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Angeschlagener Joe Biden : Aus dem Tritt geraten

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Bidens Wahlkampf ist durch die Ukraine-Affäre erkennbar aus dem Tritt geraten, obwohl er darauf vorbereitet war, dass das Leben seines Sohnes Hunter irgendwann vom politischen Gegner thematisiert würde. Der 49 Jahre alte Anwalt musste in seinem Leben schon viele Krisen durchstehen: Alkoholsucht, Drogenmissbrauch, Rückfälle, eine Scheidung, die Schlagzeilen machte, eine kurzzeitige Beziehung mit der Witwe seines Bruders Beau und berufliche Mandate, bei denen zumindest der Anschein bestand, er profitiere von der Position seines Vaters. Stets stand im Raum, dass seine persönlichen Probleme dessen Karriere schaden könnten.

„Fuck you, Mr. President. Hier bin ich und lebe mein Leben“

Im Sommer versuchte man, möglichen Angriffen zuvorzukommen. Hunter vertraute sich einem Journalisten des „New Yorker“ an, der eine lange Geschichte schrieb, die mit einem Zitat des Sohnes endete: „Fuck you, Mr. President. Hier bin ich und lebe mein Leben.“ Vater Biden konnte nicht geglaubt haben, dass mit diesem Artikel alles überstanden sei. Dass Hunters Angriffsfläche nun möglicherweise ein Impeachment gegen Trump auslöst, konnte erst recht keiner ahnen.

Auch andere Ereignisse beeinflussen derzeit Bidens Kampagne. In der vergangenen Woche erlitt Sanders einen Herzinfarkt. Der 78 Jahre alte Kandidat zog sich zur Erholung ins heimische Burlington nach Vermont zurück. Er bekundet den Willen, im Rennen zu bleiben. Natürlich bestehen daran Zweifel. Sollte er frühzeitig ausscheiden, begönne nicht nur aufs Neue eine Debatte über das hohe Alter vieler Kandidaten, die vor allem den 76 Jahre alten Biden träfe. Die sechs Jahre jüngere Warren ist bisher nämlich nicht durch Konzentrationsmängel aufgefallen. Sie könnte sich zudem Hoffnung machen, dass viele der studentischen Anhänger Sanders’ in ihr Lager wechselten. Biden wiederum dürfte darauf setzen, dass ein Teil der Industriearbeiter, die Sanders unterstützen, bei ihm landen.

Es ist immer noch viel zu früh, Vorhersagen über den Ausgang der Vorwahlen zu machen. Sollte indes der Trend für Warren anhalten und sich die linke Kandidatin durchsetzen, wäre die politische Mitte Amerikas unbesetzt. Bevor Biden im April dieses Jahres seine offizielle Bewerbung verkündete, hatten mehrere potentielle Kandidaten ihren Verzicht erklärt: John Kerry und Michael Bloomberg, die das Potential gehabt hätten, moderate Republikaner und Unabhängige zu binden, und Sherrod Brown, der die Moderaten ebenfalls angesprochen hätte, aber – anders als Kerry und Bloomberg – auch den kleinen Mann in Amerikas Rostgürtel. Sie ließen Biden den Vortritt, weil sie ihm die besten Chancen zugestanden, Trump zu schlagen. Mag sein, dass sich diese Entscheidung als verfrüht erweist.

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