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Unterstützung für Taiwan : Große Worte Bidens – allzu spontan ausgesprochen

  • -Aktualisiert am

Joe Biden am Montag in Tokio Bild: dpa

Amerika werde Taiwan militärisch helfen, falls China einmarschiere, sagt Joe Biden. War das wieder so eine Äußerung, die nachher uminterpretiert werden muss?

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          Joe Biden scheint es zu einem Markenzeichen seiner Präsidentschaft machen zu wollen, seine innersten Überzeugungen auf offener Bühne undiplomatisch deutlich auszusprechen. Dass dies manchen in seiner Umgebung den Angstschweiß auf die Stirn treibt, nimmt er in Kauf. So war es schon vor einigen Wochen, als er sagte, Wladimir Putin könne nicht an der Macht bleiben.

          Und so war es am Montag in Tokio, als er bei einer Pressekonferenz auf eine entsprechende Frage sagte, die USA würden im Falle einer chinesischen Invasion Taiwan mit militärischen Mitteln beistehen. Die Reaktion aus Peking war ebenso vorhersehbar wie prompt. Man verwahre sich gegen Versuche Washingtons, sich in (angeblich) innerchinesische Angelegenheiten einzumischen.

          Schlechtes Vorbild Barack Obama

          Biden sprach unter dem Eindruck des russischen Überfalls auf die Ukraine. Insofern ist es verständlich, dass er China vor einem ähnlichen Vorgehen gegen Taiwan warnen wollte. Man kann aber darüber streiten, ob es klug ist, wenn sich ein amerikanischer Präsident spontan so äußert, wie Biden es getan hat. Sein Wort hat nur dann Gewicht, wenn er und sein Land wirklich bereit sind, mit aller Konsequenz das zu tun, was er nun gesagt hat.

          Man erinnert sich an Barack Obama, der einst in Syrien „rote Linien“ definierte, der aber dann nichts tat, als das Regime in Damaskus diese überschritt. Große Worte sind schnell ausgesprochen, sie sollten aber immer Ergebnis genauer Überlegungen sein.

          Peter Sturm
          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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