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Joe Biden : „Ich habe keinen rassistischen Knochen im Leib“

Joe Biden mit dem ranghöchsten Afroamerikaner in der Geschichte des amerikanischen Kongresses, Jim Clyburn, am Freitag in South Carolina Bild: AP

Amerikas früherer Vizepräsident Joe Biden liegt in Umfragen derzeit vor Donald Trump. Die Konkurrenten um den Platz als demokratischer Präsidentschaftskandidat warten nur auf Fehltritte. Und die liefert er.

  • -Aktualisiert am

          Joe Biden macht wieder einmal Schlagzeilen mit seinem vermeintlichen Unwillen, Haltungen und Stil der Zeit anzupassen. Bei einer Spendensammel-Veranstaltung in New York am Mittwoch erinnerte sich der ehemalige Vizepräsident von Barack Obama an seine lange Karriere. Er sagte, dass er im Laufe seines Lebens auch mit Politikern zusammengearbeitet habe, deren Ansichten er nicht teilte. Dazu gehörten zum Beispiel zwei Demokraten aus dem Süden des Landes, wo auch die demokratische Partei im 20. Jahrhundert lange von Politikern dominiert war, die die Trennung des öffentlichen und privaten Lebens nach rassistischen Kriterien („Rassentrennung“ oder „Jim Crow“-Gesetze) wollten.

          Biden erwähnte als Beispiel den Senator James Eastland aus Mississippi. Eastland war bis 1978 Senator und bekämpfte die gerichtliche Aufhebung der „Rassentrennung“ oder „Segregation“ und bezeichnete Schwarze als „minderwertige Rasse“. Eastland habe ihn, Biden, „nie 'boy', sondern immer 'Sohn' genannt“, versicherte der Kandidat auf der Veranstaltung in New York. Da versklavte Männer und später Schwarze von Rassisten oft als „boy“ bezeichnet wurden, waren viele Menschen verärgert über Bidens Bemerkung.

          Den ebenfalls als „Segregationisten“ bezeichneten Demokraten Herman Talmadge, der bis 1981 für Georgia dem Senat angehörte, beschrieb Biden als „einen der gemeinsten Kerle, die ich je kannte“. Doch man habe zusammen arbeiten können, es habe „zumindest so etwas wie Zivilität“ gegeben. Dieser Kommentar habe sich, sagen Bidens Verteidiger, auf Donald Trump bezogen.

          Allerdings ist „civility“ in den Vereinigten Staaten schon seit längerem ein politisch kontroverser Begriff, weil Menschen, die gegen Rassismus kämpfen, des öfteren vorgehalten wird, sie seien nicht „zivil“ genug in der Form der Auseinandersetzung. Kritiker warfen Biden vor, dass er nun die vermeintliche „Zivilität“ von zwei verstorbenen Politikern lobe, die Unterstützer des oftmals gewaltsamen Widerstandes der Weißen gegen den Kampf um Bürgerrechte waren.

          In den Augen vieler Beobachter passt Bidens augenscheinliche Weigerung, sich überlegter auszudrücken und sich mit den Anliegen benachteiligter Gruppen zu befassen, nicht mehr in die Zeit. Gerade bei jungen Menschen könnte ihn das im Wahlkampf in Schwierigkeiten bringen. Doch die Mitarbeiterinnen des ehemaligen Senators aus Delaware haben offenbar wenig Hoffnung, dass Biden am Eindruck der „tone-deafness“, der politischen „Taubheit“, arbeiten will. „Er ist keiner, zu dem Sie hingehen und sagen können, Sie haben das zwar X Jahre lang so gemacht, aber heute können Sie das nicht mehr machen!“ zitierte die „Washington Post“ einen anonymen Kampagnenmitarbeiter.

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          Senator Cory Booker aus New Jersey, der sich ebenfalls um die demokratische Präsidentschaftskandidatur bewirbt, verlangte unterdessen eine Entschuldigung von Biden. Kandidatin Kamala Harris aus Kalifornien sagte im Flur des Kapitols über die von Biden genannten Parteikollegen: „Wenn diese Männer ihren Willen bekommen hätten, wäre ich nicht im Senat und in diesem Fahrstuhl.“ Biden reagierte aufgebracht. „Die wissen es besser“, schimpfte er über seine innerparteilichen Konkurrenten. „Entschuldigen wofür? Cory sollte sich entschuldigen!“

          Biden wurde in der Vergangenheit vorgeworfen, dass er die politischen und sozialen Veränderungen in der amerikanischen Gesellschaft nicht immer einschätzen könne – und dass seine Lösung zu oft laute, sie zu ignorieren. Gegenüber den Journalisten benutzte er eine defensive Standardformel, die ihm neuerliche Kritik einbrachte: „Ich habe keinen rassistischen Knochen im Leib. Ich war meine ganze Karriere lang an der Seite der Bürgerrechtsbewegung. Punkt, Punkt, Punkt“, zitierte ihn die „Washington Post“. Der Ausbruch zeigte vor allem, dass Biden emotional auf die Vorwürfe reagierte. Später erklärte er: „Ich hätte mir mit James Eastland nicht uneiniger sein können, wenn es um seine segregationistische Haltung ging. Ich habe für den Senat der Vereinigten Staaten kandidiert, weil ich gegen die Ansichten der Segregationisten war.“

          Booker legte bei CNN indessen nach und sagte, es sei „wirklich problematisch“, dass Biden nun von ihm eine Entschuldigung verlange. Jemand hätte Biden erklären müssen, so Booker, dass er alles noch schlimmer mache, wenn er auf die Kritik eines afroamerikanischen Mannes mit der Behauptung reagiere, er sei „kein Rassist“. „Ich kenne Joe Biden, er ist besser als das hier“, sagte der Senator.

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