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Kampf gegen Corona-Pandemie : Biden will mehr Impfdosen spenden

  • -Aktualisiert am

Der amerikanische Präsident Joe Biden während der UN-Vollversammlung am Dienstag in New York Bild: Reuters

500 Millionen Impfstoffdosen will Joe Biden zusätzlich von Pfizer und BioNTech kaufen – und ärmeren Ländern spenden. Damit geht der amerikanische Präsident auf Kritik ein, sein Land lasse die Welt im Stich.

          2 Min.

          Die amerikanische Regierung hat zugesagt, im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie weitere Impfstoffe an ärmere Länder zu spenden. Präsident Joe Biden kündigte am Mittwoch auf einem virtuellen Covid-19-Gipfel an, zusätzlich 500 Millionen Impfstoffdosen des Pharmakonzerns Pfizer und seines Partners BioNTech zu kaufen und an Entwicklungsländer zu liefern.

          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Bislang hatten die Vereinigten Staaten versprochen, 600 Millionen Impfstoffdosen an andere Länder zu spenden, darunter 500 Millionen von Pfizer-BioNTech, die im Sommer für ärmere Staaten bestellt worden waren. Von diesen sollen 200 Millionen Dosen noch dieses Jahr sowie 300 Millionen Dosen im ersten Halbjahr 2022 geliefert werden. Die Gesamtmenge von einer Milliarde Pfizer-BioNTech-Dosen soll bis Ende September nächsten Jahres geliefert werden.

          Zuvor hatte Washington mehr als 100 Millionen Dosen des Moderna- und Johnson&Johnson-Impfstoffs ins Ausland geliefert – nicht nur an Entwicklungsländer wie Haiti, sondern auch etwa nach Kanada. Für jede Impfung, die Amerika im eigenen Land verabreicht habe,  würden nun drei Impfungen an andere Länder gespendet, äußerte ein ranghoher Regierungsvertreter vor dem Gipfel. Washington sei damit der größte Spenderstaat der Welt, sagte er weiter. Bisher seien 160 Millionen Impfstoffdosen an fast 100 ärmere Länder geliefert worden – von Peru bis Pakistan, von Sri Lanka bis  Sudan, von El Salvador bis Äthiopien, hieß es.

          Biden, der von Washington aus an dem virtuellen Gipfel teilnahm, hatte das Treffen während der UN-Generaldebatte in New York einberufen, um den Zugang zum Impfstoff auf der Welt zu verbessern. Ziel sei es, Staats- und Regierungschefs mit Vertretern internationaler Organisationen, Nichtregierungsorganisationen und der Privatwirtschaft zusammenzubringen, um sich auf eine „gemeinsame  Vision zur Bekämpfung“ des Coronavirus zu einigen, äußerte der Regierungsvertreter. Biden wandte sich an die Staatengemeinschaft und sagte, jeder müsse seinen Beitrag leisten: „Wir brauchen alle Mann an Deck.“

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          Das Coronavirus könne man nur besiegen, wenn man es überall besiege. Washington appelliert an die Staats- und Regierungschefs, den Zugang zu Impfstoffen zu verbessern und auch dafür zu sorgen, dass Covid-Tests, therapeutische Medikamente und Schutzkleidung verfügbar gemacht werden. Ziel müsse es sein, ärmeren Ländern zu helfen, bis September kommenden Jahres mindestens 70 Prozent ihrer Bevölkerung zu impfen. Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO hatte im Sommer gesagt, um mindestens 70 Prozent der Weltbevölkerung zu impfen, benötige man elf Milliarden Dosen.

          „Wir bekommen in Ethik eine Sechs“

          Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Guterres, hatte am Dienstag vor der UN-Vollversammlung die ungerechte Verteilung der Impfstoffe angeprangert. „Es ist eine Obszönität“, sagte er mit Bezug auf ungenutzte oder abgelaufene Vakzine. „Wir haben die wissenschaftliche Prüfung bestanden. Aber wir bekommen in Ethik eine Sechs“, sagte Guterres weiter. Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte, angesichts von Millionen Toten und Dutzenden Millionen Infizierten sei es „eine Schande für die Menschheit, dass der Impf-Nationalismus immer noch mit verschiedenen Methoden weitergeführt wird“.

          Zuletzt war Washington wegen seiner Pläne, vollständig geimpften Amerikanern nach acht Monaten von Ende September an eine Auffrischungsimpfung anzubieten, kritisiert worden, da in den Entwicklungsländern bisher nur zwei Prozent der Bevölkerung eine erste Impfdosis erhalten haben. Inzwischen hat sich ein Beratungsgremium der Arzneimittelbehörde FDA gegen die Pläne der Regierung gewandt und empfohlen, den „Pfizer-BioNTech-Booster“ nur älteren Amerikanern und Risikogruppen anzubieten.

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