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Joe Biden und Kamala Harris : „Wir sind startklar!“

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Der Präsidentschaftskandidat und Ex-Vizepräsident Joe Biden mit Kamala Harris, der ersten schwarzen Vizepräsidentschaftskandidatin in den Vereinigten Staaten Bild: AP

Es ist ein eher bescheidener Rahmen ohne jubelnde Massen, in dem Joe Biden seine Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin vorstellt. Dennoch wagen er und Kamala Harris einen seltenen, persönlichen Auftritt – schlicht im Stil, aber kämpferisch im Ton.

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          Es war kein triumphaler Auftritt vor Massen jubelnder Anhänger, als Joe Biden am Mittwoch Kamala Harris, seine Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin, vorstellte. Mittlerweile sind die Amerikaner virtuelle Wahlkampfreden gewöhnt, aber Biden und Harris ließen sich zumindest einen kleinen Auftritt in Person nicht nehmen. In der Dupont High School in Wilmington in Delaware, wo Biden wohnt, betraten sie am Nachmittag die Bühne.

          Beide trugen schwarze Schutzmasken. Biden sagte, die Wahl im November sei ein „ernster Moment“ für die Nation. Er sei sicher, mit Harris die richtige Person als Vize-Kandidatin ausgewählt zu haben. „Kamala ist, wie ihr alle wisst, smart, tough und erfahren. Sie ist eine erprobte Kämpferin für das Rückgrat dieses Landes, die Mittelklasse“, sagte er.

          Biden deutete auch an, dass er mit Harris eine Kandidatin präsentiert, die sich als Präsidentin eignen würde, falls er selbst ausfallen würde: „Sie ist startklar von Tag Eins an“, sagte er. Der 77-jährige hatte sich beim letzten persönlichen Kampagnenauftritt in Detroit am 9. März als „Brücke“ zu einer neuen Generation demokratischer Führungspersönlichkeiten bezeichnet. Biden sagte in Wilmington, dass er Harris gebeten habe, „die letzte Stimme im Raum“ zu sein, wenn er als Präsident wichtige Entscheidungen treffen müsse. Als er Vize von Barack Obama geworden sei, habe er diesem ebenfalls gesagt, dass er die letzte Person im Raum sein wolle, bevor der Präsident wichtige Schritte unternahm.

          Biden: Harris' Geschichte ist „Amerikas Geschichte“

          Viele Kommentatoren hatten nach der Bekanntgabe von Harris' Kandidatur betont, dass diese einen historischen Meilenstein für die politische Repräsentation von Frauen und von Menschen, die nicht weiß sind, darstellt. Harris wuchs als Kind von Einwanderern in Oakland in Kalifornien auf. Die 55-Jährige ist die Tochter einer tamilischen Krebsspezialistin und eines haitianischen Professors. Sie besuchte die historisch schwarze Howard Universität in Washington und wurde schließlich Bezirksstaatsanwältin von San Francisco und Generalstaatsanwältin des Bundesstaates Kalifornien. Seit dem Jahr 2017 vertritt sie Kalifornien im Senat.

          Sie ist die dritte Frau, die für Republikaner oder Demokraten als Vizepräsidentin kandidiert, und wäre die erste Frau in dem Amt. Sie ist auch die erste Schwarze und die erste Person indischer Abstammung, die für das Amt aufgestellt wird. Biden sagte, Harris' Geschichte sei damit „Amerikas Geschichte“. Sie wisse aus persönlicher Erfahrung, was Einwanderer zu den Vereinigten Staaten beitrügen, so der ehemalige Vizepräsident. Harris wisse außerdem um die Herausforderungen, die mit dem Leben als Schwarze und als indische Amerikanerin verbunden seien. An diesem Morgen seien „kleine Mädchen, ganz besonders schwarze und braune Mädchen, die sich geringgeschätzt und übersehen fühlen“ aufgewacht und hätten durch Harris zum ersten Mal „einen neuen Weg als Präsidentinnen und Vizepräsidentinnen“ für sich sehen können, sagte er.

          Harris selbst sagte in ihrer Rede, sie sei stolz, an Bidens Seite zu kandidieren. Sie dankte den „heroischen und ambitionierten Frauen“, die vor ihr für politische Gleichstellung und Repräsentation gekämpft und ihre Kandidatur so möglich gemacht hätten. In der gegenwärtigen kritischen Phase in der Geschichte Amerikas sei sie darauf vorbereitet, dem Land zu dienen. In der Wahlauseinandersetzung mit Donald Trump stehe alles auf dem Spiel, das den Amerikanerinnen und Amerikanern am Herzen liege, auch die Gesundheit der eigenen Kinder. Wie das von amerikanischen Politikerinnen regelrecht erwartet wird, wurde sie auch persönlich. Von allen Titeln, die sie je gehabt habe, sei ihr „Momala“, den ihr die Kinder ihres Ehemannes gaben, der Liebste.

          Ankündigung eines detaillierten Krisenplans

          Biden und Harris gingen beide auf die miteinander verbundenen Krisen ein, die sie im Amt erben würden. In den Vereinigten Staaten wurden bislang fünf Millionen Menschen positiv auf das Coronavirus getestet, rund 165.000 Menschen starben. Biden versprach, dass er, Harris und sein Kabinett vom ersten Tag an mit einem detaillierten Krisenplan aufwarten würden, der sich am Stand der Wissenschaft orientieren werde. Harris sagte, Trump sei für die größte Gesundheitskrise und die schlimmste Wirtschaftskrise verantwortlich, die das Land in einem Jahrhundert erlebt habe. Trump habe von seinem Vorgänger Barack Obama ein boomendes Land geerbt und es heruntergewirtschaftet. Im November brauche Amerika mehr als einen Wahlsieg, so die Senatorin. Man benötige ein klares Votum, das zeige, dass die letzten Jahre nicht den Charakter der Amerikaner widerspiegelten. Es gehe um die „Seele des Landes“.

          Viele Reaktionen auf Harris' Kandidatur und den gemeinsamen Auftritt waren positiv. Beobachter, die den Demokraten nahe stehen, sahen eine notwendige Verjüngung und offensivere Energie für die Kampagne. Besonders in den sozialen Medien erinnerten Linke daran, dass Harris im eigenen Wahlkampf um die Präsidentschaftskandidatur ihre politische Position beim Thema Krankenversicherung gewechselt habe. Viele kritisieren sie für ihre Zeit als Generalstaatsanwältin, weil sie nicht genug gegen die Diskriminierung von Schwarzen im Justizsystem getan habe. Donald Trump wiederum bezeichnete Harris als „garstig“ und „respektlos“ und wiederholte dabei nach Ansicht vieler Beobachter Stereotype über Frauen.

          Douglas Emhoff, Ehemann von Kamala Harris, und Joe Bidens Frau Jill bei der ersten gemeinsamen Pressekonferenz ihrer Ehepartner
          Douglas Emhoff, Ehemann von Kamala Harris, und Joe Bidens Frau Jill bei der ersten gemeinsamen Pressekonferenz ihrer Ehepartner : Bild: AFP

          Die Biden/Harris-Kampagne verbreitete unterdessen den Enthusiasmus, den man brauchen wird, um im November Trump an der Wahlurne zu besiegen. Die Ehepartner der Kandidaten, Jill Biden und Douglas Emhoff, setzten anfeuernde Tweets und Fotos von sich selbst ab. „Wir sind startklar“, überschrieb Biden ein Foto von beiden Ehepartnern in Schutzmasken.

          Nach der Veranstaltung in Wilmington machten sich Joe Biden und Kamala Harris gemeinsam ans Spendensammeln und luden zu ihrem ersten gemeinsamen Fundraising-Termin im Netz ein. Ob es in den kommenden Wochen Auftritte von beiden in Person oder ausschließlich im Netz geben wird, ist noch nicht sicher. In der kommenden Woche wollen die Demokraten Biden und Harris dann offiziell nominieren. Der große Parteitag in Milwaukee, auf den man jahrelang hingearbeitet hatte, ist allerdings abgesagt. Stattdessen wird es eine mehrtägige Veranstaltung im Internet geben, bei der Funktionäre und Aktivisten Reden halten. Anschließend sind es nur noch zweieinhalb Monate bis zur Wahl am 3. November.

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