Crash gegen einen Telegrafenmasten dem Unfalltod wie durch ein Wunder mit einer kleinen Beule entkommen war, wird wieder erinnert.

          Die Tragödie spielte sich in der Nacht vor einem geplanten Familienfest für seine neunzig Jahre alte Mutter ab, die aus Oberösterreich angereist war, um auf Jörg Haiders Bärentaler Forstwirtschaftsgut ihren Geburtstag zu feiern. Haider hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Töchter.

          Auch politisch ein reiches, aber zerrissenes Erbe

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