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Jerusalem : Zusammenstöße auf dem Tempelberg

  • Aktualisiert am

Israelische Polizisten schützen sich vor Steinen Bild: AFP

Die Proteste gegen die Erklärung heiliger Stätten zum israelischen Nationalerbe dauern an. Bei Zusammenstößen in Jerusalem setzte die israelische Polizisten Blendgranaten ein, nachdem sie von Palästinensern mit Steinen beworfen worden waren.

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          Israelische Bereitschaftspolizisten sind am Freitag auf dem Jerusalemer Tempelberg mit Gewalt gegen Gruppen muslimischer Gläubiger vorgegangen. Sie setzten Blendgranaten ein, nachdem sie mit Steinen beworfen worden waren. Die Polizei zog sich nach Vermittlung muslimischer Geistlicher von der in der islamischen Welt als „edles Heiligtum“ verehrten Stätte mit Felsendom und Al-Aksa-Moschee zurück.

          Anlass der Zusammenstöße war die Ausrufung von Stätten im Westjordanland - Rachels Grab bei Bethlehem und das Grab der Patriarchen in Hebron - zum nationalen Erbe Israels. Sie gelten sowohl für Juden als auch für Muslime als heilig. Ein Sprecher der muslimischen Geistlichen sagte, dies sei Thema in der Predigt zum Freitagsgebet in der Al-Aksa-Moschee gewesen. Rund 300 junge Männer haben daraufhin laut Polizeiangaben Steine auf israelische Polizisten und jüdische Gläubige an der Klagemauer am Fuße des Tempelbergs geworfen.

          Palästinenser empfinden es als Provokation

          Rachels Grab bei Bethlehem und das Grab der Patriarchen in Hebron kamen nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 unter israelische Kontrolle. Die Palästinenser empfinden es als Provokation, diese für beide Religionen gleichermaßen bedeutenden Heiligtümer zum israelischen Nationalerbe zu erklären. Zudem belastet dieser Schritt aus ihrer Sicht den Nahost-Friedensprozess, in dem sie einen eigenen Staat mit Westjordanland und Ost-Jerusalem erreichen wollen. Vertreter Israels sagten dagegen, die Deklaration zum Nationalerbe solle den Erhalt der Stätten gewährleisten.

          Bei den Zusammenstößen auf dem Tempelberg wurden nach palästinensischen Angaben 13 Personen verletzt. Ein Sprecher des Jerusalemer Hadassah-Krankenhauses sagte, darunter sei eine palästinensische Frau, die von einem Gummigeschoss am Kopf getroffen worden sei. Ihr Zustand sei ernst. Die israelische Polizei dementierte den Einsatz von Gummigeschossen. Ihren Angaben zufolge erlitten 15 Beamte leichte Verletzungen.

          Die Proteste halten seit etwa zwei Wochen an. Zu Ausschreitungen kam es in der Altstadt von Jerusalem sowie in Hebron, im südlichen Westjordanland. Für weitere Verärgerung unter den Palästinensern sorgt die Absicht von Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat, 22 Häuser im besetzten arabischen Ostteil Jerusalems abzureißen und an deren Stelle einen Bibelpark bauen zu wollen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte das Projekt wegen der zu erwartenden Proteste in letzter Minute gestoppt. (Siehe auch: Jerusalem: Bibelpark der Zwietracht)

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